Lernen und Lehren in Zeiten von Corona – best practice: Johanniterschule Heitersheim

Seit nunmehr drei Wochen sind die Schulen in Baden-Württemberg geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Der Ort, wo sich Schüler und Lehrer normalerweise gemeinsam begegnen, ist weitestgehend verwaist. Nur Schulleiter Dirk Lederle versieht mit seinem Konrektoren täglich seinen Dienst im Schulhaus. Unterstützung erfahren sie durch die beiden ebenfalls vor Ort verbliebenen Sekretärinnen. Gemeinsam stemmen sie sich gegen die Wirrnisse dieser Tage.

Im Team administrieren sie neueste Weisungen der Schulbehörden, organisieren die Notbetreuung für die Kinder von Eltern in gesellschaftsrelevanten Schlüsselpositionen, die beispielsweise zur  Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung oder der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dienen und widmen sich im Falle der Schulleitung zentralen Fragen wie Kinder lernen, Lehrer lehren können, wenn ihnen aufgrund der schwierigen Situation eine Begegnung in der Schule realiter verwehrt bleibt? Wie es zudem gelingen kann, den zuvörderst wichtigen pädagogischen Bezug und die unabdingbar notwendige Kommunikation mit den Eltern aufrecht zu erhalten?

Sich den Herausforderungen stellen

Als Mitte März innerhalb kürzester Zeit beschlossen wurde, die Schulen in Baden-Württemberg zu schließen, trafen diese Herausforderungen die meisten Einrichtungen wie ein Schock. Drei Wochen sollten nun Schülerinnen und Schüler mit Aufgaben versorgt, Notfallbetreuungen eingerichtet werden. 

Den Verantwortlichen der Johanniterschule Heitersheim war schnell klar, dass eine adäquate Alternative für die reale Begegnung in der Schule nur im digitalen Klassenraum liegen konnte. Nur so wäre auch eine dem Lernenden beim seinem Lernfortschritt helfende Rückmeldung zu gewährleisten.

Nun sind die ersten drei Wochen des Unterrichts auf Distanz geschafft und zur großen Freude und Erleichterung bei allen am Schulleben Beteiligen mit Bravour. 

Moodle als digitale Lösung für die Sekundarstufe

Das Meistern der schwierigen Situation kommt indes nicht von ungefähr.

„Wir sind extrem gut vorbereitet auf die Situation“, so Schulleiter Dirk Lederle.

Zu verdanken ist dies in erster Linie dem Ersten Konrektor der Johanniterschule, Matthias Goldschmidt, seines Zeichens Mathelehrer und seit Jahren Vordenker und unermüdlicher Antreiber in Sachen Digitalisierung. So unterrichtet er seine Klassen schon seit langem über die Lernplattform Moodle. Dieses bereits seit längerem erfolgreich für die organisatorische Administration zwischen Schulleitung und Kollegium genutzte System wurde nun in kürzester Zeit zu einer digitalen Schule ausgebaut. Nachdem an dem von der Landesregierung als Übergangstag vorgesehenen Montag vor den Schulschließungen im Eilverfahren von versierten Kollegen schulinterne Moodle-Fortbildungen abgehalten worden waren, wurden in einer konzertierten Kraftanstrengung des gesamten Kollegiums der Sekundarstufe binnen weniger Tage virtuelle Klassenräume erstellt und mit den Fächern für die jeweilige Stufe versehen, so dass eine breite Versorgung mit  Unterrichtsmaterialien und Aufgabenstellungen für die kommenden Wochen sichergestellt werden konnte.

So können die Lehrerenden nun von ihrem pädagogischen Homeoffice aus ihre Schützlinge versorgen. Die Möglichkeiten diesbezüglich sind sehr umfangreich.  Beispielsweise können Aufgaben ausgeteilt und mit genauem Datum terminiert wieder eingesammelt werden. Auch lässt sich nachvollziehen, ob die Lernenden  wie erwartet auf ihre Aufgaben zugreifen oder andernfalls daran erinnert werden müssen. Nach Eingang der Arbeitsergebnisse kann der Ersteller des Klassenraums auf eine Bewertungsmöglichkeit mit Kommentarfunktion zurückgreifen. 

Neben Aufgaben lassen sich aber auch selbst gedrehte Erklärvideos einbinden, weiterführende Links anfügen, Foren zum Austausch erstellen und vieles mehr, sogar Videokonferenzen mit ganzen Klassen sind möglich. Im Sinne einer gelingenden Feedbackkultur werden nach und nach auch Onlinebefragungen innerhalb der Schülerschaft durchgeführt, um kompetent bei Lerninhalten und -umfang bedarfsgerecht nachsteuern zu können. 

„Wir sind eine Keimzelle für Digitalisierung in der Region und werden von Schulen aus der näheren und weiteren Umgebung angefragt, die gerne an unserem Know-How partizipieren wollen“, so Schulleiter Dirk Lederle nicht ohne Stolz. 

Padlet als digitale Lösung für die Primarstufe

Für die Schülerinnen und Schüler der Grundschule gab es indes zunächst Lernpakete per email. Rasch wurde aber auch hier nach besseren, weil effizienteren und pädagogisch sinnvolleren Möglichkeiten gesucht. Der Initiative von Leman Bayhan und der für die Grundschule zuständigen Zweiten Konrektorin Sinja Grießer ist es zu verdanken, dass auch für die Grundschule ein geeignetes digitales Format gefunden wurde. Das System Padlet. Dort können Links, Bilder, Videos und Texte gesammelt und auf einer digitalen Pinwand in verschiedenen Formen hinterlegt werden. Kollaboratives Arbeiten der Lernenden wird dadurch ermöglicht, dass vom Ersteller des Padlets Zugriffsrechte vergeben werden, die es Schülerinnen und Schülern beispielsweise erlauben, allen Beteiligten Fragen zu einem bestimmten Thema wie exemplarisch Märchen zu stellen und nach dem Prinzip der Schwarmintelligenz klären zu lassen. Der Lehrer achtet in diesem Fall in erster Linie darauf, dass die Beiträge den erarbeiteten Kommunikationsregeln entsprechen. Diesem Muster folgend können sich die Lernenden in einem weiteren Schritt auch gegenseitig bewerten und sich so Schritt für Schritt einen reflektierten Umgang mit Feedback aneignen. Auch die an der Johanniterschule sehr aktive Schulsozialarbeit ist digital mit einem Angebot vertreten und kümmert sich um die Kleinsten.

Neben dem flächendeckenden digitalen Beistand darf die vor Ort stattfindende Betreuung für Kinder 1.-6. Klasse, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, nicht vergessen werden. Vormittags wird diese vor allem von den Kolleginnen der Grundschule übernommen, die im Bedarfsfall von Lehrerinnen und Lehrern der Sekundarstufe Unterstützung erfahren. Nachmittags kümmern sich die Mitarbeitenden der Schulkindbetreuung sowie die Damen der Caritas mit vollem Einsatz.

Da diese Form der Notbetreuung auch während der kommenden Osterferien als systemrelevante Maßnahme aufrechterhalten werden wird, wurde für diesen Zeitraum zur freiwilligen Teilnahme unter den Lehrkräften aufgerufen.

„Wir sind geradezu überwältigt vom Echo. Eine veritable Anzahl von Kolleginnen und Kollegen, auch aus dem Bereich der Sekundarstufe, hat sich spontan bereit erklärt, sich an einem oder mehreren Tagen dort einzubringen. Diese Bereitschaft sendet ein wichtiges Signal in die Gesellschaft. Auch Lehrerinnen und Lehrer sind bereit, ihren Anteil in dieser so herausfordernden Situation zu tragen und sich über das übliche Maß hinaus zu engagieren. Wir stehen als Gesellschaft geschlossen zusammen, wenngleich wir körperlich im Moment auch großen Abstand halten müssen“, so Schulleiter Dirk Lederle. 

Dieses Zusammenstehen gilt in besonderem Maße auch für die Zusammenarbeit von Lehrer- und Elternschaft, denn gerade für letztere ergibt sich durch das Zuhause sein ihrer Kinder eine ungewohnte Mehrbelastung, müssen sie doch nun beim Lernen in besonderem Maße unterstützend tätig werden.    

Zusammenarbeit aller geprägt von gegenseitiger Achtung und Verständnis   

An der Johanniterschule hat man sich schnell entschieden, die Eltern über die Elternbeiräte umfassend zu informieren und in regelmäßig engem Austausch zu stehen, um den auftretenden alltäglichen Herausforderungen bestmöglich begegnen zu können. Dass dieses Zusammenwirken gut gelingt, können beide Seiten bestätigen.

So erklärt Rektor Dirk Lederle: „Von Eltern habe ich bislang nur Lob erfahren. Dies auch in bemerkenswerter Vielzahl. Das tut nicht nur mir, sondern auch meinen Kolleginnen und Kollegen sehr gut. Es ist schön zu sehen, wie unsere Arbeit Anklang findet. Der positive Zuspruch von Elternseite ist ungebrochen.“

Und auch der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Andreas Ruh unterstreicht dies mit den Worten: „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich erstmal bei den Kolleginnen und Kollegen zu bedanken, die sich aktuell um die Schülerinnen und Schüler von zu Hause aus kümmern. In der aktuellen Situation sicherlich auch nicht einfach für alle. Stellvertretend für die Eltern soll ich auch von Herrn Knotter ausrichten, dass „die Lehrerinnen und Lehrer eine sehr gute Arbeit für unsere Kinder machen“.

Erstere sind auch beständig bemüht, sich in die sehr unterschiedlichen häuslichen Gegebenheiten hinsichtlich der medialen Ausstattung hineinzudenken und ihre Anforderungen dementsprechend anzupassen. So ist Achtsamkeit ein Gebot der Stunde. Wenn diese Grundhaltung mit Zuversicht einhergeht und wie hier in energisch kompetentes Handeln mündet, so muss einem nicht bange sein, diese Phase mit ihren außergewöhnlichen Herausforderungen zu meistern.  

Trotz all dieser menschlichen Erfahrungen, trotz aller Fortschritte und dem sich zeigenden Erfolg im digitalen Lernen, hoffen alle am Schulleben Beteiligten, dass die Krise in absehbarer Zeit gemeistert und ein geregelter Unterricht im realen Zusammenkommen wieder möglich wird. So drückt sich dieser Wunsch auch in den Worten des Schulleiters Dirk Lederle aus.

„Meine Schülerinnen und Schüler melden mir zurück, wie gut sie das Angebot in Moodle finden. Ich hätte aber kaum damit gerechnet, dass sie mir auch zurück melden, wie sehr ihnen Schule fehlt.“

Aktuellste Infos über die weitere Entwicklung entnehmen Sie bitte unserer Homepage http://www.johanniterschule-heitersheim.de/

in Anlehnung an Michael Jendryssek