Laut einer gemeinsamen Studie der Pädagogischen Hochschulen Heidelberg und Ludwigsburg besitzen lediglich 55 Prozent der Lehrkräfte am SBBZ ESENT einen Abschluss als Sonderpädagogin oder Sonderpädagoge. Außerdem zeigen sich deutliche Härten im Arbeitsalltag der Lehrkräfte durch regelmäßige verbale und mitunter auch körperliche Übergriffe seitens der Schülerinnen und Schüler.
VBE-Landesvorsitzender Gerhard Brand: „Die Landesregierung hatte es sich im Koalitionsvertrag auf die Fahnen geschrieben, die Qualität der sonderpädagogischen Bildung erhöhen zu wollen. Am Ende der Legislatur zeigt sich: Die Ziele wurden verfehlt. Die Arbeit am SBBZ ist mehr denn je durch fehlendes Fachpersonal, mangelhafte Ressourcen und belastende Arbeitsbedingungen gekennzeichnet. Der VBE erneuert seine Forderungen: Weiterer Ausbau der Studienkapazitäten für die Sonderpädagogik, Wegfall des Numerus clausus im Sonderpädagogik-Studium, bessere Aufstiegsmöglichkeiten für Fachlehrkräfte sowie eine umfassende Vorabqualifikation für Quereinsteiger.“
Der stellvertretende VBE-Landesvorsitzende Walter Beyer ergänzt: „Sonderpädagogische Bildung ist eine hoch spezialisierte Aufgabe. Die Lehrkräfte an den SBBZ tragen enorme Verantwortung für Kinder mit sehr unterschiedlichen Bedarfen. Um diese Aufgabe leisten zu können, brauchen sie eine entsprechende Ausbildung, ausreichend Diagnostik-, Förder- und Beratungszeit sowie die Kooperation in multiprofessionellen Teams.“
Der VBE verweist auch auf eine eigene Studie aus dem Jahr 2024, die gravierende Missstände am SBBZ aufdeckte: Der Mangel an Fachkräften, hohe Krankenstände infolge permanenter Überlastung, zu viel Bürokratie und eine missglückte Umsetzung der Inklusion gefährden die Beschulung von körperlich und geistig beeinträchtigten Kindern.
Hintergrund
Die sonderpädagogischen Abteilungen mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung (ESENT) an den Pädagogischen Hochschulen Heidelberg und Ludwigsburg haben zwischen Januar und Juli 2025 eine Studie zur psychosozialen Gesundheit und zum Wohlbefinden von Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerkräften im Förderschwerpunkt ESENT durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich 2.399 Schülerinnen und Schüler und 1.073 Lehrkräfte an 72 SBBZ ESENT in Baden-Württemberg an der Befragung. Prof. Dr. Stephan Gingelmaier und JProf. Dr. Nicola-Hans Schwarzer haben die Untersuchung wissenschaftlich begleitet. Alle weiteren Informationen zu der Studie und den Abschlussbericht finden Sie hier.
