VBE moniert: „Schule ohne Leitung handelt kopflos“

Ein freier Chefsessel lockt Lehrer nur ganz selten an

Stuttgart. Ein Schiff ohne Kapitän wird sich nicht auf große Fahrt begeben. Aber so manches „Schulschiff“ in Deutschland musste bisher schon längere Zeit ohne Führungskraft auskommen, beklagt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Das Stellenbesetzungsverfahren ziehe sich hin, und geeignete Bewerber stünden in der Regel nicht Schlange. „An kleineren Schulen gibt es nicht einmal einen Konrektor als ständigen Vertreter, so dass dort Kollegen übergangsweise Schulleitungsaufgaben wahrnehmen müssen“, moniert VBE-Chef Gerhard Brand. Erst jüngst hatte Gemeindetagspräsident Roger Kehle diese ungute Situation gleichfalls angeprangert.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Immer weniger Pädagogen wollen heute Leiter einer Schule werden. Bei den meis­ten Besetzungsverfahren gibt es nur einen Bewerber für das anspruchsvolle Amt. Manche Rektorenstellen müssen wiederholt ausgeschrieben werden. Häufig hält die Schulaufsicht vergebens Ausschau nach geeignetem Personal, was sicher nicht für die Attraktivität des Leitungsamtes spricht. Die Ursachen für die deprimierende Bewerberlage sind vielfältig. Lehrer sehen bei der Herausforderung „Schulleitung“ mehr Frust als Freude. Rektoren und Konrektoren sollen alles professionell ma­nagen, den Arbeitgeber aber möglichst nicht viel kosten. So werden Rektoren und deren Stellvertreter mit der Übertragung der neuen Aufgaben nicht gleich befördert und entsprechend höher besoldet, sondern erst nach einer monatelangen Wartezeit.

Vor allem im Grundschulbereich gelten Leitungsstellen als finanziell völlig un­attraktiv. Bei höchster Unterrichtsverpflichtung, voller Klassenlehrertätigkeit und gleichzeitiger Schulleitungsverantwortung erhalten Grundschulchefs die geringste Bezahlung. Der Rektor einer kleineren Grundschule und der Leiter eines Gymnasi­ums werden aus laufbahnrechtlichen Gründen monatlich mit bis zu 2000 Euro un­terschiedlich hoch besoldet. Bei Funktionsstellen gilt neben der Schulart die Schü­lerzahl als Maßstab für die Besoldung der Rektoren und Konrektoren.

„Das ganze Besoldungsgefüge an Schulen ist in Schieflage“, kritisiert der VBE-Chef. Und da es bei meist nur einer Bewerbung um die Stelle keine Bestenauswahl geben könne, werde auf Dauer auch die Qualität der Schulen leiden, warnt Brand.

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