Lehrermangel begleitet Grundschulen noch bis 2025/26

Lehrermangel begleitet Grundschulen noch bis 2025/26 - Bild: Stockphotosecrets

Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg und die Bertelsmann Stiftung prognostizieren einen Anstieg der Schülerzahlen bis zum Schuljahr 2025/26. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg geht davon aus, dass der Lehrermangel Grundschulen noch längere Zeit begleiten wird. Gerhard Brand, Landesvorsitzender, fordert angesichts des extremen Bewerbermangels, dass das Grundschullehramt durch die Bezahlung nach A13 attraktiver gemacht wird.

Der Lehrermangel in Grundschulen wird sich in den kommenden Jahren bis zum Schuljahr 2025/26 noch verschärfen. Das prognostiziert die Bertelsmann Stiftung in einer Studie zum Lehrerbedarf an Grundschulen. Die renommierte Stiftung geht davon aus, dass aufgrund von Pensionierungen, steigenden Schülerzahlen und dem Ausbau der Ganztagsschule bundesweit ein Neueinstellungsbedarf von knapp 105.000 Grundschullehrkräften besteht.

Eisenmann: Bertelsmann-Studie bietet wenig Neues und manch Falsches

Das große Problem dabei, so konstatiert die Stiftung, sei, dass im gleichen Zeitraum nur 70.000 Lehrerinnen und Lehrer ihr Studium abschließen werden. In einer ersten Reaktion kritisierte die Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann (CDU) die Studie: „Die Bertelsmann-Studie zum bundesweiten Bedarf an Grundschullehrern bietet wenig Neues und manch Falsches.“ Es sei bekannt, dass es einen Mangel an Grundschullehrkräften in ganz Deutschland und auch in Baden-Württemberg gebe. Man habe jedoch bereits im Sommer 2017 eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Unterrichtsversorgung zu sichern.

„Durch die Kombination dieser Maßnahmen, die sowohl kurzfristige als auch strukturelle Verbesserungen umfassen, hat sich eine verbesserte Versorgungssituation ergeben. Auch die vielen Lehrer, die dankenswerterweise ihre Stundenzahlen aufgestockt haben, tragen dazu bei, die Versorgungslage an den Schulen zu entschärfen“, so die Ministerin. Allerdings bleibe die Unterrichtsversorgung auf Kante genäht und es würden weiterhin händeringend Grundschullehrer benötigt.

Lehrermangel auch bei sinkenden Schülerzahlen groß

Der Mangel ist also weiterhin groß, und das obwohl nach Angaben des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg die Schülerzahl an allgemein bildenden Schulen in diesem Jahr mit -1,0 % leicht rückgängig war. Der VBE nimmt genau das zum Anlass für Kritik. „Wenn es aktuell schon bei sinkenden Schülerzahlen einen eklatanten Mangel an Lehrerinnen und Lehrern gibt, dann muss man kein Prophet sein, um zu erahnen, was das für die kommenden Jahre bedeutet“, befürchtet Brand noch schlimmer Zustände auf die Grundschulen zukommen.

Trotz aller Kritik der Ministerin an der Studie der Bertelsmann Stiftung: Aus den eigenen Reihen wird diese indirekt bestätigt. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg hat in seinem Statistischen Monatsheft nämlich ebenfalls einen Anstieg der Schülerzahlen an Grundschulen verkündet. Von 378.900 Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2016/17 soll die Schülerzahl bis zum Schuljahr 2025/26 auf 433.000, also um 14% steigen. Auf Nachfrage teilte die Bertelsmann Stiftung dem VBE mit, dass das Statistische Landesamt den Schüleranstieg damit sogar höher einschätze als die Stiftung selbst.

VBE fordert bessere Begleitung im Studium

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg erneuert deswegen seine Forderung nach kurzfristig sinnvollen Maßnahmen. Die vom VBE geforderte Erhöhung der Studierendenzahl sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, so der Landesvorsitzende Gerhard Brand, reiche aber nicht aus. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Studierenden auch im Lehramt ankommen“, erklärt Brand. Wenn von 8.000 Studierenden nur 7.000 als Lehrerinnen und Lehrer in den Schulbetrieb kämen, bedeute dies, dass Studierende und Referendare besser begleitet und unterstützt werden müssen.

„Motivationslücken während des Studiums und insbesondere des Referendariats müssen wir auffangen. Sonst gehen uns viele Lehrerinnen und Lehrer verloren“, fordert der VBE-Landesvorsitzende. „Außerdem ist es unabdingbar, dass wir die Lehrkräfte, die wir haben, auch alle einstellen. Das heißt: Das Kultusministerium muss alle Lehrerinnen und Lehrer, die sich durch eine Lehramtsausbildung qualifiziert haben, rechtzeitig einstellen, damit diese nicht abwandern“, so der Landesvorsitzende weiter.

Um den Lehrermangel an Grundschulen langfristig in den Griff zu bekommen, sind nach Ansicht des VBE aber weitere Maßnahmen notwendig. Diese schließen insbesondere auch eine Besoldungserhöhung für Grundschullehrkräfte nach A13 ein. „Man muss sich nicht wundern, wenn die Schulart mit dem höchsten Deputat und der geringsten Bezahlung am stärksten unter dem Lehrermangel leidet“, gibt der Landesvorsitzende eine Erklärung für den laut der Kultusministerin extremen Bewerbermangel an Grundschulen.

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