VBE: Bei Kindern in der Grundschule wieder mehr auf ein gefälliges Schriftbild achten – Wenn nicht da, wann dann?

Stuttgart. Das Schreiben mit der Hand und nicht über eine Tastatur praktiziert man vor al­lem in den Schulen. Gab es früher sogar das im Zeugnis ausgewiesene Fach „Schönschreiben“, denkenheute manche Schulen laut über eine weitere Vereinfa­chung der Schrift nach. Der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) warnt davor, eine gefällige, gut lesbare Schrift als unwichtig abzutun.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Aus der Sütterlinschrift entwickelte sich die „Deutsche Volksschrift“. Nach dem zwei­ten Weltkrieg mussten die Schüler neben den Druckbuchstaben die „Lateinische Aus­gangsschrift“ erlernen, deren Rundungen und Schnörkel manchen Pädagogen später ein Dorn im Auge waren. „Schönschreiben“ als eigenständiges Unterrichtsfach war schon lange abgeschafft, da durften Schulen ab den Neunziger Jahren als Alternative auch die „Vereinfachte Ausgangsschrift“ verwenden.

Ein Drittel der Jungen und zehn Prozent der Mädchen hätten, so heißt es, am Ende der Grundschulzeit eine unleserliche Handschrift. Deshalb erproben seit 2011 einige Schulen die Grundschrift, eine Art Druckschrift, dessen Buchstaben sich gelegentlich berühren. Der VBE-Sprecher warnt davor, beim Schrifterwerb in der Eingangsstufe und während der ganzen Grundschulzeit die Freude am Schreiben zu vernachlässigen. Die Schule sei für viele Heranwachsende der einzige Ort, an dem die Fähigkeit, mit der Hand zu schreiben, überhaupt noch ein Thema ist. „Im Zeitalter von Compu­tern und Smartphones wird leider mehr auf Tastaturen getippt als der Umgang mit Fül­ler und Schreibstift gepflegt. Das Kulturgut Handschrift wird zur Nebensache“, mo­niert der VBE-Sprecher.Damit das Schreibenlernen aufgewertet werden kann, müssen an den Grundschulen entsprechende Arbeitsbedingungen herrschen. Dazu gehört aus­reichendes Lehrpersonal und Zeit, damit die Grundschulkinder in Ruhe und ohne Druck das Schreiben üben können, denn Übung gehört nun einmal dazu. Die jungen Schüler sollten das Schreiben als einen positiven Prozess erleben, an dem sie wachsen und reifen.

Leider geraten an den Schulen auch andere Kulturtechniken wie Singen, Malen oder Musizieren mehr und mehr ins Hintertreffen. Unterrichtsfächer, die ver­meintlich nicht fürs „Weiterkommen“ wichtig sind, werden an den Rand gedrängt und verlieren weiter an Bedeutung. Natürlich soll die Schule nicht zum Schönschreibdrill zurück­kehren, aber trotzdem daran arbeiten, die Vorzüge einer gut lesbaren Schrift aufzuzei­gen und ein gefälliges Schriftbild als Ausdruck von Individualität intensiv zu pflegen.

19. April 2013

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