Chef der Jungen Union löst beim VBE heftige Irritationen aus

Stuttgart. Beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg lösten die jüngsten Aussagen des neuen Vorsitzenden der Jungen Union, Nikolas Löbel, heftige Irritationen aus. Löbel hatte Streichungen von Lehrerstellen vorge­schlagen, sich gegen die Senkung des Klassenteilers ausgesprochen und den Beamtenstatus von Lehrern infrage gestellt. Damit bezog er eine deutlich andere Position als die, die die CDU wenigstens bisher zur Schule hatte.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Während sich die CDU, als sie noch an der Regierung war, für eine sukzessive Senkung des Klassenteilers stark gemacht und diesen Prozess auch in Gang gesetzt hat, spricht sich Löbel jetzt aus finanziellen Gründen gegen die Absenkung aus. Pädagogik spielt bei solchen Überlegungen leider keine Rolle. Wer behauptet, dass es kein großer Unterschied sei, ob ein Lehrer 20 oder 30 Kinder vor sich habe, zeigt, dass er höchstwahrscheinlich außer seiner eigenen Schule nicht viele andere Einrichtungen von innen gesehen, geschweige denn Unterricht unter schwierigen Bedingungen erlebt hat; Unterricht, wie er heute an vielen Schulen Alltag ist – und nicht nur an denen in sozialen Brennpunkten. Schulen benötigen mehr Lehrer statt weniger, um den Anforderungen der heutigen Gesellschaft an eine qualitativ hoch­wertige Schule zu erfüllen und den Unterrichtsausfall möglichst gering zu halten. Gerade im Ganztagesbetrieb ist es fast unmöglich, Schüler vorzeitig nach Hause zu schicken, weil sich Eltern auf feste Unterrichtszeiten verlassen wollen.

Der Beamtenstatus der Lehrer garantiert den Schulen Stabilität und Kontinuität, hält sie streikfrei und von Beeinflussungen von außen frei. „Löbel wäre sicher der erste, der lautstark schimpfen würde, wenn Lehrer kurz vor dem Abitur als Arbeits­kampfmaßnahme die Arbeit längere Zeit niederlegen würden“, mutmaßt VBE-Chef Gerhard Brand in einer ersten Stellungnahme.

Der VBE rät dem Vorsitzenden der Jungen Union, sich gründlicher mit der Ma­terie vertraut zu machen, bevor er Äußerungen von sich gibt, die sich nicht sonder­lich von Parolen an Stammtischen unterscheiden. Mit seinen Vorstoß, den Beam­tenstatus für Lehrer abzuschaffen, outet sich der JU-Chef als ein „Maulwurf“ in der Union oder zumindest als ein schwarz angestrichener Grüner. Sogar der Presse­sprecher der JU Biberach, Martin Pretzel, hat seinem Vorsitzenden auf der Face­book-Seite der Organisation gestern heftig widersprochen und eine Begründung für diesen Rundumschlag gefordert, der auch aus Sicht des VBE überflüssig und un­sinnig ist. „Ohne eine gesicherte Bildung für alle lässt sich kein Staat machen“, so Brand.

23. Januar 2012

 

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