OECD-Bildungsdirektor kritisiert Bildungssystem

Der VBE bestätigt die jüngsten Äußerungen des OECD-Bildungsdirektors Andreas Schleicher, in denen dieser auf gravierende Mängel im deutschen Bildungssystem hinweist. „Die Kritik an unzureichender Unterstützung für Kinder mit Migrationshintergrund und der ungleichen Ressourcenverteilung ist berechtigt. Es braucht nachhaltige Reformen, um die Chancengleichheit für alle Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten“, erklärt der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand.

Der VBE sieht sich in seiner Forderung bestätigt, dass insbesondere Grundschulen und Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) bei der Verteilung der Ressourcen und der personellen Ausstattung stärker aufgestellt werden müssen. Und dass an den weiterführenden Schulen die Sekundarstufe 1 endlich gleichberechtigt mit dem Gymnasium versorgt werden muss. Besonders Schulen mit hohen Anteilen an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund benötigen dringend mehr qualifiziertes Personal, um individuelle Förderangebote zu ermöglichen und die Integration zu stärken.

„Gute Bildung darf kein Privileg weniger sein, sondern muss für alle Kinder erreichbar sein,“ sagt der VBE-Vorsitzende. Er fordert eine klare Priorisierung bei der Ressourcenverteilung, mehr Unterstützung für Lehrkräfte durch multiprofessionelle Teams sowie attraktive Arbeitsbedingungen, um qualifiziertes Personal für die Schulen mit besonderen Herausforderungen zu gewinnen. Zudem müsse die frühkindliche Bildung gestärkt werden, um Defizite – insbesondere Sprachdefizite – frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Hohe Sprachvielfalt an Kitas in Baden-Württemberg

Wie eine VBE-Studie aus dem Jahr 2024 aufzeigt, herrscht in vielen Kitas Baden-Württembergs eine große sprachliche Vielfalt: Türkisch, Russisch, Arabisch, Englisch, Rumänisch, Italienisch und Ukrainisch sind die häufigsten Herkunftssprachen der Kinder. An vier von zehn Kitas kommen alle sieben Sprachen gleichzeitig vor.

Trotz dieser Vielfalt fehlt es an qualifizierten Sprachfachkräften. So sind an 29 Prozent der Kitas keine Fachkräfte speziell für Sprachbildung tätig, bei weiteren 41 Prozent sind nur 1 bis 10 Prozent der Fachkräfte entsprechend qualifiziert. In der Folge wird an 44 Prozent der Kitas ausschließlich alltagsintegrierte Sprachbildung praktiziert, während individuelle Förderangebote bislang nur an 30 Prozent der Kitas möglich sind.

„Unsere Kitas können Integrationsmotoren sein, wenn sie gut geschmiert sind“, sagt der stellvertretende VBE-Landesvorsitzende Walter Beyer. Um die sprachliche Entwicklung aller Kinder zu stärken, fordert er eine umfassende Fachkräfteoffensive sowie umfangreiche Fortbildungsangebote in der sprachlichen Bildung. Außerdem müsse das sehr erfolgreiche Projekt der Sprach-Kitas allen Kitas in Baden-Württemberg zugänglich gemacht werden.

Weitere Infos

Die Ergebnisse angesprochenen DKLK-Studie 2024 mit dem Fokus „Sprachliche Bildung in Kitas“ finden Sie hier. Die Bundesergebnisse der Studie können Sie außerdem hier einsehen. Die Standpunkte des VBE Baden-Württemberg mit Forderungen für gerechtere Ressourcenzuteilungen im Bildungssystem finden Sie hier.