Geplante Änderungen in der Lehrerausbildung

Die grün-rote Landesregierung hat die geplanten Änderungen in der Lehrerausbildung vorgelegt. Danach soll es noch zwei verschiedene Lehrerausbildungen geben: Die Ausbildung für den Lehrer an der Grundschule und die Ausbildung für den Lehrer an allen weiterführenden Schularten. Die Ausbildung soll in einem Wechsel zwischen Universität und Pädagogischer Hochschule stattfinden. Sie soll gestuft in den Bachelor und in den Master sein und somit insgesamt zehn Semester umfassen. Das Studium soll sonderpädagogische Elemente enthalten und es soll möglich sein, einen Schwerpunkt Sonderpädagogik zu bilden.

Der VBE meint dazu:
In einem gegebenen Theorierahmen ist das nachvollziehbar. Die zehnsemestrige Ausbildung für alle Lehrer ist eine Forderung, die der VBE schon lange erhebt. Der Master muss konsequenterweise der angestrebte Abschluss für alle Lehrer sein. Trotz der ausdrücklichen Befürwortung dieser Eckpunkte hat der VBE für die Praxis größte Bedenken und warnt vor einem erneuten Schnellschuss. Die Bedenken werden im Folgenden dargestellt:

Zu den weiterführenden Schularten:
Nach der Vorlage der Landesregierung soll ein Lehrer in Zukunft die Klassen 5 bis 13 unterrichten können. Das ist nichts Neues, es wird von den Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien bereits geleistet. Neu ist, dass dieser Unterricht nicht nur auf Schüler mit gymnasialem Niveau begrenzt ist, sondern dass ein Lehrer das komplette Spektrum vom Förderschüler bis zum Gymnasiasten über eine schulische Laufbahn von neun Jahren abzudecken hat. Das erfordert ein Arbeiten auf höchstem didaktischem und methodischem Niveau. Die Fachwissenschaften müssen auf universitärem Stand sein, die Fähigkeit zu differenzieren gar überirdisch ausgeprägt. Die Integrationsleistung, die eine Lehrkraft zu vollbringen hätte, die mit allen soziokulturellen Gruppierungen konfrontiert wird, die allen kulturellen Unterschieden gerecht werden soll und alle sozialen Eigenheiten bei Schülern und Eltern in ein gedeihliches Miteinander führen muss, kann nur zu einer Überforderung der Kolleginnen und Kollegen führen. Was in der Theorie für jemanden, der nicht jeden Tag im Klassenzimmer steht, denkbar ist, ist in der Praxis nicht zu leisten! Nicht, wenn beabsichtigt ist, das hohe schulische Niveau in Baden-Württemberg zu halten und nicht, wenn nicht beabsichtigt ist, die unterrichtlichen Bedingungen vor Ort deutlich zu verbessern.

Der VBE fordert daher zunächst eine differenzierte und klare Darlegung der beabsichtigten Ausbildungsstruktur und anschließend die maßgebliche Einbindung in die weiteren Planungsarbeiten!

Zu den Grundschulen:
Der VBE sieht die Gefahr, dass die Kolleginnen und Kollegen in den Grundschulen durch diese neue Konstruktion der Lehrerausbildung, sowohl in der Ausbildungsdauer und in Folge auch in der Besoldung, abgehängt werden könnten. Sollte dies beabsichtigt sein, so wird das mit dem VBE nicht zu machen sein!

Unsere Forderung ist klar: Die Kolleginnen und Kollegen an den Grundschulen erhalten den gleichen Ausbildungsumfang und die gleiche Eingruppierung!

Zu den Sonderschulen:
Der VBE fragt sich: Soll durch die Möglichkeit der Schwerpunktbildung in dem Bereich der Sonderpädagogik, der Studiengang Sonderpädagogik zukünftig entfallen? Zumindest taucht er nirgendwo in der Vorlage der Landesregierung auf! Ist es geplant in Zukunft keine ausgebildeten Sonderschullehrerinnen und -lehrer mehr zu haben? Auch dies wird mit dem VBE nicht zu machen sein!

Auch hier bleibt unsere Forderung eindeutig: Der Studiengang Sonderpädagogik muss erhalten bleiben! Wir brauchen in der Zukunft bestens ausgebildete Sonderpädagogen und dies ist nur mit einem eigenen Studiengang zu erreichen.

Abschließend:
Die Vorlage zur Neuordnung der Lehrerausbildung muss zuallererst eine Antwort auf die vorgebrachten Bedenken geben. Eine Antwort, die geeignet ist, den Bedenken entgegenzuwirken. Eine Antwort die Klarheit und Sicherheit für die zukünftigen Lehrergenerationen bringt. Letztlich eine Antwort, die das hohe Bildungsniveau in Baden-Württemberg berücksichtigt und uns Lehrerinnen und Lehrer in der Praxis nicht vor unlösbare Aufgaben stellt.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand

VBE Landesvorsitzender

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