Der VBE möchte über die Stellungnahme zum Modellversuch des dualen lehramtsbezogenen Masterstudiengangs informieren. Der VBE betont seine Skepsis gegenüber den Plänen der Landesregierung und legt großen Wert darauf, dass bei der Umsetzung die Seminare bestmöglich eingebunden und ausgestattet sind. Das duale Studium darf auf keinen Fall in eine Einphasigkeit führen – eine gleichbleibende Qualität in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften muss zu jeder Zeit gewährleistet sein. Deshalb hat der VBE folgende Positionen formuliert:
Unzureichende Integration der Seminare
Die Verknüpfung zwischen Hochschulen und Seminaren bleibt in der Verordnung unklar und birgt die Gefahr, dass die Seminare lediglich als „Erfüllungsgehilfen“ der Hochschulen fungieren. Es fehlt ein kohärentes Konzept, das die Seminare gleichwertig in die Ausbildung einbindet und ihnen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellt, um den dualen Ausbildungsanspruch zu erfüllen.
Qualität der schulpraktischen Ausbildung
Die vorgesehenen schulpraktischen Phasen scheinen unter der engen zeitlichen Taktung des Studienmodells zu leiden. Eine tiefgreifende, reflektierte Auseinandersetzung mit pädagogischen und didaktischen Herausforderungen ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen kaum möglich. Dies beeinträchtigt die Qualität der Ausbildung und gefährdet langfristig die Unterrichtsqualität.
Ungleiche Belastung der Seminare
Die begrenzte Anzahl von Studienplätzen (20 pro Lehramt und pro Jahr) führt dazu, dass Seminare mit geringen personellen und finanziellen Ressourcen dennoch gezwungen sind, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Dies geschieht ohne eine adäquate Erhöhung der Kapazitäten. Seminare, die ohnehin unter Druck stehen, werden damit noch stärker belastet.
Fehlender Fokus auf Fortbildung
Die Fortbildungskomponente der Seminare wird im Rahmen des Modellversuchs völlig außer Acht gelassen. Die duale Ausbildung beansprucht die Kapazitäten der Seminare in erheblichem Maße, sodass deren Fortbildungsfunktion weiter geschwächt wird. Dies steht im Widerspruch zur Notwendigkeit, auch erfahrene Lehrkräfte kontinuierlich weiterzubilden, um aktuellen pädagogischen Herausforderungen gerecht zu werden.
Attraktivität der Rahmenbedingungen
Der Unterhaltsbeihilfe von 60 Prozent des Anwärtergrundbetrags für die Auszubildenden ist deutlich zu niedrig und macht den Lehrerinnen- und Lehrerberuf im Vergleich zu den anderen Branchen weniger attraktiv. Gleichzeitig fehlen klare Regelungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf während der dualen Ausbildung, was insbesondere Frauen benachteiligen könnte.
Unklare Erfolgsmessung des Modellversuchs
Es bleibt unklar, wie der Erfolg des Modellversuchs evaluiert werden soll. Es bedarf transparenter Kriterien, die nicht nur die Anzahl der Absolventen, sondern auch deren langfristige Bindung an den Beruf und die Unterrichtsqualität berücksichtigen.
Deshalb fordert der VBE:
- Eine stärkere Einbindung der Seminare in die konzeptionelle Entwicklung und Umsetzung des dualen Modells.
- Ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen für die Seminare, um eine hochwertige Ausbildung und Fortbildung sicherzustellen.
- Eine Erweiterung der schulpraktischen Phasen, um eine fundierte pädagogische und didaktische Ausbildung zu gewährleisten.
- Die Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen der Auszubildenden, um die Attraktivität des Lehrerinnen- und Lehrerberufs zu steigern.
- Transparente und praxisorientierte Erfolgskriterien für den Modellversuch, um eine nachhaltige Implementierung sicherzustellen.
Unser Versprechen: Der VBE bleibt für Sie dran!
