DKLK-Studie 2026: Scheitert der Übergang Kita-Grundschule?

Kita, Kindergarten

„Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist ein zentraler Baustein für Bildungsgerechtigkeit – doch er steht auf wackligen Beinen“, erklärt der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand angesichts aktueller Studienergebnisse. „Die Anforderungen an Kitas wachsen kontinuierlich, doch die Arbeitsbedingungen halten nicht Schritt. Überlastete Leitungen, fehlende Kooperationszeiten und personelle Engpässe gefährden den so wichtigen Bildungsübergang in die Grundschule.“

 

1.035 Kitaleitungen aus Baden-Württemberg haben von Oktober 2025 bis Januar 2026 an der repräsentativen DKLK-Studie 2026 teilgenommen. Die Leitungskräfte haben Fragen zur aktuellen Arbeitssituation in den Kitas und zum diesjährigen Schwerpunktthema „Übergang Kita-Grundschule“ beantwortet. Der VBE hat die Studie gemeinsam mit Fleet Education unter wissenschaftlicher Leitung von Frau Prof. Dr. Miriam Baghai-Thordsen von der Hochschule Koblenz durchgeführt.

Kitaleitung: Wenig Leitungszeit, viele Überstunden und Personalprobleme

Die Studie beleuchtet zunächst grundlegende Rahmenbedingungen der Leitungsarbeit in den Kitas:

  • Leitungszeit: Über die Hälfte der Kitaleitungen (55 %) verwendet mehr als 60 Prozent ihrer Arbeitszeit für Vertraglich abgesichert ist dieser Umfang aber nur bei gut einem Viertel der Befragten (28 %).
  • Überstunden: Die meisten Leitungskräfte (89 %) leisten regelmäßig Überstunden. Vier von zehn Leitungen (41 %) berichten, mindestens 20 Prozent über ihre vertragliche Arbeitszeit hinauszuarbeiten – dies entspricht bei einer 39-Stundenwoche mindestens 7,8 Stunden zusätzlich pro Woche.
  • Personalressourcen: Nur 6 % sagen, dass es einfacher geworden ist, offene Stellen zu besetzen. Die allermeisten Leitungen (94 %) berichten von einem unverändert angespannten (39 %) oder noch schlechter gewordenen (55 %) Arbeitsmarkt.Brand warnt: „Viele Kitas arbeiten auch ohne die zusätzlichen Anforderungen in der Sprachförderung bereits an der Grenze ihrer Ressourcen. Wenn Leitungen ihre Aufgaben nur durch Mehrarbeit bewältigen und Stellen monatelang unbesetzt bleiben, leidet die Bildungs- und Betreuungsqualität – und damit auch der Übergang in die Grundschule.“

Brand warnt: „Viele Kitas arbeiten auch ohne die zusätzlichen Anforderungen in der Sprachförderung bereits an der Grenze ihrer Ressourcen. Wenn Leitungen ihre Aufgaben nur durch Mehrarbeit bewältigen und Stellen monatelang unbesetzt bleiben, leidet die Bildungs- und Betreuungsqualität – und damit auch der Übergang in die Grundschule.“

Schwerpunkt: Übergang Kita-Grundschule

Beim Schwerpunktthema weisen die Antworten der Befragten zunächst auf eine weitverbreitete Zusammenarbeit zwischen Primar- und Elementarbereich hin: Rund neun von zehn (85 %) Kitaleitungen berichten von Kooperationen mit Grundschulen.

Die Kooperation gestaltet sich dabei vor allem über den Austausch zu einzelnen Kindern – das geben 81 Prozent der Befragten an. Deutlich weniger häufig kommt es zu gegenseitigen Hospitationen (54 %), gemeinsamen Infoveranstaltungen (48 %), der Planung gemeinsamer Übergangsaktivitäten (39 %) und dem fachlichen Austausch über pädagogische Konzeptionen (31 %).

„Die gute Nachricht lautet: Die Zusammenarbeit zwischen Kita und Grundschule ist vielerorts bereits gelebte Praxis“, so Brand. „Die hohe Kooperationsbereitschaft zeigt, dass beide Seiten den Übergang als wichtigen Teil ihres Bildungsauftrags verstehen. Gleichzeitig wird allerdings auch deutlich, dass die Kooperation in vielen Bereichen nur begrenzt umgesetzt werden kann. Gerade die konzeptionelle Arbeit bleibt stark eingeschränkt.“

Grenzen der Kooperation

Als größtes Hindernis für die praktische Umsetzung der Kooperation mit der Grundschule nennen acht von zehn Kitaleitungen (81 %) mangelnde Zeitkontingente und fehlendes Personal auf beiden Seiten. Die Folgen sind weitreichend:

  • Niedrige Frequenz: Knapp die Hälfte der Kitas (44 %) kann entweder nur alle zwei- bis drei Monate (28 %) oder sogar nur jährlich (16 %) mit der Grundschule kooperieren.
  • Einbindung der Kinder: Nur drei von zehn Kitas (29 %) haben die Ressourcen, um die Kinder systematisch in den Übergangsprozess einzubeziehen.
  • Elternbeteiligung bleibt passiv: Nur an sechs Prozent der Kitas gestalten Eltern den Übergang aktiv mit, in den meisten Fällen (94 %) fungieren die Eltern dagegen lediglich als Zuhörende an Infoabenden oder ausgewählten Veranstaltungen.

Brand betont: „Kooperation scheitert nicht an Haltung. Sie scheitert oft schlicht daran, dass im Arbeitsalltag verlässliche Strukturen fehlen. Gute Übergänge entstehen nicht von allein – sie brauchen Zeit, Personal und eine enge Abstimmung zwischen den Institutionen, die die Kinder auf diesem Weg begleiten. Doch genau das fehlt: Statt verlässlicher Kooperationszeiten gibt es Überstunden, statt Partizipation gibt es Informationsveranstaltungen. So bleibt Kooperation ein Stückwerk und allzu oft vom Engagement einzelner Personen abhängig.

Fachliche Schwerpunktsetzung beim Übergang

Ein weiterer zentraler Befund der Studie betrifft das pädagogische Verständnis des Übergangs: Auf die Frage, welchen Förder- und Bildungsbereich sie im letzten Kita-Jahr vor der Einschulung als besonders wichtig erachten, nennt nahezu die Hälfte der Befragten (47 %) sozial-emotionale Kompetenzen wie Kooperationsfähigkeit, Selbstregulation und Empathie. Erst an zweiter Stelle (31 %) werden sprachliche Kompetenzen wie Wortschatz, Erzählfähigkeit und Sprachverständnis genannt.

„Immer mehr Kinder zeigen große Schwierigkeiten, die eigenen Emotionen zu regulieren und stabile Beziehungen aufzubauen. Gleichzeitig fehlen gerade in diesem Bereich oft geeignete Unterstützungsangebote“, unterstreicht Brand. „Aus Sicht der Praxis fokussiert SprachFit daher zu einseitig auf die Förderung sprachlicher Kompetenzen, während der sozial-emotionale Bereich erst sehr spät in den Säulen 4 und 5 gefördert wird. Hier können Grundschulen im Rahmen von Lernen mit Rückenwind und Startchancen zusätzliche Mittel nutzen und sich beispielsweise Unterstützung durch multiprofessionelle Teams einholen. Genau auf diese Unterstützung durch Psychologen, Sozialpädagogen oder Logopäden wären aber auch die Kitas dringend angewiesen.“

Vier Schritte für bessere Übergänge und entlastete Kitas
  1. Kooperation braucht feste Zeiten – und Finanzierung: Verlässliche Zeitfenster für Abstimmungsgespräche, gegenseitige Hospitationen und fachliche Konzeptionen. Kooperation darf kein Zufallsprodukt sein – sie muss strukturell verankert und refinanziert werden.
  2. Partizipation von Kindern und Eltern stärken: Übergänge gelingen besser, wenn Kinder aktiv einbezogen werden und Eltern mitgestalten. Daher braucht es mehr partizipative Formate – etwa durch regelmäßige Kinderbesuche in der Schule oder Beteiligungs- und Beratungsrunden mit Eltern zum Übergang.
  3. Leitungen stärken und personell unterstützen: Leitungskräfte sind Schlüsselfaktoren für Bildungsqualität in den Kitas. Es müssen landesweit verbindliche Standards zur Leitungszeit eingeführt werden – orientiert am tatsächlichen Aufwand. In größeren Einrichtungen braucht es für Organisations- und Verwaltungsaufgaben Unterstützung durch ein Sekretariat. Alle Kitaleitungen sollten zudem bedarfsgerecht auf multiprofessionelle Teams (u. a. Logopäden, Psychologen, Sozialpädagogen) zurückgreifen können.
  4. Verbindliches, gebührenfreies letztes Kita-Jahr – aber mit Qualität: Frühkindliche Bildung muss für alle Kinder zugänglich sein. Der VBE unterstützt daher die Forderung nach einem gebührenfreien letzten Kita-Jahr. Gebührenfreiheit darf jedoch nicht zulasten von Personal und Betreuung gehen. Sie ist nur sinnvoll, wenn sie zusätzlich finanziert wird und personell abgesichert ist.
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