VBE-Fachtagung: Eisenmann will Werkrealschule sichern und neue Grundschulempfehlung etablieren

„Optimistisch durch den Umbruch“, so lautete das Motto der dritten VBE-Fachtagung für Schulleitung, Schulverwaltung und Schulaufsicht. Rund 200 Schulleitungen und Kultusbeamte folgten am Montag der Einladung des VBE in die Fellbacher Schwabenlandhalle. Als Hauptrednerin referierte Kultusministerin Eisenmann über ihr Qualitätskonzept und gab neue Impulse für die Schulen. Zuvor mahnte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand in seiner Eröffnungsrede, beim Umbau der Kultusverwaltung auch die betroffenen Akteure mitzunehmen. 

Als guter Gastgeber eröffnete Gerhard Brand die VBE-Fachtagung mit lobenden Worten für die anwesende Ministern. Diese suche auf zahlreichen Veranstaltungen wie den vom Kultusministerium initiierten „Klassentreffen“ den offenen Dialog. Dass es trotzdem nicht immer gelinge, alle Akteure anzusprechen und abzuholen, liege zum Teil in der Materie selbst begründet. „Vielleicht ist unser Handlungsfeld, die Bildung, zu komplex. Es gibt eben keine einfachen Antworten auf komplexe Probleme“, so Brand.

Brand hinterfragte zugleich einige mit dem Qualitätskonzept einhergehende Umbrüche: „Die Landesakademien mussten ihre Eigenständigkeit abgeben – ist das sinnvoll und richtig? Zudem haben die Seminare Kompetenzen an das neugegründete ZSL verloren. Die Seminare, diese für unsere Referendarinnen und Referendare so wichtigen Ausbildungsstätten, müssen aber aus eigener Kraft handlungsfähig bleiben“. Der Umbau der Kultusverwaltung hänge nicht zuletzt von der Frage ab, ob es das ZSL, als das zentrale neue Institut, schaffen könne, Vertrauen aufzubauen. „Es bleibt viel Skepsis, doch die Hoffnung stirbt zuletzt“, konstatierte Brand.

Eisenmann: Schulen müssen gesellschaftlichen Wandel spiegeln

Die Kultusministerin bedankte sich zunächst für die Einladung des VBE, den sie als einen „kritischen und bissigen aber stets an der Sache orientierten Verband“ wahrnehme. Eine Mischung, die sie für genau richtig halte. In ihrer Rede wies Eisenmann darauf hin, dass sich Schulen an gesellschaftlichen Entwicklungen wie Digitalisierung und zunehmender Heterogenität anpassen müssten. „Umbrüche sind unvermeidlich, Stagnation darf es nicht geben. Schule muss Veränderungen der Gesellschaft aufgreifen, dies geht aber nicht von heut auf morgen“, so Eisenmann.

Vor allem die steigende soziale Heterogenität stelle Land und Schulen vor ungeahnte Herausforderungen. So sei Baden-Württemberg neben Hessen das Flächenland mit der höchsten Zuwanderung, was zu äußerst heterogenen Grundschulklassen führe. „In die erste Klasse kommen Kinder, die bereits lesen und schreiben können. Und es kommen Kinder, die nicht wissen, wie man einen Stift hält“, fasste Eisenmann die Situation zusammen. Das Kultusministerium reagiere hierauf mit dem „Pakt für frühkindliche Bildung“, um Vorschulkinder gezielt auf die Einschulung vorbereiten zu können. Außerdem arbeite ihr Haus an einer neuen Schuleingangsprüfung.

Werkrealschulen sollen in der Fläche erhalten bleiben

Die heterogene Schülerschaft müsse sich darüber hinaus in einem heterogen gegliederten Schulsystem widerspiegeln. Eisenmann will sich daher ausdrücklich für den Erhalt der noch bestehenden Werkrealschulen einsetzen und wenn in der Fläche nötig, zudem einzelne Schulen in Werkrealschulen umwandeln. Damit die Werkrealschule überleben könne, sei es außerdem wichtig, den Übergang von der Grundschule an die weiterführenden Schulen neu zu regeln.

„Die komplette Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung war ein Fehler“, sagte Eisenmann. Das Kultusministerium erstelle ein Konzept, um neben Elternwillen und Lehrereinschätzung ergänzende Leistungsstandserhebungen in die Schulwahl einfließen zu lassen. Zugleich wolle Eisenmann die Übergabe von Schülerinformationen von der Grundschule an die weiterführenden Schulen ermöglichen. „Wir sind das einzige Bundesland, welches es der Grundschulehrkraft verbietet, sich mit der Lehrkraft der weiterführenden Schule auszutauschen“, so Eisenmann.

Ein Schuss Optimismus und belebte Podiumsdiskussion runden Fachtag ab

Für Auflockerung der Tagungsordnung sorgte Prof. Jens Weidner, Vorstandsmitglied im „Wirtschafts-Club der Optimisten“. Der Berufsoptimist begeisterte das Publikum in seinem Vortrag mit äußerst unterhaltsamen Tipps, etwa den „lies-4-love“, für den optimistischen Umgang mit Familie und Kollegium. Die Deutschen sieht Weidner „weitaus optimistischer als ihr Ruf“, es gäbe hierzulande gar eine „ausgeprägte Massenbewegung des verdeckten Optimismus“.

Abgerundet wurde die VBE-Fachtagung durch die abschließende Podiumsdiskussion mit VBE-Chef Brand, Roger Kehle vom Gemeindetag und den beiden Leitern der neuen Institutionen IBBW und ZSL. Dr. Günter Klein, Direktor des IBBW, lobte das bestehende Bildungssystem in Baden-Württemberg: „Das Glas ist halb voll und nicht halb leer.“ Die Strukturen seien daher nicht komplett umzuwälzen, sondern auf wissenschaftlicher Basis weiterzuentwickeln. „Als IBBW können wir aufzeigen, wo wir stehen und wie die Entwicklungsstände sind“, so Klein. Der Präsident des ZSL, Dr. Riecke-Baulecke, forderte die Schulleitungen auf, sich stärker auf das eigentliche Kerngeschäft und die Unterrichtsqualität zu fokussieren. Hierfür stünden das ZSL und dessen Regionalstellen gerne mit unterstützenden Angeboten zur Verfügung.

Brand und Kehle fordern Schulleitungen durch Bürokratieabbau zu entlasten

Dem setzte Roger Kehle entgegen, dass sich Schulleitungen mit zu vielen Verwaltungsaufgaben auseinandersetzen müssten. „Es gibt zu viel Bürokratie. Es gibt zu viel Schrott, mit dem sich die Schulleitungen rumschlagen müssen“, klagte Kehle.

Landesvorsitzender Gerhard Brand wies darauf hin, dass die Fachlichkeit und Qualität der Schulen zu stärken sei. Hierfür sei auch eine empirische Datenbasis nötig. Allerdings monierte der VBE-Vorsitzende, dass die Politik momentan zu viel an den Schulen ablade: „Es gibt insgesamt zu viele Erhebungen, etwa die Erhebung zum Schwimmunterricht. Das Kultusministerium sollte sich darauf besinnen, wirklich nur die wichtigen Daten zu erfassen.“

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