Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, kommentiert zu den Ergebnissen der OECD-Studie „Education at a glance – Bildung auf einen Blick 2025“: „So stolz wir auf die deutsche Berufsausbildung sind, so sehr vernachlässigen wir die Fachkräftegewinnung. Schon heute ist der Lehrkräftebedarf an dieser Schulart nicht zu decken und das wird auch so bleiben. Wenn also noch mehr Menschen von einer Ausbildung profitieren und qualitativ hochwertig und pädagogisch anspruchsvoll unterrichtet werden sollen, brauchen wir dafür Fachkräfte und eine angemessene Ausstattung.“
Der Anteil Geringqualifizierter hat laut der OECD-Studie zugenommen. 15 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in Deutschland haben keinen Abschluss im Sekundarbereich II, also die (Fach-)Hochschulreife oder eine Berufsausbildung. Dabei konnten mit „PIAAC“, dem „Erwachsenen-PISA“, erhebliche Kompetenzunterschiede zwischen Personen zwischen 25 und 34 Jahren mit einem Tertiärabschluss und jenen ohne Abschluss im Sekundarbereich II nachgewiesen werden. Betrugen diese Disparitäten in anderen Ländern um die 75 Punkte, sind es in Deutschland über 100.
Brand merkt an: „Die immensen Unterschiede, die wir schon in der Schule beobachten können, setzen sich fort. Wir wissen aus anderen Studien, dass der Bildungserfolg eines Kindes von den Möglichkeiten des Elternhauses abhängig ist. Das ist tragisch, denn den Schülerinnen und Schülern wird schnell klar, dass ihre Herkunft über ihren Lebensweg entscheidet. Gezielte Investitionen wie zum Beispiel über das Startchancen-Programm, können helfen, diese vorgezeichneten Wege zu verwischen. Doch es braucht mehr! Vor allem braucht es motivierte und gut ausgebildete Lehrkräfte, die sich der Kinder annehmen und sie angemessen fördern können. In Klassen mit 30 Kindern und ohne Unterstützung ist das schlicht nicht möglich. Die prophezeite Entspannung des Lehrkräftemangels ist noch nicht eingetreten. Aber wenn sie kommt, muss sie dringend für eine Senkung des Klassenteilers genutzt werden.“
Tätigkeitslose junge Erwachsene besser fördern
Der VBE-Chef zeigt sich zudem verwundert über die Interpretation der Ergebnisse: „Wenn 10 Prozent der 18- bis 24-Jährigen weder in einer Bildungseinrichtung sind noch einer Beschäftigung nachgehen, darf uns das nicht froh machen, nur weil es anderswo 14 Prozent sind. Wer in diesem Alter arbeitslos ist, verspielt seine Chance auf weiteres Fortkommen. Die Politik muss sich an die eigene Nase fassen. Hier wird Förderung unterlassen.“
