VBE begrüßt steigenden Bedarf an Haupt- und Werkrealschulen

Lehrermangel begleitet Grundschulen noch bis 2025/26 - Bild: Stockphotosecrets

Verwundernd und bisweilen irritierend ist die neuerliche Debatte um die Haupt- und Werkrealschulen. Seit Jahren ist die Debatte oftmals ideologisch motiviert und geht dabei an den Tatsachen weitgehend vorbei. Die Schulart muss offensichtlich als Sündenbock herhalten und verschiedene Parteien versuchen ihr mit allen Mitteln „den Garaus zu machen“. Doch mit der Haupt- und Werkrealschule ist es wie mit dem berühmten kleinen gallischen Dorf: Es gibt sie noch, trotz aller Attacken von außen.

Ein objektiver Blick auf die aktuellen Zahlen verrät, dass dieses vermeintlich so kleine Dorf auch gar nicht so klein ist. Es gibt sie noch und das in recht beachtlicher Zahl von weit über 400 Schulen landesweit. Sicher ist ihre Zahl von einst stolzen 1.200 seit der Einführung der Gemeinschaftsschule – die meisten Gemeinschaftsschulen gingen übrigens aus ehemaligen Haupt- und Werkrealschulen hervor – und dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung gesunken. Der Bedarf an ihr ist nichtsdestotrotz ungebrochen.

Dies zeigt vor allem die Tatsache, dass die Schülerzahlen an den Schulen spätestens ab Klasse sieben teilweise um fast 50 Prozent im Vergleich zur Eingangsstufe (den fünften Klassen) zunehmen. Diese Steigerung erklärt sich nicht daraus, dass vor allem Realschulen konsequent „abschulen“ würden. Dies mögen zwar einige so sehen – die Übergänge von Gemeinschaftsschulen an die Haupt- und Werkrealschule existieren jedoch genauso. Dies verdeutlicht, dass die pädagogische Arbeit in den Haupt-und Werkrealschulen, allen Unkenrufen zum Trotz, eine enorme Wertschätzung erfährt.

Abbildung: Zunahme der Schülerzahl eines Jahrgangs im Verlauf der Jahrgangsstufen an Haupt- und Werkrealschulen (Quelle: Kultusministerium, Pressemitteilung Nr. 59/2019)
Jahrgang Klasse 5 Klasse 6 Klasse 7 Klasse 8 Klasse 9 Zuwachs
2010/11 26.327 25.141 25.296 26.777 27.587 + 4,8%
2011/12 24.882 23.858 24.298 25.989 26.433 + 6,2 %
2012/13 15.719 17.056 18.863 21.016 21.123 + 34,4%
2013/14 11.981 13.407 15.529 17.526 17.467 + 45,5%
2014/15 9.650 11.112 12.857 13.811
2015/16 7.742 8.635 9.466
2016/17 6.817 7.020
2017/18 6.452
Intensive Betreuung für praktisch talentierte Schülerinnen und Schüler

Keine andere Sekundarschulart bietet eine so intensive Lehrer-Schüler-Beziehung wie die Haupt- und Werkrealschule und genau dies brauchen viele Schülerinnen und Schüler. Wir benötigen diese Schulart auch deshalb, um auf die unterschiedlichen Begabungen der Jugendlichen angemessen eingehen zu können. Richtet sich das Bildungsangebot doch vor allem an solche Jugendliche, die praktisch oder handwerklich begabt sind. Werden die Basiskompetenzen dieser jungen Menschen zusätzlich angemessen gefördert, dann steht einem erfolgreichen Hauptschulabschluss nichts im Wege. Mit ihm steht die Option einer beruflichen Ausbildung ebenso offen, wie das vielfältige Angebot der beruflichen Schulen bis hin zum Abitur.

Was diese Schulart deshalb vor allem benötigt, ist die Unterstützung und Wertschätzung der pädagogischen Arbeit der Lehrkräfte vor Ort. Genau das will das Kultusministerium nun endlich angehn. A13 für Haupt- und Werkrealschullehrkräfte steht dabei genauso auf dem Wunschzettel der Ministerin, wie eine Änderung des Schulgesetzes, mit dem Ziel, die verbliebenen Haupt- und Werkrealschulen zu stärken und zu erhalten. Wenn, wie die obige Abbildung zeigt, diese Schulart spätestens ab Klassenstufe 7 deutlich wächst, dann kann folglich nicht mehr nur die Eingangsklasse das Maß aller Dinge sein. Dann ist vielmehr die gesamte Schülerzahl als Bemessungsgrundlage für den Erhalt einer Schule vor Ort heranziehen. Der Bedarf an der Schulart ist jedenfalls da.