VBE-Studie: Sieben von zehn Schulen in Baden-Württemberg haben Sanierungsbedarf

Schulbau

Die Ergebnisse einer VBE-Studie zeigen, wie groß die schulbaulichen Herausforderungen in Baden-Württemberg sind: Ein Großteil der Schulen hat Bedarf an Sanierungsmaßnahmen und räumlichen Änderungen, doch an den meisten Schulen fehlen dafür die notwendigen Mittel. Gemeinsam mit der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft und dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA fordert der VBE, einen Teil des Infrastruktur-Sondervermögens für die Sanierung, Modernisierung und den Bau von Schulen zu verwenden.

 

Notwendigkeit von Sanierungsmaßnahmen

Sieben von zehn Schulleitungen (69 %) berichten, dass an ihrer Schule derzeit Sanierungsmaßnahmen wie beispielsweise die Sanierung der Toiletten, die Instandsetzung von Fenstern und Türen oder ähnlichem notwendig sind.

Der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand: „Der Sanierungsbedarf ist enorm, ein großer Teil der Schulen benötigt zeitnah bauliche Maßnahmen. Infolge klammer Kassen und immer umfangreicherer Sparmaßnahmen der Kommunen befinden sich viele Schulgebäude in einem desolaten Zustand. Die Folgen für die Lern- und Betreuungsqualität sind mitunter dramatisch: Sie reichen von reduzierten Lernflächen über dauerhafte Interimslösungen wie Unterrichtscontainer bis hin zu Schulgebäuden, bei denen ein Ausfall der Haustechnik und Elektrik jederzeit möglich ist und der Brandschutz nicht mehr vollumfänglich gewährleistet werden kann.“

Großer Bedarf an räumlichen Änderungen

Fast alle Schulleitungen (96 %) erachten die räumliche Ausstattung der Schule als wichtig für die erfolgreiche Umsetzung einer neuen Lern- und Prüfungskultur. Drei Viertel der Befragten (74 %) geben außerdem an, dass es diesbezüglich an der eigenen Schule räumlichen Änderungsbedarf gibt, beispielsweise für Beratungen, Differenzierungen, Kleingruppenarbeiten oder Rückzugsmöglichkeiten.

Brand: „Beim Schulbau geht es eben nicht nur um Quantität und die Erhaltung der Bausubstanz, sondern auch um pädagogische Qualität. Der Raum als 3. Pädagoge wirkt aktiv auf Lernprozesse ein: Durch bewusste Raumgestaltung wird Lernen erleichtert, gefördert und begleitet. Dies ist heute notwendiger denn je, denn die Anforderungen an den Unterricht haben sich geändert. Die Heterogenität, der in Schule begegnet werden muss, steigt. Und mit ihr die Herausforderung, alle Kinder ihren Bedürfnissen entsprechend zu fördern. Das kann nur gelingen, wenn wir Schulgebäude haben, welche die individuelle Förderung besser unterstützen.“

Geringe Verfügbarkeit von Investitionsgeldern

Schulleitungen, die aktuell an ihrer eigenen Schule Sanierungsmaßnahmen oder räumliche Änderungen als notwendig erachten, wurden weiter gefragt, ob die dafür erforderlichen Investitionsgelder zur Verfügung stehen. Sieben von zehn Befragten (70 %) verneinen dies.

Brand: „Die Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen werden sehnlichst erwartet. Aktuell klafft zwischen dem pädagogischen Potenzial eines gut gemachten Schulbaus und der Realität eine gewaltige Lücke. Der enorme Investitionsstau im Schulbau bedroht vielerorts die Qualität von Lehre und Lernen. Unsere Bildungseinrichtungen benötigen nun eine systematische Investitionsoffensive, um die Lern- und Betreuungsqualität sicherzustellen. Dafür braucht es eine dauerhafte Budgetierung.“

Jede zweite Schule ist nicht barrierefrei

Weniger als die Hälfte der Schulleitungen (42 %) gibt an, dass ihre Schule für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen vollständig (15 %) oder nahezu (27 %) barrierefrei ist. Mehr als die Hälfte der Schulen in Baden-Württemberg (58 %) – und somit deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (47 %) – ist dagegen überhaupt nicht barrierefrei.

Brand: „Der Investitionsrückstand an den Schulen gefährdet auch die Umsetzung der Inklusion. Dabei ist zu bedenken, dass Inklusion weit über die Barrierefreiheit für Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen hinausgeht. Auch die speziellen Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern mit Autismus oder sensorischen Wahrnehmungsstörungen müssen berücksichtigt werden – beispielsweise durch schalldichte oder reizreduzierte Räume. Diese Bedingungen finden wir vor allem an den SBBZen vor.“

Einbindung externer Expertise bei Umbaumaßnahmen

Schulleitungen, an deren Schule derzeit Umbaumaßnahmen stattfinden oder in Planung sind, wurden gefragt, ob hierbei neben der Schul- und Bauverwaltung externe Expertise eingebunden ist. Zwei Drittel der Befragten (66 %) geben an, dass (Innen-) Architekten eingebunden sind. Dass Schulberatungsteams (18 %) oder pädagogische Beratung (12 %) eingebunden werden, berichten vergleichsweise weniger Schulleitungen. Jeder fünfte Befragte (20 %) gibt an, dass keine externe Expertise eingebunden wird.

Brand: „Das interdisziplinäre Zusammenwirken verschiedener Professionen bei der Planung und Konzeption von neuen, sanierten oder modernisierten Schulgebäuden ist besonders wichtig. Essenziell dabei ist, dass in breiten Partizipationsprozessen alle mit ihren jeweiligen Perspektiven das Beste aus dem Schulbau herausholen – um einen Wohlfühlort für Lehrende und Lernende zu schaffen.“

Weiterführende Infos und Forderungspapier

Die Vorstellung der VBE-Studie zum Schulbau erfolgte auf der heutigen Schulbaukonferenz in Stuttgart, eine gemeinsame Veranstaltung des VBE, der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft sowie dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA. Zusammen setzen sich die drei Kooperationspartner dafür ein, dass ein Großteil des Infrastruktur-Sondervermögens für die Sanierung, Modernisierung und den Bau von Schulen verwendet wird – und dass dabei die Qualität im Schulbau zur verbindlichen Richtschnur wird. Grundlage dafür bildet das im Frühjahr veröffentlichte gemeinsame Forderungspapier „Qualität im Schulbau“ (PDF), das klare Standards und Empfehlungen formuliert.

Zur Studie

Im Auftrag des VBE hat forsa eine repräsentative Befragung unter Schulleiterinnen und Schulleitern allgemeinbildender Schulen durchgeführt. Dabei wurden vom 15. September bis 17. Oktober 2025 bundesweit insgesamt 1.312 Schulleitungen befragt, darunter 258 in Baden-Württemberg. Die in dieser Pressemeldung genannten Angaben beziehen sich auf die Studienergebnisse für Baden-Württemberg.