Mit Sorge reagiert der VBE Baden-Württemberg auf die aktuellen Zahlen des KVJS (Kommunalverband für Jugend und Soziales), über die die Stuttgarter Nachrichten berichten. Diese zeigen einen drastischen Anstieg von körperlichen Angriffen und verbalen Übergriffen von Kindern in Kindertageseinrichtungen.
Während im Jahr 2021 insgesamt 113 Vorfälle gemeldet wurden, waren es 2024 bereits 531. Besonders auffällig ist der Anstieg der Angriffe von Kindern auf Mitarbeitende: von 9 gemeldeten Fällen im Jahr 2021 auf über 80 im Jahr 2024. Auch die Übergriffe unter Kindern nahmen deutlich zu – von 40 auf 244 gemeldete Fälle im gleichen Zeitraum. Diese Zahlen bestätigen das, was pädagogische Fachkräfte seit Langem schildern: Die Belastungen im Kita-Alltag wachsen kontinuierlich, und viele fühlen sich zunehmend im Stich gelassen.
„Pädagogische Fachkräfte berichten uns seit Jahren, wie sehr die Situation in vielen Einrichtungen eskaliert“, erklärt Landesvorsitzender Gerhard Brand. „Dabei liegen die Ursachen nicht in erster Linie bei den Kindern, sondern vielmehr in systemischen Problemen: einem gravierenden Personalmangel, unzureichenden Rahmenbedingungen und massiven gesellschaftlichen Veränderungen, die sich unmittelbar in den Kindertageseinrichtungen widerspiegeln.“ Die aktuellen KVJS-Zahlen verdeutlichen nach Einschätzung des VBE Baden-Württemberg, dass die Situation weder neu noch überraschend ist – sie spitzt sich jedoch zu.
Mit Blick auf die pädagogische Arbeit sind stabile und sichere Bedingungen für Kinder und Fachkräfte besonders wichtig. „Kitas benötigen dringend bessere Rahmenbedingungen, um gute pädagogische Arbeit und Kinderschutz gleichermaßen gewährleisten zu können“, so Brand weiter. Dazu gehören kleinere statt größerer Gruppen, die Unterstützung durch multiprofessionelle Teams sowie ausreichend Zeit für Reflexion, Beobachtung und präventive Arbeit. Viele Fachkräfte engagieren sich trotz hoher Belastung mit großer Empathie und Professionalität für die ihnen anvertrauten Kinder. Umso dringlicher sei es, dass die Politik diese Realität anerkennt und endlich handelt.
Der VBE fordert das Land Baden-Württemberg deshalb eindringlich auf, die alarmierenden Entwicklungen ernst zu nehmen und gemeinsam mit Trägern und pädagogischen Fachkräften ein umfassendes Maßnahmenpaket zu entwickeln. Dieses müsse sowohl den Kinderschutz als auch die Gewaltprävention stärken und zugleich den Schutz und die Arbeitsbedingungen des pädagogischen Personals verbessern. „Wir dürfen weder die Kinder noch die Fachkräfte mit diesen Herausforderungen allein lassen“, betont Brand. „Es braucht jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung, damit unsere Kindertageseinrichtungen sichere, unterstützende und wertschätzende Orte bleiben.“
