Fachlehrer: An allen Schularten und im Beförderungsstau

Fachlehrer befinden sich im Beförderungsstau - doch nicht mehr lange Bild: Stockphotosecrets

Das Referat Fachlehrkräfte im Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg hat eine Umfrage unter Fachlehrerinnen und Fachlehrer im VBE durchgeführt. In der Umfrage äußern sich die befragten Fachlehrkräfte unter anderem zu ihrer Ausbildung und zu ihrem Gehalt. Gerhard Brand, Landesvorsitzender, heißt die aktuelle Situation nicht gut: „Es gibt zu wenige Beförderungsstellen für Fachlehrerinnen und Fachlehrer.“ Das Kultusministerium sieht das ähnlich und will reagieren.

Rund 6.300 Fachlehrerinnen und Fachlehrer gibt es in Baden-Württemberg. Was denken diese über ihre Situation? Das Referat Fachlehrkräfte im Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg wollte das herausfinden, sich aber nicht nur auf Erzählungen und Berichte verlassen, sondern Zahlen präsentieren. Deshalb hat das Referat im April 2018 eine Umfrage unter Fachlehrerinnen und Fachlehrern im VBE gestartet und diese im Juli 2018 veröffentlicht.

Lange Ausbildungszeiten: 65% länger als fünf Jahre in Ausbildung

Die Umfrage zeigt, dass Fachlehrkräfte immer noch sehr lange auf Beförderungen warten müssen, dass Fachlehrerinnen und Fachlehrer an allen Schularten unterrichten und auch dass sie lange Ausbildungszeiten hinter sich haben. Sieben bis acht Jahre dauert die Ausbildung aktuell durchschnittlich. In der Umfrage selbst gaben 65% der befragten Fachlehrkräfte an, dass ihre Ausbildung länger als fünf Jahre gedauert hat. Und das zu Zeiten der zweijährigen Ausbildung an den pädagogischen Fachseminaren.

Die Neugestaltung und die damit einhergehende Erweiterung der Ausbildung von zwei auf drei Jahre trägt deshalb sicherlich ihren Teil zu langen Ausbildungszeiten bei. Diese Erweiterung bedeutet aber auch eine Aufwertung für die Ausbildung der Fachlehrerinnen und Fachlehrer in Baden-Württemberg. Der Sprecher der Pädagogischen Fachseminare Baden-Württemberg, Dr. Thomas Hertel, meint: „Die Ausbildungsstrukturen im dritten Jahr an den Pädagogischen Fachseminaren sind vergleichbar mit der Ausbildung für Referendare des zweiten Abschnitts an den Staatlichen Seminaren.“

A 9 als Eingangsamt ist nicht mehr angemessen

Das bietet auch Anlass, um über das Eingangsamt von Fachlehrkräften nachzudenken. Angesichts der neu gestalteten Ausbildung hält der VBE Baden-Württemberg das Eingangsamt A 9 für nicht mehr angemessen. Der VBE fordert das Eingangsamt A 10 für alle Fachlehrkräfte. Dass das Eingangsamt die Fachlehrerinnen und Fachlehrer für eine längere Zeit begleitet, das ist ein weiteres Ergebnis der Umfrage des Referats Fachlehrkräfte.

13 Jahre ist die längste Zeit, die eine Lehrkraft aktuell in A 9 verbringt. Und das, obwohl eine Beförderungsmöglichkeit für Fachlehrerinnen und Fachlehrer bereits nach einem Jahr besteht. Diese wird aufgrund des Mangels an geeigneten Stellen jedoch kaum genutzt. 75% der Fachlehrkräfte befinden sich der Umfrage zufolge im Beförderungsstau. Der VBE Baden-Württemberg fordert deswegen, dass das Land zusätzliche Stellen bereitstellt, um den Beförderungsstau abzubauen und Fachlehrkräften somit einen Aufstieg zu ermöglichen. Weiterhin fordert der VBE, dass allen Fachlehrkräften die Teilnahme am wissenschaftlichen Aufstiegslehrgang ermöglicht wird, die 15 Jahre im Beruf sind.

Fachlehrerinnen und Fachlehrer an allen Schularten vertreten

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist, dass Fachlehrerinnen und Fachlehrer an allen Schularten vertreten sind. Als Schwerpunkte kann man allerdings die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), die Realschulen und die Gemeinschaftsschulen ausmachen. An diesen Schularten sind die Besoldungsunterschiede zwischen Fachlehrkraft und Regelschullehrkraft besonders eklatant.Diese Unterschiede fallen noch schwerer ins Gewicht, wenn Fachlehrkräfte, wie an fast allen Schularten üblich, auch Klassenlehrertätigkeiten übernehmen.

Dass Fachlehrerinnen und Fachlehrer auch Mathematik, Deutsch sowie Heimat und Sachkunde unterrichten, hat die Umfrage des VBE ebenfalls ergeben. „Das sind Fächer, für welche die Kolleginnen und Kollegen nicht ausgebildet wurden und die sie fachfremd unterrichten müssen“, sieht der Landesvorsitzende des VBE Baden-Württemberg Gerhard Brand die Zuweisung von Fachlehrkräften in diese Fächer kritisch und auch rechtlich problematisch.

Ministerium will faire Perspektiven für Fachlehrkräfte

Dass sich die Situation von Fachlehrkräften in Baden-Württemberg verbessern soll, das hat Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann mittlerweile angekündigt. In einer Stellungnahme des Ministeriums zur Pressemeldung des VBE gab Sie bekannt: „Unsere Fachlehrer brauchen faire Perspektiven. Hier sehe ich durchaus Handlungsbedarf. Deshalb sind wir bereits dabei, konkrete Verbesserungen zu prüfen“, so Kultusministerin Eisenmann.

Fachlehrkräfte, so heißt es in der Stellungnahme des Ministeriums weiter, seien gerade auch wegen ihrer praktischen Erfahrung aus der Berufswelt ein wichtiger Teil der Lehrerschaft im Land. Das Ministerium arbeite derzeit an einer Lösung, mit der die Situation der Lehrerinnen und Lehrer verbessert werden kann. „Dabei haben wir ganz konkret den Beförderungsstau im Blick“, sagt Eisenmann.

Die Umfrage des Referats Fachlehrkräfte finden Sie im Downloadbereich.

Bild: Stockphotosecrets