VBE: Hauptschullehrern droht kein Hartz IV, den meisten fehlt jedoch eine vernünftige Zukunftsperspektive

Beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sorgt man sich um die Hauptschullehrer, deren Schulen jetzt nach und nach geschlossen werden. „Hartz IV droht diesen in der Regel hoch engagierten Pädagogen natürlich nicht; trotzdem macht es Lehrer auf Dauer krank, wenn sie nicht wissen, wie es mit ih­nen weitergeht“, sagt der VBE-Sprecher. Es sehe leider auch ganz so aus, als ob man im Kultusministerium bei diesem Problem eher den Kopf in den Sand stecke.

Es gibt Hauptschullehrer, die jetzt schon die zweite Schließung ihres Arbeitsplatzes mit­machen. Nach Auffassung des VBE darf es nicht sein, dass diese Lehrkräfte immer so lange von Hauptschule zu Hauptschule weitergereicht werden, bis auch die letzte Haupt­schule, an die sie versetzt worden sind, dicht macht. „Das ist keine Zukunftsperspektive für die betroffenen Lehrkräfte“, moniert der VBE-Sprecher. Gab es bis vor kurzem im Land noch weit über 1200 Haupt-/Werkrealschulen, sind es jetzt gerade noch einmal gut 800 – Tendenz weiter erdrutschartig fallend.

Ein Wechsel an die Gemeinschaftsschule wäre laufbahnrechtlich zwar kein Problem. Wegen des Anforderungsprofils suchten diese neue Schularten vor allem Realschul- und Gymnasialkollegen – etwa für Französisch. Deshalb fühlten sich Hauptschullehrer auch an dieser Schule wieder überflüssig.

Die Realschule, an denen mittlerweile immer mehr Hauptschüler unterrichtet werden, könnte das Expertenwissen der Hauptschullehrer durchaus gebrauchen. Jeder Haupt­schulkollege an der Realschule mindert jedoch die Einstellungschancen junger Real­schullehrer; zumal obendrein auf Beschluss der Landesregierung Jahr für Jahr Lehrer­stellen im Tausenderbereich abgebaut werden.

Fast alle Hauptschulkollegen hatten das Lehramt für Grund- und Hauptschulen stu­diert. Einem Einsatz an der Grundschule stünde also rein rechtlich nichts im Wege. Da sich die Lehrer jedoch auf einen Stufenschwerpunkt spezialisiert hatten, wird sich ein Deutsch- oder Physiklehrer, der jahrelang in den oberen Klassen einer Hauptschule un­terrichtet hat, in den Eingangsklassen einer Grundschule alles andere als wohl fühlen.

Der VBE setzt sich dafür ein, dass Hauptschullehrkräfte, die jetzt an einer Realschule unterrichten, eine Nachqualifizierung erfahren dürfen, so dass ihnen auch die entspre­chende Besoldung der Realschule zuteil werden kann, beziehungsweise sie sich dort auch um eine Leitungsstelle bewerben können.

Kommentar (1)

  1. Diese Umstände sind untragbar, sie sind sittenwidrig und werden von der Regierung unter den Teppich gekehrt. Nicht nur hält die grüne Landesregierung ihr Versprechen, Bildung einen Topplatz in der Prioritätenliste zuzuteilen, nicht ein. Nein, sie diskriminiert eine wichtige Sorte Lehrer und stellt sie ins Abseits.

    Ganz praktisch sieht das folgendermaßen aus: Im Hauptausschreibungsverfahren waren über 900 Stellen verfügbar, ganze 16 (!) davon für den Werkrealschulbereich. In vielen dieser Ausschreibungen wurde dann aber darauf hingewiesen, dass ein Großteil der Deputatsstunden an der Grundschule abzuleisten sei.

    In der Sonderausschreibung für die GMS finden sich in BW genau zwei (!) Stellen für WRS, davon eine mit verpflichtenden Sprachkenntnissen in einer nicht unbedingt gängigen Sprache.

    Im Listenverfahren wird es dann wohl nicht besser aussehen.

    Was ist also unsere Perspektive? Die Perspektive derer, die schon an einer HS/WRS sind ist es, weitergereicht zu werden ohne Sicherheit für sich selbst und die Familien. Die Perspektive derer, die im Referendariat sind ist die Arbeitslosigkeit, schlecht bezahlte Stellen als KV oder eine Tätigkeit an der GS, für welche es aber einen großen Überhang an eigenen Kräften gibt. Weiterhin, wie der Artikel richtig sagt, sind sie (auch ich!) einfach aus Überzeugung HS/WRS Lehrer! Mir hat man damals gesagt, die HS/WRS sei ein zuverlässiges Arbeitsfeld in der Zukunft.

    Die Politik, die Verbände, Schulleiter und die entsprechenden Abteilungen der Präsidien sind hier in der Verantwortung, sich für uns stark zu machen. Sind hören wir noch in fünf Jahren die Ausrede eines RP Mitarbeiters, der zu mir am Telefon sagte “Ja, ähm… sie als HS/WRS Lehrer sind da, wie soll ich sagen, in einer Grauzone. Wir wissen selbst nicht, was wir mit Ihnen machen sollen.”

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