VBE: Das kommt nicht gut an, wenn der Kultusminister sich im Landtag über die Aufgaben der Lehrer lustig macht

Stuttgart. In der Lehrerschaft ist die Aussage des Kultusministers im Landtag, dass „die Ausgabe von Taschenrechnern an die Schüler den Pädagogen fortan nicht mehr aufs Deputat angerechnet werden soll“ mit Verärgerung aufgenommen worden. Lehrer erhalten die wenigen Anrechnungsstunden, die es laut Orga­nisationserlass überhaupt noch gibt, nicht als Gutsle, damit sie ruhig gestellt sind, sondern als kleine Entlastung für deutlich umfangreichere Zusatzauf­gaben, versichert der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Erst jetzt wurden Anrechnungsstunden, die sowieso viel zu knapp bemessen wa­ren, gekürzt. Im Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulbereich, der bisher am schlechtesten versorgt war, wird die Anrechnung von 0,35 Wochenstunden pro Klasse auf 0,30 zurückgefahren. Das entspricht einer Kürzung von 14 Prozent. Zweizügige Grundschulen erhalten somit für das ganze Kollegium lediglich 2 Ent­lastungsstunden. Dafür müssen alle anfallenden Zusatzaufgaben vom Schülerbü­chereinkauf, über die Verwaltung und Pflege von umfangreichen Lehrmittelsamm­lungen bis hin zu den Kooperationen mit örtlichen Vereinen abgedeckt werden. Eine Anrechnungsstunde gilt lediglich als kleine Anerkennung für zu erbringende Leistungen, nicht als echtes Äquivalent, denn die zeitliche Beanspruchung ist um ein Vielfaches höher als diese gewährte Entlastungsstunde. „Vom Lehrer wird stets erwartet, dass er alles zusätzlich übernimmt, denn sonst würden ja die Kinder leiden. Darauf spekuliert auch die Landesregierung“, so der VBE-Sprecher.

Wenn der Kultusminister die Zusatzaufgaben der Lehrer auf die Ausgabe der Taschenrechner reduziert, klingt das in den Ohren engagierter Pädagogen wie Hohn. In letzter Konsequenz müssten die Schulen dann die Kommunen in die Pflicht nehmen, denn die sind als Sachkostenträger für die Taschenrechner der Schüler zuständig. Jeweils zum Schuljahresanfang würde sich dann ein Rathaus­mitarbeiter um den Einkauf, die Inventarisierung, das Stempeln und die Ausgabe mehrerer hundert Schülerbücher kümmern müssen – und natürlich auch um die Ausgabe der Taschenrechner.

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