Inklusion kostet Millionen

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) stellt erfreut fest, dass es mit der kürzlichen Vorlage der Bertelsmann-Studie von Prof. Dr. Klaus Klemm erstmals gelungen ist, nachzuweisen, dass Inklusion nicht zum Nulltarif zu haben ist.

Uschi Mittag, VBE-Referatsleiterin Sonderschulen

Nach Ansicht der VBE-Referatsleiterin Sonderschulen, Uschi Mittag, (Ehingen), sind die darin errechneten Zahlen zwar weit untertrieben, aber erstmals wird deutlich, dass die Politik davon Abstand nehmen können muss, Inklusion alleine auf dem Rücken der Lehrkräfte zu betreiben. Diese kommen durch eine inzwischen deutlich heterogene Schülerschaft immer näher an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung tut in allen Schularten ein weiteres dafür. „Inklusion – das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern – kann nur durch Einsatz von mehr Personal und durch Umschichtung von Finanzen im Landeshaushalt erfolgen. Mehr Bildungsgerechtigkeit -dazu gehört auch die Inklusion-, wie es sich grün-rot auf die Fahnen geschrieben hat, kann nur erreicht werden, wenn die Rahmenbedingungen personeller, sächlicher und räumlicher Art stimmig gemacht werden.“

Prof. Dr. Klemm hatte ausgerechnet, dass bundesweit 10 000 Lehrkräfte eingestellt werden müssten und dafür – nur fürs Personal – 660 Millionen Euro Kosten entstünden. Lehrer im Land  Nordrhein-Westfalen (NRW) hatten daraufhin reklamiert, dass alleine so viele Lehrkräfte in NRW gebraucht würden, dass die Berechnungen also deutlich zu niedrig seien. Der VBE Baden-Württemberg unterstützt diese These, denn so Mittag: „Inklusion kostet und kann niemals ein Sparmodell sein.“ Erschwerend kommen zwei weitere Belastungen dazu: Klassen mit bis zu 30 Schülern, wie sie in den weiterführenden Schulen gang und gäbe sind, sind der Inklusion kontraproduktiv. Der VBE geht in seinen Forderungen schon seit Jahren von 22-er Klassen aus. Wenn dann Kinder in diesen Klassen inklusiv beschult werden müssen, so sind diese Kinder doppelt zu zählen. Zudem machen inklusive Klassen eine Doppelbelegung von einer allgemeinbildenden Lehrkraft plus eines Sonderpädagogen notwendig, und das nicht nur bei zwei Stunden pro Woche, sondern bei drei Vierteln des Unterrichts. Wenn man aber wisse, so Uschi Mittag, dass in Baden-Württemberg viele der in Sonderschulen tätigen Lehrkräfte gar keine ausgebildeten Sonderschullehrkräfte sind, dann könne man nur erahnen, wie schwer sich das Land damit tun werde, den die Wunschvorstellung formulierenden Worten auch die entsprechenden Taten folgen zu lassen. Der VBE Baden-Württemberg plädiert für eine inklusive Schule dort, wo sie Kinder fördern kann und die Rahmenbedingungen stimmen. 

Kommentare (2)

  1. Ich behaupte, dass – gesellschaftlich gesehen – Inklusion keine Kosten verursacht wenn aus den Sozialkassen umgeschichtet wird, denn selbst eine theoretische tägliche Förderung plus adäquate Bildungsmittel für sinnesbeschränkte Kinder für die ersten 20 Lebensjahre kostet weniger, als das lebenslange Resultat, das wir heute sehen. Die Kosten, die in der Folge entstehen – durch „Rehabilitation“, Arbeitslosigkeit und Therapie – entstehen für den Rest des Lebens dieser Menschen! Die enorme geistige Leistungsfähigkeit von sinnesbeschränkten Menschen ist ein riesiges soziales und berufliches Potenzial, das heute oft brach liegt. Die vorsätzliche Inkaufnahme seelischer und geistiger, sowie körperlicher Beschränkung durch Vernachlässigung ist eine grobe Schuld an unseren Kindern.
    Wer, namentlich, in der Gesetzgebung, Politik und Verwaltung kann dafür eigentlich zur Verantwortung gezogen werden? Muss bei solch groben Gesetzes- und Menschenrechtsverstößen nicht der Staatsanwalt anklagen?

    Steffen Zimmermann
    Anderes Sehen e.V. Zur Förderung blinder Kinder, http://www.anderes-sehen.de

  2. Inklusion ist bei vielen Behinderten dann angebracht, wenn die Systeme für inklusives Beschulen und inklusives Leben -s-o- geschaffen werden, dass

    a) Behinderte den größtmöglichen Nutzen haben

    b) Nichtbehinderte durch die Inklusion nicht am Lernen
    und Leben behindert werden.

    Ich kann in keinster Weise erkennen, wo die Landesregierung genügend Geld in die Hand nimmt, um den Schulen echte Inklusion zu ermöglichen. Es ist kein Geld da? Na aber, aber: gerade hat die Landesregierung eine völlig unsinnige halbe Million (!) für die Anschaffung von Pagern bei Amokläufen ausgegeben. Es mag ja Menschen geben, die sich dadurch in falscher Sicherheit wiegen. Ich gehöre da nicht dazu!

    Kurz: Inklusion ja, aber dafür nicht nur ausreichende, sondern gute Rahmenbedingungen schaffen.

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