VBE: Ist die Gemeinschaftsschule wirklich eine Schule für alle?

Ministerium soll nach der Herbststatistik Übergangszahlen offenlegen

Stuttgart. Bisher hat das Kultusministerium jede Nachfrage, mit welcher Grundschulemp­fehlung Schüler Gemeinschaftsschulen besuchen, mit dem Hinweis zurückgewie­sen, dass bei der Anmeldung das Dokument nicht mehr vorgelegt werden müsse und daher keine Zahlen existierten. Nach der Erhebung der Herbststatistik an den Schulen sticht dieses Argument nicht mehr. Der Verband Bildung und Er­ziehung (VBE) Baden-Württemberg fordert jetzt die Offenlegung der Zahlen.

Es verging bisher kein Monat, ohne dass das Kultusministerium oder die Stabsstelle darauf hingewiesen haben, zu welchem Erfolgsmodell sich die neue Gemeinschafts­schule im Land entwickle. Selbst CDU-Bürgermeister und nicht grün-rote Gemeinde­räte würden mit Feuereifer Anträge auf die Einrichtung der von grün-rot favorisierten Schulart stellen, jubelte das Ministerium. Kritikern, die in dieser Antragstellung nur die Möglichkeit einer Standortsicherung bei zurückgehenden Schülerzahlen sahen, indem sterbende Haupt-/Werkrealschulen als Gemeinschaftsschulen wiedergeboren würden, entgegnete man, dass die neue Schulart eine Schule für alle sei, ohne den Beweis anzu­treten, ob dem wirklich so ist. Da bei der Anmeldung keine Grundschulempfehlungen mehr vorgelegt werden müssen, wisse man folglich auch nicht, welche Schüler Ge­meinschaftsschulen besuchten.

Solange Gymnasial- und Realschullehrer sowie Schüler mit einer Gymnasial- oder Realschulempfehlung an Gemeinschaftsschulen eindeutig in der Minderheit seien, sehe das Ganze noch allzu sehr nach einem Etikettenschwindel aus, argumentierte der VBE.

Nach Vorliegen der aktuellen amtlichen Herbststatistik kann das Kultusministerium anhand des von den Schulleitern ausgefüllten Statistikbogens 6 genau erkennen, wel­che Schüler mit welcher Grundschulempfehlung auf die Gemeinschaftsschulen ge­wechselt haben. Beim VBE hat man jedoch den Eindruck, dass das Ministerium an dieser Wahrheit nicht sonderlich interessiert ist, denn dann könnte möglicherweise deutlich werden, dass die Gemeinschaftsschule vielleicht doch nur eine umetikettierte Hauptschule ist mit ein paar Schülern, die auch auf Realschule oder Gymnasien gehen könnten; von der inklusiven Beschulung von Schülern mit besonderem sonderpädago­gischen Förderbedarf noch gar nicht gesprochen. Der VBE fordert das Kultusministe­rium auf, jetzt Farbe zu bekennen und die Übergangszahlen offenzulegen.

11.11.12

Kommentar (1)

  1. Hallo,ich bin skeptisch, ob eine Oberstufe im Gemeinschaftsverbund mit dem Gymnasium gelingen kann. Dafür sind die Lernkulturen an beiden Schulen zu unterschiedlich. Ich hab selbst als Gesamtschülerin später am Gymnasium mein Abitur gemacht, weil es an meiner Gesamtschule keine Oberstufe gab. Der krasse Kulturschock, aber auch der Habitus, der an diesem Gymnasium herrschte hat sich damals auch negativ auf meinen Schulerfolg ausgewirkt. Wenn wir es schaffen, dass auch die Erreichbarkeit des Abiturs an die Gemeinschaftsschulen Normalität wird (wie das beispielsweise in Schweden der Fall ist), dann machen auch mehr Kinder Abitur. Zur praktischen Umsetzbarkeit. Wie muss ich mir den Oberstufenverbund vorstellen, wo ein Abitut in zwölf Jahren (Gymnasium) und ein Abitur in dreizehn Jahren (Gemeinschaftsschule) aufeinander prallen. Wäre es da nicht sinnvoller, alle Gemeinschaftsschulen mit eigener Oberstufe auszustatten und die Gymnasien anzudocken. SchülerInnen, die in 12 Jahren fertig sind, können dann die Schule schon verlassen. Wie sieht das mit den Lehrplänen aus? Da fehlen mir noch Antworten in dem kurzen Beitrag oben.

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