VBE zum Weltlehrertag 2011

Gleichwertigkeit schulischer Führungsarbeit anerkennen

Udo Beckmann, VBE Bundesvorsitzender

„Das soziale Ranking im Lehrerberuf und auf Schulleitungsebene trifft besonders Frauen“, kritisieren VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann und Jutta Endrusch, Vorsitzende der VBE-Bundesfrauenvertretung. „In den Grundschulen beträgt der Frauenanteil 85 Prozent und mehr. Doch Grundschullehrkräfte sind in Deutschland am unteren Ende der Besoldungsskala. Damit werden Beteuerungen, wie wichtig Grundschulen sind, konterkariert“, betont Endrusch. „In den Bereichen ‚Erziehen und Unterrichten‘ des öffentlichen Dienstes betragen die Einkommensunterschiede nach Geschlecht 14 Prozent. Das ist ein krasser Widerspruch zum Grundsatz ‚gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit‘ unabhängig vom Geschlecht.“

 

Beckmann stellt fest: „Die Bedingungen für die Leitung von Grundschulen sind am schlechtesten. Die betroffenen Kolleginnen haben im Amt des Schulleiters an kleinen Grundschulen netto eine Zulage zwischen 50 und 100 Euro zu erwarten, wenn sie die Probezeit erfolgreich bestehen. Die Leitung einer Grundschule vor allem in ländlichen Regionen ist verbunden mit einer Unterrichtsverpflichtung von mindestens 20 Wochenstunden und voller Klassenleitertätigkeit, jedoch ohne Stellvertretung und ohne Schulsekretariat. Da die Unterrichtsversorgung Vorrang hat, können Schulleiter dort häufig nicht einmal die vier bis acht Sockelanrechnungsstunden auf Leitungszeit (je nach Bundesland) wahrnehmen und müssen Leitungsarbeit in die Abendstunden verlagern.“ Die Leitung einer Grundschule sei aber genauso wichtig wie die Leitung der anderen Schulformen, so Beckmann.

Der VBE fordert nachdrücklich die Stärkung der Schulleitungsämter:

  1. Anerkennung der Gleichwertigkeit von Schulleitung und amtsangemessene Bezahlung,
  2. Erhöhung der Anrechnungszeiten für Schulleitung auf mindestens zehn Sockelstunden,
  3. hinreichende Ausstattung der Schulen mit Verwaltungspersonal,
  4. gezielte Nachwuchsgewinnung für schulische Führungskräfte.

„Die Rahmenbedingungen für Leitungsaufgaben in der Schule müssen endlich so ausgestaltet sein“ bekräftigt Jutta Endrusch, „dass Familie und Beruf in Einklang miteinander gebracht werden können. Dieser Aspekt spielt im Bildungsbereich noch eine zu geringe Rolle.“

Um die Schulleitungskräfte, die im Amt sind, zu stärken und sie bei Ihren vielfältigen Aufgaben zu unterstützen, veranstalten der VBE und der zu Wolters Kluwer gehörende Carl Link Verlag am 16. und 17. März 2012 in Düsseldorf unter dem Motto „Schulen gehen in Führung“ erstmals den Deutschen Schulleiterkongress. ­

Hintergrund: Der Weltlehrertag, der stets am 5. Oktober begangen wird, geht zurück auf einen Beschluss von UNESCO, ILO und Education International (EI), der Weltvereinigung der Lehrergewerkschaften. Sein Motto heißt: „Qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer für eine qualifizierte Bildung“. Thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr: „Lehrerinnen und Lehrer für Gleichstellung“. Der VBE ist eine der Gründungsorganisationen der Education International (EI) und engagiert sich für die solidarische Idee der weltweiten Stärkung des Lehrerberufes.

Kommentare (2)

  1. Durch die Anhebung der Besoldung der Grundschullehrer könnte man diesen ( auch meinen:-) ) tollen Beruf ggf. auch attraktiver für männliche Kollegen gestalten?!
    Was berechtigt die Politik, den überaus hohen,wertvollen Anteil an Erziehungsarbeit geringer zu werten als Arbeit an Korrekturen in der Sekundarstufe?!

  2. Da kann ich Frau Schepers nur zustimmen. Ich habe auch den Traumberuf Grundschullehrer gehabt, aber nach den ersten Berührungen der Besoldungstabelle, war mein Wechsel auf Realschullehramt für mich klare Sache, schließlich habe ich wohl irgendwann noch eine Familie zu ernähren.

    Warum aber der Vorsitzende des Bundesverbandes jetzt daraus reflexartig wieder eine „Gender“-Debatte strickt ist mir jedenfalls ein Rätsel.
    Das Gehalt wurde nicht nach unten gesetzt weil an der Grundschule fast nur Frauen unterrichten, sondern die Frauen entscheiden sich, wohlwissend der geringeren Besoldung, selbst (!) für das Grundschullehramt.

    Aber ich glaube in einer Position auf Bundesebene erreicht man heutzutage nichts mehr, wenn man nicht irgendwo eine „Diskriminierung“ wittert.

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