VBE zum Schuljahresstart: Schulen brauchen mehr Kontinuität

SprachFit, Mathebänder, Bildungs-ID, Startchancen-Programm, G9 – mit dem Schuljahr 2025/2026 greifen weitere Schritte der Bildungsreform. „Sie werden den Schulalltag vieler Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler spürbar verändern“, sagt der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand.

Der VBE-Vorsitzende bezweifelt allerdings, dass die bildungspolitischen Neuerungen für die Schulen im Alltag mit den vorhandenen Ressourcen umsetzbar sind. „Der Skandal um die 1.440 über Jahre hinweg aufgewachsenen, unbesetzt gebliebenen Lehrkräftestellen zeigt die Kluft zwischen ausgewiesenen Planstellen und der tatsächlichen Unterrichtsversorgung auf. Solange diese Lücke nicht verlässlich mit originär ausgebildeten Lehrkräften geschlossen wird, müssen Schulen nicht nur Reformen und Förderprogramme, sondern auch den Alltagsbetrieb mit dünner Personaldecke stemmen. Dies führt zwangsläufig zu Mehrarbeit in den Kollegien. Wir fordern deshalb eine gezielte Nachwuchsgewinnung und spürbare Entlastungen, damit Schulen verlässlich arbeiten können und Lehrkräfte langfristig im Beruf bleiben. Im Zuge der Landtagswahlen erwarten wir von den Parteien klare Zusagen für genügend Lehrkräfte sowie Zeit und Mittel, damit Reformen und Förderprogramme vollständig und ohne zusätzliche Belastung umgesetzt werden können.“

Startchancen-Programm

Ein zentraler schulpolitischer Schwerpunkt in diesem Schuljahr ist die Umsetzung des Startchancen-Programms, in der zweiten Tranche sind nun alle 540 beteiligten Schulen aus Baden-Württemberg dabei. „Mit einer Laufzeit von zehn Jahren ist das Programm in der Lage, nachhaltig Wirkung zu entfalten“, erklärt Brand. Er fordert jedoch, dass die Schulen stärkere Mitspracherechte bei der Verwendung der Mittel erhalten müssen. „Die Schulen wissen am besten, wo wirklich Entlastung gebraucht wird. Gesellschaftliche Wirkung entfaltet das Programm nur, wenn die Mittel zuverlässig fließen, die Umsetzung praxisnah begleitet wird und keine Schule von der Bürokratie überlastet wird.“

SprachFit

Brand: „Immer mehr Kinder mit und ohne Migrationshintergrund kämpfen mit Sprachproblemen. Teilweise ist dies auf Vernachlässigung im Elternhaus und die zunehmende Nutzung von Smartphones zurückzuführen. Die Eltern sprechen weniger mit ihren Kindern. Es ist daher richtig, dass das Land viel Geld in die Hand nimmt, um die Sprachförderung breiter aufzustellen. Klar ist aber auch: Die neu einzurichtenden Sprachfördergruppen und Juniorklassen lösen weiteren akuten Personalbedarf aus und stellen Schulen wie Kommunen vor logistische Probleme bei der Schülerbeförderung. Ob SprachFit wirklich wirksam ist, muss daher eine zeitnahe Evaluation nach Start des Programms prüfen.“

Mathebänder

Brand: „Angesichts neuer Problemlagen greift die Politik immer stärker in die pädagogische Freiheit der Lehrkräfte ein. Mit den Mathebändern schaltet sich das Ministerium direkt in den Unterricht ein. Für die Schulen bedeutet dies nicht nur, dass der pädagogische Gestaltungsspielraum zunehmend eingeschränkt wird, sondern auch, dass neue Dokumentationspflichten entstehen. Der Wunsch nach weniger Bürokratie bleibt unerfüllt. Die Grundschulen ständig mit neuen Konzepten und Aufgaben zu überfrachten, ohne gleichzeitig für Entlastung zu sorgen, führt zu einer dauerhaften Überlastung.“

Weitere Infos

Die heute veröffentlichte Pressemeldung des Kultusministeriums zum Schuljahresstart können Sie hier einsehen.