Seit Jahren fordert der VBE: Alle Lehrer sind Lehrer!

„In Baden-Württemberg werden Grundschullehrkräfte – es sind fast ausschließ­lich Frauen – am kürzesten ausgebildet, schlechter besoldet und grundsätzlich mit einem höheren Deputat bedacht als die Lehrerschaft an der Sekundarstufe ab Klasse 5“, moniert der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Ba­den-Württemberg besonders mit Blick auf die für diese Schulart händeringend gesuchten Pädagogen.

Da die Grundschule für alle Schüler die Basis erfolgreichen Lernens ist und moderner Grundschulunterricht mit einer Fremdsprache und der Erstellung individueller Lern- und Förderpläne nur funktioniert, wenn die Lehrkräfte pädagogisch und fachlich-didak­tisch hervorragend ausgebildet sind, darf man nicht schon beim Studium Abstriche ma­chen und den Grundschullehrern gegenüber den anderen Lehrergruppen zwei Studien­semester vorenthalten.

Noch immer wird die Arbeit der unterschiedlichen Lehrergruppen nach dem Alter der Schüler und deren sozialen Herkunft bewertet und entsprechend besoldet. Der Umgang mit jüngeren und zum Teil bildungsschwächeren Schülern wird gesellschaftlich gerin­ger geschätzt und finanziell weniger honoriert als das Unterrichten älterer Schüler und solcher aus „besseren“ Kreisen.

In Nordrhein-Westfalen werden Grundschullehrkräfte zehn Semester lang vorbereitet

In Nordrhein-Westfalen etwa werden alle Lehrer – unabhängig von der Schulart, an der sie später unterrichten, – zehn Semester lang an der Universität auf den Beruf vorbe­reitet. „Die dort Verantwortlichen haben dem unsinnigen Denken ein Ende bereitet, die Lehrerausbildung könne umso kürzer sein, je jünger die zu unterrichtenden Kinder sind“, lobt der VBE-Sprecher die dortige Bildungspolitik.

Seit Jahren mahnt der VBE: „Alle Lehrer sind Lehrer“, ohne deshalb den „Einheitsleh­rer“ zu fordern. Chemie- und Geschichtslehrer an Gymnasien werden ja auch von der Fachrichtung her unterschiedlich ausgebildet, ansonsten jedoch gleichartig und vor allem gleichwertig behandelt. Grundschullehrkräfte mussten sich dagegen schon immer traditionell als die etwas Benachteiligten fühlen. „Von den nicht an Hochschulen oder Universitäten ausgebildeten Fachlehrern an allen Schularten ganz zu schweigen“, so der VBE-Sprecher.