Schulentwicklung braucht Zeit! Woher nehmen und nicht stehlen?

Zeit

Peu à peu treffen an den Schulen der Sekundarstufe 1 die Infos zu der umfangreichsten Bildungsreform ein, die das Land seit langem auf den Weg gebracht hat. Wieder und wieder heißt es dann, immer neues Infomaterial durchzuarbeiten und immer öfters fragt man sich, wann und wie man das alles eigentlich umsetzen soll? Die Reformpläne sind mehr als sportlich, zumal keine fertigen Konzepte, sondern meist nur Bausteine geliefert werden.

 

Da wird im Zuge der anvisierten Schulentwicklung etwa BNT gestrichen und gleichzeitig Medienbildung und Informatik implementiert. In der Folge müssen die Sek-1-Schulen ihre Kontingentstundentafeln neu organisieren und natürlich braucht es auch neue Fachcurricula. Dies betrifft allerdings nicht nur die angesprochenen Fachbereiche, sondern ebenso Mathematik und Deutsch, da beide Fächer ausgebaut werden sollen. Gleichzeitig stellt sich an vielen Schulen die Frage, wo das Personal für Medienbildung und Informatik überhaupt herkommen soll, denn oftmals findet sich im Kollegium keine Lehrkraft mit entsprechendem Studium. Also heißt es, Fortbildungen einzuplanen.

Reform schafft viele Bildungsbaustellen

Ebenfalls soll die Demokratiebildung verstärkt angegangen werden. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen im In- und Ausland absolut richtig, aber auch dafür müssen die Schulen vor Ort erst mal tragfähige Konzepte entwickeln. Eine weitere Baustelle betrifft das Projekt „Zeig, was du kannst!“. Dafür gibt es zwar eine erste Handreichung mit Tipps, dennoch bedeutet dies für die Kollegien abermals lesen, diskutieren und adaptieren. Hinzu kommen die neu aufgestellte Berufsorientierung und BOaktiv. Auch hier: implementieren, Konzepte entwickeln, Fortbildungen besuchen. Oben drauf gibt es dann noch die Kürzung der Poolstunden und die notwendige Neuplanung der bisherigen Differenzierungskonzepte. Und nicht zu vergessen: das neue Mentoring beziehungsweise Coaching. Also auf ein Neues: Konzepte entwickeln für Beobachtungsbögen, Gesprächsformate, Elterninfos etc.

Verbünde und Kooperationen

Richtig komplex wird es schließlich bei der Einrichtung von Verbünden, sei es kooperativ oder durch Fusion. Abermals heißt es, tragfähige Konzepte auf die Beine zu stellen, um Schulen und Kollegien zusammenzuführen. Eine Großaufgabe, die sicher nicht von heute auf morgen und auch nicht in einem Schuljahr erledigt ist. Gleichzeitig sollen Kooperationen mit beruflichen Schulen entstehen oder im Falle einer Gemeinschaftsschule eine Oberstufe in Kooperation mit einem Gymnasium angeboten werden. Wieder braucht es Konzepte, Ideen, Gestaltungswillen …

Der blinde Fleck: Zeit für Schulentwicklung

Führen wir uns diesen unvollständigen Handlungskatalog vor Augen, wird es eines sehr schnell klar: Schulentwicklung braucht Zeit!

Für den VBE ist daher klar: Wer Qualität in der Umsetzung sehen will, der muss den Kollegien auch die dafür notwendigen Ressourcen für pädagogische Tage, Teamsitzungen, Konferenzen und Fortbildungen einräumen – und zwar besser gestern als heute. Die größte Schulreform seit Jahren setzt sich nicht von alleine um, dies leisten immer noch die Lehrkräfte vor Ort.

Unser Versprechen: Der VBE bleibt für Sie dran!