Der VBE zur Fußball-Europameisterschaft 2012

Idole können gute oder schlechte Vorbilder für Schüler sein

Stuttgart. „Wenn Rüpeleien von Fußballstars in Großaufnahme im Fernsehen gezeigt werden, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Jugendliche dieses ne­gative Verhalten ihrer Idole nachahmen“, sagt Gerhard Brand, Vorsitzen­der des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg an­lässlich der am Freitag beginnenden Fußball-Europameisterschaft. Die Ju­gend sei immer ein Spiegel der Gesellschaft; und was man von Kindern und Jugendlichen an positivem Verhalten erwarte, sollte von Erwachsenen vor­gelebt werden, und besonders, wenn sie als prominente Vorbilder gelten.

Kinder und Jugendliche orientieren sich an (vermeintlichen) Stars und Idolen, deren unsportliches Verhalten, deren Rüpeleien, Ausfälligkeiten und Ungezo­genheiten sie als „vorbildlich“ ansehen und deshalb ohne Gewissensbisse nach­machen. Ob unfair zutretende, auf den Boden spuckende oder sich mit bloßen Fingern die Nase schnäuzende Fußballer, ob halbnackte Schlagersternchen, pö­belnde und lärmende Rockmusiker oder unflätig fluchende Schauspieler in TV-Gerichtsshows: solche ständig präsenten Negativbeispiele erschweren Eltern und Lehrern durch die falsche Vorbildfunktion die tägliche Erziehungsarbeit.

Die Gesellschaft fordert zu recht, wieder mehr auf gutes Benehmen und Höf­lichkeit zu achten, akzeptiert aber oder bejubelt sogar bei Showgrößen und Stars auf dem Rasen oder der Bühne ungehobelte und exzentrische Verhaltensweisen, die jedem Schüler einen Verweis durch den Schulleiter oder einen zusätzlichen Besinnungsaufsatz „Wie benehme ich mich richtig“ einbringen würden.

Fußball als schönste Nebensache der Welt hat auch eine erzieherische Funkti­on. Diese kann sich positiv oder negativ auf Kinder und Jugendliche auswirken. „Die Sportler sollen ihre ständige Vorbildfunktion auf dem Rasen und bei ihren Auftritten vor den Fernsehkameras nicht vergessen“, sagt VBE-Chef-Brand. Die Ballkünstler beeinflussen durch ihr Verhalten die Jugend mehr, als sie es oft sel­ber wahrhaben wollen. „Was nützt es“, moniert Brand, „wenn der Sportlehrer in Schule und Verein Fairplay predigt, die großen Fußballstars aber mehr die häss­lichen Seiten des Mannschaftssports zeigen. Nicht nur Eltern und Lehrer ver­suchen, Kinder und Jugendliche gut zu erziehen; große Vorbilder erreichen da unbewusst meist noch viel mehr, zum Positiven als auch zum Negativen.“

7. Juni 2012

Kommentar (1)

  1. ja so ist die Menschheit aber nunmal. Diese sogenannten Vorbilder sind dieser Rolle doch gar nicht immer gewachsen, genauso wie nicht jeder Lehrer es ist. Immerhin sind viele Fußballstars junge Männer aus teils ärmlichen Verhältnissen, oder einfach Jungen, die nix als Fußball können.
    Rassismus ist sicherlich unentschuldbar, aber Kinder und Jugendliche dürfen nicht nur vom Fernseher und/oder Stars/Idolen erzogen werden… das ist doch klar! Dass es Schlechtes, Falsches und Böses in der Welt gibt, sollte man den Heranwachsenden aber auch nicht in einer Welt aus Watte vorenthalten…

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