Der VBE Baden-Württemberg spricht sich im Zuge der Weiterentwicklung der Realschulabschlussprüfung klar gegen die Einführung einer verpflichtenden mündlichen Prüfung in den Fächern Deutsch oder Mathematik aus. Bereits heute gehören Deutsch und Mathematik zu den Fächern mit dem höchsten Korrektur-, Vorbereitungs- und Prüfungsaufwand. Eine verpflichtende zusätzliche mündliche Prüfung würde die Kolleginnen und Kollegen in diesen Fächern organisatorisch und zeitlich weiter erheblich belasten.
Angesichts der ohnehin hohen Arbeitsbelastung ist eine weitere Ausweitung der Prüfungsverpflichtungen gerade in den Fächern Deutsch und Mathematik aus Sicht des VBE nicht vertretbar. Gleichzeitig befürwortet der VBE ausdrücklich den Erhalt einer optionalen mündlichen Prüfung. Schülerinnen und Schüler sollen weiterhin die Möglichkeit haben, ihre Leistungen in Deutsch oder Mathematik im Rahmen einer freiwilligen mündlichen Prüfung zu verbessern.
Nebenfächer stärken – Prüfungsvielfalt erweitern
Darüber hinaus setzt sich der VBE dafür ein, den Nebenfächern mehr Gewicht zu verleihen. Deshalb sprechen wir uns für die Möglichkeit einer mündlichen Wahlpflichtprüfung im Nebenfachkanon aus. Dies würde den Stellenwert dieser Fächer nachhaltig stärken und zugleich wichtige bildungspolitische Ziele unterstützen. Insbesondere eröffnet eine solche Regelung die Chance, sowohl die MINT-Fächer als auch die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer stärker in den Fokus zu rücken.
Damit würden Kompetenzen gefördert, die für die persönliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler ebenso wie für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft von großer Bedeutung sind.
Der VBE Baden-Württemberg steht für eine ausgewogene und zukunftsorientierte Prüfungsstruktur, die die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler fördert, die pädagogische Vielfalt der Realschule stärkt und zugleich die berechtigten Interessen der Lehrkräfte berücksichtigt. Dazu gehören nicht nur sinnvolle Prüfungsformate, sondern auch die personellen und zeitlichen Ressourcen, die für eine qualitativ hochwertige Durchführung unverzichtbar sind.
Zeit und Entlastung für die Prüfungsphase
Abschlussprüfungen lassen sich nur dann professionell organisieren und pädagogisch verantwortungsvoll durchführen, wenn den Schulen hierfür verlässliche Zeitfenster zur Verfügung stehen. Lehrkräfte benötigen ausreichend Zeit für die Vorbereitung, Durchführung, Beratung und Nachbereitung der Prüfungen, ohne gleichzeitig den regulären Unterricht in vollem Umfang aufrechterhalten zu müssen. Der VBE fordert deshalb verbindliche organisatorische Rahmenbedingungen, die den tatsächlichen Anforderungen der Prüfungsphase gerecht werden.
An dieser Stelle danken wir Ihnen ausdrücklich für Ihre Unterstützung der VBE-Petition für verbindliche Korrekturtage. Mit inzwischen nahezu 7.000 Unterschriften hat sie nochmals deutlich an Unterstützung gewonnen und unterstreicht eindrucksvoll, wie groß der Handlungsbedarf aus Sicht der Schulen ist.
Jetzt werden die Weichen für die künftige Prüfungsstruktur gestellt. Der VBE wird sich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass pädagogisch sinnvolle Lösungen mit realistischen Arbeitsbedingungen und verlässlichen Ressourcen für die Schulen verbunden werden.
