Wenn Zusammenarbeit zur Herausforderung wird: Wie Kita-Teams in eine gute und professionelle Zusammenarbeit finden

Zusammenarbeit im Team

Von außen kaum zu übersehen: In vielen Kitas wird das Team gerade wieder einmal neu gemischt. Die Kündigungsfrist zum Quartalsende hat ihre Spuren hinterlassen – viele Fachkräfte haben sich entschieden, die Einrichtung zu verlassen. In den lokalen Zeitungen reiht sich eine Stellenanzeige an die nächste und das neue Kindergartenjahr steht vor der Tür. Was steckt dahinter?

Auf Nachfrage, warum eine mir bekannte Kollegin nach nur drei Monaten wieder gekündigt hat, hieß es aus der Einrichtung: „Sie ist mit zwei Kollegen/Innen nicht warm geworden.“ Die Kita – ein kleines Haus mit nur sechs Teammitgliedern – verliert damit erneut eine Fachkraft. Und es ist kein Einzelfall.

Wenn Teams nicht funktionieren

Die Zusammenarbeit im Kita-Team ist ein entscheidender Faktor für die Qualität der pädagogischen Arbeit – das ist allen bewusst. Und dennoch fällt auf: In vielen Einrichtungen gelingt diese Zusammenarbeit nicht gut. Konflikte schwelen lange unter der Oberfläche oder brechen offen aus, Kollegen/innen sprechen kaum miteinander, neue Mitarbeitende werden nicht richtig integriert oder spüren subtil, dass sie „nicht dazugehören“.

Was sind die Gründe? Warum scheitert Zusammenarbeit, obwohl alle das gleiche Ziel haben – das Wohl der Kinder?

Ursachen für dysfunktionale Teamarbeit
  • Fehlende Teamkultur: In vielen Einrichtungen gibt es keine gemeinsam erarbeitete, gelebte Teamkultur. Stattdessen herrscht ein „Jeder macht seins“ oder ein Klima, in dem Machtspiele und Allianzen den Ton angeben.
  • Keine Einarbeitungsstruktur: Neue Fachkräfte werden häufig ins kalte Wasser geworfen. Wer sich in den ersten Tagen nicht willkommen, gesehen und ernst genommen fühlt, zieht schnell Konsequenzen.
  • Unprofessionelle Kommunikation: Persönliche Befindlichkeiten werden nicht benannt, stattdessen wird hintenrum geredet oder geschwiegen. Konstruktives Feedback? Fehlanzeige.
  • Führung ohne Haltung: Wenn Leitungskräfte Konflikten aus dem Weg gehen oder zu wenig moderierend eingreifen, können destruktive Dynamiken ungestört wachsen.
  • Hoher Druck und Erschöpfung: In der angespannten Personalsituation fehlt oft die Kraft, sich mit den zwischenmenschlichen Themen auseinanderzusetzen. Jede konzentriert sich aufs eigene Überleben im Alltag – statt auf das Miteinander.
Wege zu einer professionellen Zusammenarbeit

Was hilft? Es braucht kein Wunder, aber bewusste, kontinuierliche Arbeit an der Teamqualität:

  • Teamzeit ist Arbeitszeit: Regelmäßige, verbindliche Teamsitzungen mit echter Beteiligung, guter Moderation und Raum für Beziehungsthemen – nicht nur für Organisatorisches.
  • Ein echtes Onboarding: Neue Kollegen/Innen brauchen mehr als einen Schlüsselbund und einen Namen auf dem Dienstplan. Wer willkommen geheißen, eingearbeitet und ins Team integriert wird, bleibt eher – auch bei ersten Irritationen.
  • Klarheit durch Regeln: Eine gemeinsam erarbeitete Teamvereinbarung, in der z. B. der Umgang mit Kritik, Diensttausch, Kommunikation oder Zuständigkeiten geregelt ist, schafft Verlässlichkeit und Transparenz.
  • Leitung mit Verantwortung: Kita-Leitungen haben einen entscheidenden Einfluss auf die Teamkultur. Es braucht Mut, Führung zu übernehmen – nicht im autoritären Stil, sondern mit Klarheit, Haltung und Zugewandtheit.
  • Supervision & Teamentwicklung: Externe Begleitung kann helfen, festgefahrene Muster zu durchbrechen, Konflikte aufzuarbeiten und neue Perspektiven zu gewinnen.
Ein gutes Team fällt nicht vom Himmel

Gute Teamarbeit ist kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis bewusster Gestaltung. Es lohnt sich – nicht nur für das Klima im Team, sondern vor allem für die Kinder. Denn sie spüren sofort, ob die Erwachsenen in ihrer Umgebung miteinander kooperieren oder sich aus dem Weg gehen.

Gerade in Zeiten von Personalnot und steigendem Erwartungsdruck ist es wichtiger denn je, an der Qualität der Zusammenarbeit zu arbeiten. Denn wer sich aufeinander verlassen kann, bleibt – auch wenn es mal schwierig wird.

Info-Kasten:

Teamvereinbarungen in der Kita – Klarheit schafft Entlastung

Was sind Teamvereinbarungen?
Teamvereinbarungen sind gemeinsam entwickelte und verbindlich festgehaltene Regeln für die Zusammenarbeit im Kita-Alltag. Sie schaffen Orientierung, Transparenz und beugen Konflikten vor.

Typische Inhalte können sein:

🔹 Kommunikation im Team
– Wie geben wir Feedback?
– Wie gehen wir mit Kritik um?
– Welche Gesprächsregeln gelten in der Teamsitzung?

🔹 Umgang mit Absprachen
– Wie verbindlich sind mündliche Vereinbarungen?
– Wer informiert bei Änderungen?

🔹 Dienstplangestaltung und Vertretung
– Wie werden Dienste getauscht?
– Was ist im Krankheitsfall zu tun?

🔹 Einarbeitung und Willkommenskultur
– Wer übernimmt die Patenschaft für neue Kollegen/innen?
– Wie gestalten wir die ersten Tage im Team?

🔹 Konfliktkultur
– Wann sprechen wir Konflikte an – und wie?
– Welche Schritte gehen wir bei ungelösten Spannungen?

🔹 Partizipation und Entscheidungen
– Welche Themen besprechen wir im Team, was entscheidet die Leitung?
– Wie läuft Entscheidungsfindung ab (Mehrheit, Konsens, Leitungsvotum)?

Tipp: Eine Teamvereinbarung ist kein starres Regelwerk – sie darf und soll regelmäßig reflektiert und angepasst werden. Ideal ist eine gemeinsame Erarbeitung im Team (z. B. mit externer Moderation), bei der alle Beteiligten ihre Erfahrungen einbringen. Eine gelebte Teamvereinbarung ist ein starkes Fundament für gute Zusammenarbeit – vor allem in Zeiten mit hohem Personalwechsel.

Susanne Sargk