Neue Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung? Stärkung der Realschule wäre sinnhafter!

Stärkung der Realschule

Neue Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung? Populismus alleine löst die Probleme nicht! Durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung unter Grün-Rot 2011 und die dramatisch hohe Zahl der Schließungen von Hauptschulstandorten sehen sich die Kolleginnen und Kollegen vor Ort mit erheblichen Problemstellungen konfrontiert und fühlen sich alleine gelassen. Die Anzahl der Kinder, welche an der Leistungsmessung im M-Niveau in der Orientierungsstufe scheitern und durch Misserfolge demotiviert werden, nimmt seit Jahren spürbar zu.

Was Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen frustriert. Diese Botschaft ist durch die beständige Arbeit des VBE auch im Kultusministerium und bei der Ministerin selbst angekommen. Eine „Wiedereinführung der Verbindlichkeit“ ist weder politisch noch gesellschaftlich durchsetzbar. Sie löst auch keine Probleme, sondern schafft höchstens neue. Kaum eine Partei in Stuttgart setzt sich zudem dafür ein. Ein klares Bekenntnis hierzu gibt es derzeit nur von der FDP. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Schließungen von Haupt-/Werkrealschulen im Land – insgesamt wurden mehr als 800 von ihnen in den letzten Jahren geschlossen und nur rund 300 neue Gemeinschaftsschulen gegründet – wird schnell klar, dass es die Realschulen braucht, um den Hauptschulabschluss in der Fläche halten zu können. Wer vor diesem Hintergrund ein „Zurück zur Realschule von vor 30 Jahren“ fordert, verkennt schlicht die Realität. Der Umgang mit dem G-Niveau und dem Hauptschulabschluss bleibt dennoch eine große Herausforderung für die Realschulen.

Orientierungsstufe verkürzen, Möglichkeiten im Umgang mit dem G-Niveau schaffen

Die grundlegende Ausrichtung an den Realschulen sind das M-Niveau und der Realschulabschluss. Um alle Kinder passgenau fördern zu können, wird die Orientierungsstufe im neuen Konzept des Kultusministeriums um ein Jahr gekürzt. Auch dies ist ein Erfolg der kontinuierlichen Arbeit des VBE für die Realschulen. Wenn vor Ort gewünscht, können Realschulen ab der sechsten Klasse zwei grundständige Bildungsgänge einrichten. Wenn dies vor Ort nicht möglich ist, müssen die Realschulen die Ressourcen erhalten, um in G-und M-Niveau differenzieren zu können. Bei kleinen Schulen müssen ausreichend Poolstunden bereitgestellt werden, damit zumindest in den Kernfächern durchgängig in den verschiedenen Niveaus unterrichtet werden kann. Alternativ wird für Schulen die Möglichkeit der Kooperation mit anderen Schulen (egal ob Realschulen oder Werkrealschulen) auf dem G-Niveau geschaffen. In Schulverbünden wird es zudem möglich sein, das G-Niveau ausschließlich im Bereich der Werkrealschule anzubieten.

Aus Sicht des VBE ist eine Verkürzung der Orientierungsstufe auf die Klassenstufe 5 eine gute Möglichkeit, die Aufgabe leistbarer zu machen, sofern die Umsetzung der äußeren Differenzierung in eigenständigen G-Zügen durch eine angepasste Poolstundenzahl auch für kleinere Standorte eingeräumt wird.

Realschulen gezielt stärken – Kollegien unterstützen!

Die gezielte Stärkung der Realschule in Baden-Württemberg erfordert nach Meinung des VBE einen besonderen Fokus des Landes auf die erfolgreiche Ausrichtung der Realschule. Der „Markenkern“ ist und bleibt der Realschulabschluss und der Leistungsgedanke. Will man diesen Markenkern erhalten, muss er gestärkt werden, denn sonst sinkt zwangsläufig die Akzeptanz des Abschlusses in der Wirtschaft und in der darauf aufbauenden schulischen Landschaft. Eine Aufweichung des eingeforderten M-Niveaus in der Orientierungsstufe oder deren gänzliche Auflösung widerspricht jedoch dem klassischen Realschulprofil der „Schule der Möglichkeiten und des Aufstiegs“. Sie forciert zudem einen weiteren Niveauverlust und stellt den Kern des Realschulprofils in Frage. Aus VBE-Sicht wurde mit der Verpflichtung zur Vorlage der Bildungsempfehlung bei der Anmeldung an weiterführenden allgemeinbildenden Schulen in Verbindung mit einem möglichen Beratungsgespräch der aufnehmenden Schulleitung ein gutes Korrektiv des Elternwillens implementiert. Weitere Schritte sind hier dennoch dringend notwendig, gerade in und für die Verbünde mit Werkrealschulen. Ein besonderes Augenmerk muss hier sowohl auf die Aufnahme von Schülerinnen und Schülern mit Empfehlung für das G-Niveau, als auch auf die Stabilität des Bildungsgangs gerade in den Eingangsklassen gerichtet werden.

Damit Eltern das schulische Leistungsvermögen ihrer Kinder besser einschätzen können, wurde im Bereich der Grundschule mit Kompass 4 eine zentrale Diagnosearbeit in Deutsch und Mathematik nach einheitlichen Bewertungsmaßstäben geschaffen, um Eltern zusätzlich und objektiviert zu informieren. Was noch dringend fehlt, ist die Weitergabe von Informationen über Schülerinnen und Schüler an die weiterführenden Schulen. Dies muss möglich gemacht werden.

Die Belastungen der Kollegien sind stark gestiegen, eine deutliche Anhebung des allgemeinen Entlastungskontingents ist daher zwingend. Lehrkräfte vor Ort benötigen außerdem im Rahmen von Deputatsstunden zusätzliche Unterstützungssysteme (zum Beispiel flächendeckende Schulsozialarbeit), um Team-Teaching oder professionelle Begleitung für Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern anzubieten zu können.

Darüber hinaus müssen die Deputate der Lehrkräfte gesenkt und deren Arbeitsbelastung neu bewertet werden. Der Klassenteiler muss deutlich gesenkt werden. Jede Klasse benötigt eine verbindliche Klassenlehrerstunde.

Wer neue Aufgaben in eine Schulart implementiert, der muss auch dafür Sorge tragen, dass dies von den Lehrerinnen und Lehrer auch zu leisten ist!

VBE hat die Realschule im Blick – Schon immer!

Der VBE hat die Realschule als tragende Säule des Bildungssystems in Baden-Württemberg fest im Blick und kämpft weiter für die Interessen der Lehrkräfte an Realschulen. Wir sind Realschule!

Dirk Lederle, Stv. Landesvorsitzender