VBE: Gutes Benehmen wird wieder als wichtig angesehen

Schüler lernen es am besten durch positive Vorbilder

Stuttgart. „Es ist sicher nicht verkehrt, wenn Wirtschaft, Industrie, Handwerk und Handel wieder mehr darauf achten, dass junge Menschen, die ausgebildet und eingestellt werden sollen, über gute Umgangsformen verfügen“, sagt Gerhard Brand, der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Man dürfe jedoch von Schulabgängern kein wesentlich anderes Verhalten erwarten als das, was ihnen Erwachsene täglich vorleben – in der Politik, in der Wirtschaft, auf der Straße und im Fernsehen – wie etwa in den unzähligen Gerichts-, Talk- und Castingsshows.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Der VBE-Vorsitzende begrüßt es, wenn die als „Sekundär“-tugenden abgewerteten Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Höflichkeit, Pünktlichkeit und Ehrlichkeit wie­der einen höheren Stellenwert erhielten. Mussten sich doch Eltern und Lehrer, die diese Tugenden wider den Zeitgeist hochhielten, wie Menschen aus einer vergan­genen Zeit vorkommen. Erziehender Unterricht habe für engagierte Pädagogen weiterhin einen hohen Stellenwert, so Brand. Der VBE hält nichts von einem „auf­gepfropften Benimmunterricht“, wie er immer wieder gefordert wird, auch nicht in Bausteinen über das Schuljahr verteilt nach dem Motto „Heute steht mal wieder gutes Benehmen auf dem Stundenplan“. Erziehung zu gutem Benehmen muss in allen Unterrichtsfächern permanent im Hintergrund erfolgreich mitlaufen, so wie man das von einem zuverlässigen Virenschutzprogramm auf dem Rechner erwartet.

„Die Vorbildfunktion von Eltern, Lehrern, Politikern, Stars und Geschäftsleuten ist nicht zu unterschätzen“, sagt der VBE-Chef: Schüler verstehen es nicht, dass sie höflich sein sollen, wenn Erwachsene ihnen so nicht begegnen. Schüler verstehen es nicht, dass man die Würde des Menschen achten soll, wenn sie sehen, wie Gäste in den täglichen Gerichts-, Talk- und Castingsshows beschimpft und mit Worten er­niedrigt werden. Schüler verstehen es nicht, dass Lehrer ihnen untersagen, in der Schule auf den Boden zu spucken, wenn es ihnen die Stars auf dem Fußballfeld via Fernsehübertragung in Großaufnahme vormachen.

Gutes Benehmen hatte lange Zeit lang einen genauso negativen Beigeschmack wie Disziplin und Leistung. Lehrer, die darauf bestanden, wurden als zu konserva­tiv und altmodisch belächelt. Noch immer sind Begriffe wie Anstrengungsbereit­schaft und Fleiß bei vielen in der heutigen Spaßgesellschaft eher negativ besetzt.

 

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