VBE empfiehlt Wechsel der Sichtweise:

Schulbesuch nicht als lästige Pflicht, sondern wieder als ein Privileg ansehen

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg empfiehlt einen Paradigmenwechsel in der Einstellung zur Bildung. Der tägliche Schul­besuch sollte von allen Beteiligten nicht als ein notwendiges Übel und lästige Pflicht, sondern als Vorrecht und als eine wertvolle Chance zur Persönlich­keitsentwicklung angesehen werden. Da Unterricht und Schulbücher nicht di­rekt bezahlt werden müssen, wissen viele gar nicht, wie viel Geld die Öffent­liche Hand Jahr für Jahr in Kindertagesstätten und Schulen pumpt, um allen Kindern und Jugendlichen größtmögliche Bildungschancen anzubieten.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Wenn die Gesellschaft das Bildungssystem ständig in Frage stellt und Lehrern im Allgemeinen nur wenig zutraut, spüren auch die Schüler diese Ablehnung und emp­finden den Schulbesuch immer mehr als Last, denn als Lust. Für ein erfolgreicheres Lernen wäre es förderlicher, wenn es wieder als ein “Privileg“ angesehen werden könnte, in eine öffentliche Schule gehen zu dürfen, versichert der VBE-Sprecher. Es gab Zeiten, da genossen nur Kinder von Privilegierten – von Adligen und Be­güterten – (Haus)Unterricht. Heute, wo es eine allgemeine Schulpflicht gibt und fast alle anfallenden Kosten von der öffentlichen Hand getragen werden, haben Schulen permanent gegen ihr schlechtes Image zu kämpfen, müssen unmotivierte Schüler durch Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen nach Paragraf 90 Schulgesetz, durch Bußgelder oder polizeiliche Zuführung vom Schulschwänzen abgebracht werden.

Werden Eltern wegen des ungebührlichen Verhaltens ihres Kindes im Unterricht zu einem Gespräch in die Schule geladen, sehen Lehrer auf Elternseite nicht etwa Einsicht und das Bemühen, nach gemeinsamen Lösungswegen zu suchen, sondern erfahren meist Attacken und Vorwürfe, dass dem Kind Unrecht widerfahren ist.

Um Kindern und Jugendlichen ein optimales Lernen zu ermöglichen, ist es un­umgänglich, dass Schüler gerne zur Schule gehen und dass in einer entspannten und anregenden Atmosphäre gelehrt und gelernt werden kann. Dabei ist nicht „Ku­schelpädagogik“ angesagt, sondern ein positives und leistungsorientiertes Lern­klima. Unzufriedenheit, Dauerkritik und ständiges Nörgeln sowie permanenter akti­onistischer Reformdruck auf Schulen lähmen das Denken von Schülern und Leh­rern und führen im Endeffekt zu noch schlechteren Ergebnissen. Die Politik hat da­für zu sorgen, dass die Rahmenbedingungen an den Schulen stimmen. Denn auch der ständige Kampf um Ressourcen lenkt von den eigentlichen Aufgaben ab.

14. Januar 2012

 

Kommentar (1)

  1. Danke, Michael Gomolzig, für diesen wichtigen Einwurf.
    Ich kann den Zusammenhang zwischen Dankbarkeit, Zufriedenheit und Schulbesuch sehr gut nachvollziehen. Gerade auch aus den Erfahrungen, die ich in Amerika gemacht habe:

    Ich war 1999 für 4 Wochen an einer High School in Arizona, und ich fragte mich (Ich war zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt und zugegebenerweise Dauerblaumacher in der Schule), wieso ALLE, ja wirklich alle Jungs in meinem Alter so unglaublich regelmäßig und gerne die Schule besuchten.
    Auf mein Nachfragen, bekam ich immer wieder die gleiche Antwort:
    “Ich bin stolz, und dankbar, von meinen Eltern die Möglichkeit zu bekommen, zur High School gehen zu dürfen.”

    Schule ist in Arizona gebührenpflichtig.

    Stefan Räpple
    VBE Studentengruppe PH Freiburg

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