VBE zur Forderung, Schulnoten vollständig abzuschaffen: Auch Textbausteine können weh tun – Leistung ist nichts Verwerfliches

Stuttgart. Eine Bewertung von Schülerleistungen könne trotz allen Ringens des Lehrers um Objektivität nie der ganzen Schülerpersönlichkeit gerecht werden – ganz gleich, ob dies wie üblich durch eine reine Ziffernnote oder als ausführliche verbale Beurtei­lung geschehe, sagt der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Leistungsdruck könne auf Schüler mit und ohne Noten aus­geübt werden – sowohl von Elternseite und von Lehrern als auch vom Schüler sel­ber. Wobei Leistung an sich überhaupt nichts Verwerfliches sei, so der Sprecher.

Eine Zeugnisnote setzt sich meist aus verschiedenen Teilbereichen zusammen, die be­son­ders im Fach Deutsch auf vielen Einzelzensuren basiert. Vor über vierzig Jahren gab es im Zeugnis in Deutsch noch fünf (!) einzeln ausgewiesene Noten für Lesen, Aufsatz, Sprachkunde, Rechtschreiben und Schrift; in Mathematik zwei für Rechnen und Raum­lehre.

„Die Bewertung schulischer Leistungen ist nie eine rein arithmetische, sondern immer auch eine pädagogische“, versichert der VBE-Sprecher. Lehrer machten es sich bei der Notenfindung nicht einfach. Sie berücksichtigten auch individuelle Lernfortschritte der Schüler. Es sei in der Tat wirklichkeitsfremd, in der Schule alle Leistungen über einen Kamm scheren zu wollen, ganz gleich, ob bei den Zensuren, bei Schulberichten oder bei der Anwendung von Kompetenzrastern. Auch die „Gauß`sche Normalverteilungskurve“ sei schon lange nicht mehr das Maß aller Dinge und keine Richtschnur für die Leistungsbewertung.

Trotzdem sind im Sinne einer bestimmten Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der Bildungsangebote und Leistungsanforderungen Ziffernnoten in einem gewissen Rah­men aussagekräftig und notwendig. Und auch bei verbalen Beurteilungen gibt es längst standardisierte Vorformulierungen. Selbst positiv formulierte Textbausteine weisen auf Defizite des Schülers hin oder – beschönigend ausgedrückt – auf Lernentwicklungsfel­der, und das kann zuweilen auch in der Seele weh tun, gehört aber zum Leben dazu.

Der VBE-Sprecher unterstreicht, dass Zeugnisnoten niemals ein vertrauensvolles Ge­spräch zwischen Lehrern und Eltern und gegebenenfalls auch mit dem Kind oder Ju­gendlichen über den Leistungsstand der Schülerpersönlichkeit ersetzen können.

VBE zu den anstehenden Halbjahreszeugnissen:

Schule ist mehr als Deutsch, Mathematik und Fremdsprache Musisch-technische Fächer und Sport nicht nur als schmückendes Beiwerk sehen

Stuttgart. Anlässlich der Halbjahreszeugnisse/-informationen, die an den Schulen in den ers­ten Februartagen ausgegeben werden, warnt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg vor einer zu einseitigen Bevorzugung der auf den Kopf ausgerichteten schulischen Arbeit. Eltern und Lehrer sollten bei der Ge­wichtung und Würdigung von Schülerleistungen weg von der zu starken Fokussie­rung auf die Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache(n). Musisch-künstlerische Unterrichtsfächer, Technik und Schulsport seien kein schmückendes Beiwerk, sondern für eine positive Entwicklung der Schülerpersönlichkeiten eben­so wichtig, warnt der VBE-Sprecher vor einer Abwertung dieser sogenannten „Neben“-fächer.

Unterrichtsfächer, die zumindest gefühlsmäßig für das schulische und berufliche „Wei­terkommen“ nicht ausschlaggebend seien, würden immer mehr an den Rand gedrängt und verlören weiter an Bedeutung. So seien die musisch-ästhetische Erziehung, Technik und der Schulsport heute oft vernachlässigte Fächer, bemängelt der VBE-Sprecher. Deshalb warnt der Lehrerverband vor einer zu starken „Verkopfung“ schulischen Arbeitens. Da auch Eltern mehr denn je auf die „Verwertbarkeit“ der Unterrichtsfächer achten, fallen bei krankheitsbedingtem Lehrermangel in der Regel eher Musik, Sport und Bildende Kunst aus, bevor eine Deutsch- oder Mathematikstunde gestrichen wird. Die Schüler sind jedoch auf eine ganzheitliche Bildung und Erziehung angewiesen, in der auch Ästhetik, Bewegung und Emotionen eine tragende Rolle spielen sollten. Wenn um die Bedeutung der einzelnen Unterrichtsfächer gestritten wird, geht es meist ledig­lich darum, ob eine sprachliche oder naturwissenschaftliche Ausrichtung die wichtigere sei. Der künstlerisch-musisch-sportliche Bereich werde von vielen mehr als schmücken­des, aber nicht unbedingt notwendiges Beiwerk betrachtet, bedauert der VBE-Sprecher diese Entwicklung. Pestalozzis 200 Jahre alter pädagogischer Ansatz ganzheitlichen Lernens „mit Kopf, Herz und Hand“ sollte in der Welt von heute mehr denn je zur Maxime unterrichtlichen Tuns werden – und das nicht nur an den Grundschulen.

VBE: Ein Schülertest ohne Unterstützung ist wie eine ärztliche Diagnose ohne helfende Therapie – Testeritis allein hilft nicht

Stuttgart. Jüngst das niederschmetternde Ergebnis der IQB-Studie, jetzt die Hiobsbotschaft bei TIMSS. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg weiß um die Bedeutung solch groß angelegter Studien, sieht aber auch die Gefahr einer gewissen Abstumpfung. Richtig ärgerlich sei jedoch, so der VBE-Sprecher, wenn nach jedem schlechten Testergebnis rundum Empörung herrsche, jede Gruppierung die Schuld möglichst bei anderen suche, große Reden geschwungen würden, was alles besser werden solle, und sich dann doch nichts ändere.

„Ein Schülertest ohne nachfolgende Unterstützung ist wie eine ärztliche Diagnose ohne helfende Therapie“, kritisiert der VBE-Sprecher. Den VBE verärgert zunehmend, wie mit den Ergebnissen der Vergleichsstudien umgegangen wird. Stets wird festgestellt, wie wichtig Maßnahmen zur individuellen Förderung sind. Stets wird die entsprechende Qualifizierung für Lehrkräfte gefordert. Und dennoch weiß jeder, dass die Heterogenität der Lerngruppen eben noch immer nicht ausreichend Eingang in die Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung gefunden hat. „Den Lehrkräften nach jedem Vergleichstest einen Regenschirm in Aussicht zu stellen, sie dann aber doch im Regen stehen zu lassen, ist unprofessionell und zeigt Kurzsichtigkeit“, moniert der VBE-Sprecher.

Der VBE fordert neben einem breiten Fortbildungsangebot einen verbindlichen An­spruch der Lehrkräfte auf Qualifizierung. Die Lehrkräfte brauchen ein festes Fortbil­dungskontingent innerhalb ihrer Dienstzeit, auf das sie im Schuljahr einen Anspruch haben. Selbst wenn derzeit gute Fortbildungsangebote vorhanden sind, nutzen es viele Pädagogen mit Rücksicht auf die personelle Unterversorgung der Schulen und die damit verbundene Mehrbelastung der übrigen Lehrkräfte nicht.

Die Lehrkräfte stehen tagtäglich vor immer heterogener werdenden Lerngruppen und sollen alle individuell fördern – Kinder mit und ohne Migrationshintergrund, Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf, Mädchen und Jungen. Bei den zurzeit in der Regel bestehenden Lerngruppengrößen ist das aber nicht möglich. Der VBE fordert daher auch eine konsequente Absenkung der Lerngruppengröße und eine angemessene Schüler-Lehrer-Relation.

VBE: Elternhaus und Schule sind gemeinsam für Bildungserfolg verantwortlich

Zumeldung zur Pressemitteilung des Landeselternbeirates (LEB) vom 26.11.16

Stuttgart. Dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg liegt es fern, Eltern pauschal ein Erziehungsversagen zu unterstellen. Ebenso weisen nicht alle Erziehungsberechtigten dieses große Engagement auf, wie etwa die Eltern, die sich im Landeselternbeirat (LEB) oder vor Ort für eine bessere Schule einsetzen. Den­noch kann es auch der LEB nicht ignorieren, dass es eine hohe Korrelation zwi­schen Bildungserfolg und häuslichem Umfeld gibt. Nicht ohne Grund wird zurzeit intensiv daran gearbeitet, dass Bildungschancen nicht mehr von der sozialen Her­kunft abhängen dürfen.

Disziplinprobleme haben an den Schulen zugenommen; so mancher Schüler beherrscht nicht einmal mehr die einfachsten Grundregeln eines verträglichen Miteinanders. Nega­tive Verhaltensauffälligkeiten gehören mittlerweile auch an Grundschulen zum Alltag. Der VBE beobachtet mit großer Sorge, dass so manche Eltern mit der Erziehung ihres Kindes schlichtweg überfordert sind. Dann gibt es Eltern, die ihr Kind permanent kon­trollieren und wenig Selbständigkeit zulassen, wie auch Erziehungsberechtigte, die we­nig oder überhaupt kein Interesse am schulischen Weiterkommen des Kindes zeigen.

Immer wieder kommen Schüler ohne Frühstück oder Pausenvesper zur Schule, sind übermüdet und unkonzentriert. Immer mehr Kinder leiden unter körperlichen Beein­trächtigungen. Exzessiver Medienkonsum führt zu Bewegungsmangel und Konzentra­tionsstörungen. Schüler, die sich zu wenig bewegen, werden schneller nervös, reizbar und aggressiv, stören sich und andere im Unterricht. Jedes vierte bis fünfte Kind leidet bei der Einschulung unter Sprachstörungen. Je schwächer die Sprache bei einem Kind entwickelt ist, desto schwerer fällt es ihm, seine Bedürfnisse zu artikulieren und Kon­flikte mit Worten auszutragen.

Natürlich liegt es im gemeinsamen Interesse von Eltern und Lehrern, dass Schulen mit ausreichend Ressourcen ausgestattet werden. Natürlich wünschen sich Eltern und Leh­rer die höchst mögliche Qualität von Unterricht. Aber es sei verkehrt, so der VBE-Spre­cher, bei Missständen reflexartig nur nach mehr Finanzmitteln zu rufen, wenn man auch durch konsequente Begleitung und wertschätzende Erziehung der Kinder und Jugendli­chen sowie eine Stärkung der Partnerschaft Elternhaus-Schule Verbesserungen erzielen könnte. Das eine schließe das andere nicht aus. Erziehung ist nach dem Grundgesetz noch immer Recht der Eltern und die ihnen zuvörderst obliegende Pflicht – selbst bei einem Ganztagesschulbetrieb. Diese Tatsache kann auch nicht wegdiskutiert werden.

VBE: Sprachverrohung ist nicht geil

Wichser und Schlampen gehören zunehmend zum Alltagsvokabular von Schülern

 

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg prangert die zu­nehmende Verrohung der Sprache an, die vor allem in den Talent- und Talkshows der Privatsender, in einschlägigen Filmen, bisweilen in der Werbung und beson­ders in den sozialen Netzwerken Alltag und somit scheinbar normaler Umgangston ist. Wenn rund jedes fünfte Kind bei seiner Einschulung unter Spracharmut leide, entwickle sich der Wortschatz dieser Schüler durch schlechte Vorbilder obendrein auch noch in die falsche Richtung, bemängelt der VBE-Sprecher.

Der Umgangston in nachmittäglichen Gerichtssendungen im Privatfernsehen, in Talent- und Talkshows sowie in den sozialen Netzwerken ist häufig nicht vom Feinsten und will glauben machen, dass dieser Ton in unserer Gesellschaft „normal“ sei. Mit flotten Sprüchen wie „Geiz ist geil“, „Lasst euch nicht verarschen“ und „Ohne Scheiß“ sugge­riert die Werbung jungen Menschen, dass solche Parolen geläufige Ausdrucksweisen seien. Lehrer beobachten mit Sorge, dass durch eine primitivere Umgangssprache die Hemmschwelle für verbale Attacken sinkt. Die häufigere Form von Gewalt bei Kindern und Jugendlichen ist meist zuerst einmal eine verbale und nicht gleich die körperliche.

Mit Blick auf die Zunahme der Gossensprache mit Ausdrücken wie „Wichser“, „Spast“ und „Schlampe“, die heutigen Schülern wie selbstverständlich über die Lippen gehen, hält der VBE es für wichtig, dass im Elternhaus und in der Schule frühzeitig und verstärkt Wert auf einen „guten Umgangston“ gelegt wird. Dabei geht es nicht darum, den Kindern und Jugendlichen ihren eigenen Jargon auszureden, mit dem sie sich be­wusst oder unbewusst von den Erwachsenen abgrenzen wollen. Es müsse jedoch nicht jedes Alltagsmissgeschick mit „Scheiße“ kommentiert werden, kritisiert der VBE-Spre­cher den inflationären Gebrauch von Kraftausdrücken sogar in der Schule und fordert mehr Nachdenklichkeit sowie einen wieder bewussteren Einsatz von Sprache.

Eine gute Ausdrucksfähigkeit und ein höflicherer Umgangston sind erstrebenswerte fächerübergreifende Lernziele und Kompetenzen, die nicht nur für die Berufsfindung notwendig sind. Kinder und Jugendliche müssen weg vom groben Gassenjargon und zu einer „gepflegteren“ Umgangssprache kommen. Dabei können und sollen Eltern wie Pädagogen durch ihre tägliche Vorbildfunktion behutsam Hilfestellung geben, denn die entsprechenden Fernsehprogramme werden weder Eltern noch Lehrer ändern können, solange nicht sinkende Einschaltquoten die Verantwortlichen zum Umdenken zwingen.

VBE bestätigt der Kultusministerin: Leistung ist nichts Verwerfliches, ganz gleich an welcher Schulart

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg bestärkt die Kultusministerin, wenn sie an den Schulen des Landes auf Leistung setzen will. „Leistungen einzufordern ist weder unpädagogisch noch unmenschlich. Im Gegen­teil: eine Leistung in der Schule zu erbringen, sollte motivierend und persönlich­keitsstärkend sein“, unterstreicht der VBE-Sprecher. Ein Unterricht, der – egal bei welcher Schulstruktur – Leistungsanforderungen vernachlässige, benachteilige lustlose und schwächere Schüler und schade auch den leistungsorientierteren.

Eine Schule ohne Leistungsanforderung wird weder ihrem Bildungs- und Erziehungs­auftrag noch dem meist vorhandenen Leistungswillen der Kinder gerecht. Eltern und Lehrer müssen daher die in der Regel natürliche positive Grundeinstellung der Kinder zur eigenen Leistung erhalten und fördern. Dabei sollen Leistungsanforderungen nicht nur auf den kognitiven Bereich beschränkt bleiben, sondern auch das Einfühlungsver­mögen, das soziale Engagement und die Freude an Musik, Sport und Kunst stärken.

Nach Auffassung des VBE muss eine Schule, deren Bildungsziel „Mündigkeit der Schüler“ lautet, Kinder und Jugendliche zu aktiven und selbständigen Bürgern erziehen; Bürger, die auch in der Dynamik eines gesellschaftlichen Umbruchs bestehen können. Lernen in einer demokratischen Leistungsgesellschaft hat deshalb immer emanzipatori­schen Wert. Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass Schüler mit geringerer Leis­tungsfähigkeit aufgebaut, verlässlich gefördert und zu einem angemessenen Bildungsni­veau geführt werden, ganz gleich an welcher Schulart sie sind. Dafür benötigen alle Schulen ausreichende Differenzierungsstunden sowie zusätzlich Unterstützung durch Eltern, Sozialpädagogen und bei Bedarf durch Schulpsychologen und Therapeuten.

Eine weitere wesentliche Aufgabe der Schule ist es, den Schülern Kompetenz zum Lernen zu vermitteln. Denn nur wer in der Lage ist, Lernprozesse selbsttätig zu orga­nisieren und effektiv durchzuführen, kann die eigene Leistungsfähigkeit auf Dauer er­halten und erweitern.

VBE mahnt anlässlich des Weltlehrertags Entlastung an: „Lehrer wol­len pädagogisch gemeinsam aufbrechen, aber nicht zusammenbrechen“

Stuttgart. Am 5. Oktober ist Weltlehrertag. Die globale Dachorganisation der Bildungsge­werkschaften, die Bildungsinternationale, stellte ihn dieses Jahr unter das Motto: „Lehrkräfte wertschätzen, ihren Status verbessern“. „Ein wertschätzender Um­gang setzt eine Empfänglichkeit für die Bedürfnisse des Gegenübers voraus“, sagt Gerhard Brand, Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Die Politik sei aber oft zu weit vom Alltag in der Schule entfernt, so dass Entscheidungen häufig ohne Realitätsbezug getroffen werden. Das sei unverant­wortlich und entbehre jeder Wertschätzung für Lehrkräfte, so Brand.

Inklusion, das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf, die steigen­de Heterogenität der Lerngruppen und die Integration von Flüchtlingen sind Herausfor­derungen an die Schule, die es nach dem Willen der Politik gleichzeitig und ohne große zusätzliche Ressourcen zu bewältigen gilt. „Lehrkräfte sind keine Artisten“ so der VBE-Chef. „Schaffen sie es dennoch, drei Bälle gleichzeitig zu jonglieren, wird ihnen ein vierter zugeworfen.“ Die Politik sehe es als selbstverständlich an, dass Lehrkräfte ohne zusätzliche Unterstützung in zu kleinen oder unzweckmäßigen Schulräumen mit viel zu großen Lerngruppen alles zu bewältigen haben. „Das ist nicht nur eine Gefahr für die Lehrergesundheit, sondern schadet auch dem Image des Lehrerberufs“, warnt Brand. Gerade in Zeiten akuten Lehrermangels sollte die Attraktivität des Lehrerberufs aber gesteigert werden. Momentan fehlten in Deutschland mindestens 30.000 Lehrkräfte.

Was früher Aufgabe der Familie und des sozialen Umfelds war, wird heute bedenken­los der Lehrerschaft aufgebürdet. Zusätzlich sollen sich Schulen weiterentwickeln in Richtung Ganztagesschule, Gemeinschaftsschule, inklusive Schule, neuer Bildungsplan. Nun benötigen auch noch traumatisierte Flüchtlingskinder besondere Unterstützung. „Lehrer müssen und können Schulen voranbringen. Sie wollen pädagogisch gemeinsam aufbrechen, aber gesundheitlich nicht zusammenbrechen“, warnt der VBE-Chef.

Dennoch singt jede Landesregierung, gleich welcher politischen Färbung, nicht nur am Weltlehrertag das hohe Lied des Bildungsaufbruchs sowie des Schulerfolgs unab­hängig von der sozialen Herkunft der Kinder und vergisst dabei völlig die Fürsorge­pflicht und den Gesundheitsschutz für die Pädagogen. „Lehrer brauchen mehr denn je Entlastung und nicht noch mehr Belastung“, warnt der VBE-Landesvorsitzende.

VBE: Wieder mehr Wert auf einen guten Umgangston legen

Nicht jeder zweite Satz muss mit „Scheiße“ oder „Ey, Alder“ enden

 

Stuttgart. Mit Blick auf die erschreckende Zunahme von Wortverstümmelungen im Alltag, auf die sich explosionsartig ausbreitende Fäkal-, Kiez- und Gossensprache und aggressive Verbalattacken schon bei kleinen Missstimmigkeiten regt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg an, im Elternhaus und in der Schule verstärkt wieder Wert auf einen guten Umgangston zu legen und den Umgang mit der Sprache bewusst zu pflegen.

Es gehe nicht darum, Kindern und Jugendlichen ihren eigenen Jargon auszureden, mit dem sie sich bewusst oder unbewusst von den Erwachsenen abgrenzen wollen. Es müs­se jedoch nicht jeder zweite deutsche Kurzsatz mit „Scheiße“ oder „Ey, Alder“ enden oder beginnen, stellt der VBE-Pressesprecher leicht resigniert fest.

Wenn ein schnoddriger, beleidigender Umgangston Standard in der Gesellschaft werde, gebe es bald keine situationsbezogene Sprachdifferenzierung mehr, befürchtet der VBE. Dann spricht der Schüler den Arzt genauso an wie seinen Klassenkameraden. Dann redet man mit dem besten Schulfreund so, wie der Schurke den Helden im Spielfilm beschimpft oder so, wie in den täglichen Talk- oder Gerichtsshows des Privatfernsehens Menschen mit Worten fertig gemacht werden. Zusätzlich droht die Gefahr, dass sich der Wortschatz des Schülers reduziert auf ein SMS-taugliches, an WhatsApp-Nachrichten angepasstes Minimalrepertoire von Begrifflichkeiten und Ab­kürzungen. Schließlich geht die bunte Vielfalt der Sprache mit all ihren Facetten immer mehr verloren, die Sprache verarmt und verliert an Lebendigkeit. Mittlerweile wird der Jugendjargon in Filmen bereits satirisch verwendet und mutiert so wiederum beinahe schon zu einer „Kunstform“.

Aber auch Höflichkeit unter Schülern und gutes Benehmen können „voll cool“ sein, behauptet der VBE-Sprecher. Man müsse möglichst schnell wieder weg von dem dis­tanzlosen, meist entwürdigenden „Gassenjargon“ – hin zu einer „gepflegten Umgangs­sprache“. Dabei können und müssen Eltern, Erzieherinnen und Lehrer möglichst früh in erheblichem Maße behutsam Hilfestellung geben und vor allem Vorbild sein, sagt der VBE-Sprecher und fordert zu einem achtsameren Umgang mit der Sprache auf. Im Zeit­alter der Massenmedien sei das keine leichte Aufgabe, aber eine Herausforderung, für die es sich lohne, sich mit Ausdauer und Hartnäckigkeit einzusetzen.

September 2016

VBE zum Schulanfang: Eltern sind für den Schulerfolg mitverantwortlich – Nicht alles auf die Lehrer abschieben

 

Stuttgart. Am Montag fängt nach über sechs Wochen Ferien die Schule wieder an – für man­che zum ersten Mal. „Es ist nicht damit getan, die Kinder in der Obhut der Schule zu wissen und darauf zu vertrauen, dass die Lehrer alles schon irgendwie richten werden“, sagt der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Gerhard Brand. Eltern und Lehrer sollten Partner sein und sich gemeinsam zum Wohl des Kindes um dessen Bildung und Erziehung bemü­hen. Auch beim Besuch von Ganztagesschulen bleiben die Eltern nicht außen vor.

Alle Schüler sind auf dauerhaftes Interesse an ihrer Person und ihrer Arbeit angewiesen. Die entscheidenden Grundlagen für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn werden aber nicht erst im Kindergarten oder in der Grundschule gelegt, sondern unmittelbar nach der Geburt des Kindes, daheim in der Familie. Eine positive Einstellung der Eltern zum Le­ben, zum Lernen und zu den Bildungseinrichtungen sowie eine verlässliche, behutsame Begleitung verstärken die Motivation der Kinder und deren Bereitschaft, etwas zu ler­nen.

Das tägliche Interesse der Eltern an den Lernfortschritten ihrer Kinder sowie die Wür­digung ordentlich gemachter Schul- und Hausaufgaben – auch beim Besuch von Ganzta­gesschulen – geben nicht nur Erstklässlern das Gefühl für die Wichtigkeit und Wertig­keit ihrer Arbeit. Der VBE-Vorsitzende rät Eltern, sich intensiv für das Tun ihrer Söhne und Töchter zu interessieren, sich regelmäßig Zeit für sie zu nehmen, die Kinder aber trotzdem nicht in Watte zu packen. Der Verbandschef wörtlich: „Hören Sie Ihren Kin­dern zu, sprechen Sie mit ihnen; fragen Sie nach. Nehmen Sie teil am Leben Ihres Kin­des und suchen Sie bei Problemen zusammen nach Auswegen. Versuchen Sie, wann immer es geht, Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen. Spielen Sie mit ihren Kindern und lesen Sie ihnen häufig vor. Vorlesen schafft nicht nur körperliche Nähe, sondern moti­viert Kinder, selbst ein Buch in die Hand zu nehmen und darin zu schmökern. Aber hü­ten Sie sich davor, ihre Kinder ständig überzubehüten.“

Der VBE appelliert an die Eltern, die Schüler nicht generell mit dem Auto bis vor die Klassenzimmertür zu fahren, sondern Kindern Eigenverantwortung zu übertragen.

Schüler entwickeln sich vor allem dann positiv, wenn sie Zuwendung, Aufmerksam­keit und Anerkennung erfahren, Ermutigung statt Entmutigung, Geduld statt Ungeduld. „Das sollten Elternhaus und Schule gerade in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs in be­sonderem Maße beherzigen“, rät der VBE-Chef anlässlich des morgigen Schulbeginns.

September 2016

VBE: In der letzten Ferienwoche an die Schule denken – Erstklässler sollten den Schulweg üben, Eltern nach Sonderangeboten bei Unterrichtsmaterialien schauen

Stuttgart. Es sind zwar noch Sommerferien, trotzdem rät der Verband Bildung und Erzie­hung (VBE) schon jetzt an die Schule zu denken. Erstklässler sollten in Begleitung den Weg zur Schule zu Fuß (!) üben, damit Mama später nicht mit dem Auto bis vor die Klassenzimmertür fahren muss. Eltern und Schüler sollten in Supermärk­ten und Schreibwarenläden nach Sonderangeboten Ausschau halten, denn Schule kostet trotz Lernmittelfreiheit in Baden-Württemberg immer noch viel Geld.

Der VBE empfiehlt Eltern, für das neue Schuljahr nur die Arbeitsmaterialien anzuschaf­fen, die auch wirklich benötigt werden, aber bei allen Produkten mehr auf Klasse statt auf Masse im Schulranzen zu achten. „Fünf oder sechs höherwertige Farbstifte sind bes­ser als die supergünstige XXXL-Packung mit mehreren Dutzend Buntstiften, bei denen die minderwertigen Minen ständig abbrechen und so beim Schüler Ärger und Frust statt Freude an der Arbeit hervorrufen“, sagt der VBE-Sprecher. Und nicht alles, was der Handel als ideal für die Schule anpreise, sei auch optimal dafür geeignet. Im Zweifels­fall sollten Eltern das Gespräch mit den Lehrern des Kindes suchen und sich beraten lassen. Beim Kauf des Ranzens haben Erstklässler sehr genaue Vorstellungen. Sie wol­len meist genau das Design, das auch bei den Freunden angesagt ist. Bereits bei Schul­anfängern gibt es Gruppenzwang und Prestigedenken. Auf Schulranzen mit Motiven vom Vorjahr gewährt der Handel häufig erhebliche Preisnachlässe. Eltern von „trend­bewussten“ Erstklässlern müssen viel Überredungskunst aufwenden, um dem Kind ein wesentlich günstigeres „Auslaufmodell“ für den Schulbeginn schmackhaft zu machen.

Eltern, deren Kindergartenkind nach den Ferien ein Grundschüler wird, rät der VBE, noch vor dem offiziellen Schulanfang den sichersten Schulweg herauszusuchen, diesen an mehreren Tagen in aller Ruhe gemeinsam abzulaufen und so den Weg regelrecht ein­zuüben. Die meisten Städte und Gemeinden geben als Hilfe für Eltern Schulwegpläne heraus, die wichtige Informationen zu Verkehrssituationen vor Ort enthalten. Die Erst­klässler sollten bereits frühzeitig erfahren, dass das „Mami-Taxi“ zwar durchaus be­quem sei, aber weder die Selbständigkeit des Kindes noch die Kommunikation der Schüler untereinander fördere. Mit Mitschülern gemeinsam den Weg zur Schule zu laufen, stärke die Klassengemeinschaft und sei für die körperliche Entwicklung der Kinder gesünder als die ständige Fahrbereitschaft der Eltern. Schulen beklagen immer mehr, dass zu Unterrichtsbeginn das Schulgelände von Elternautos zugeparkt werde und so wegen der schlechten Sichtverhältnisse Kinder zusätzlich gefährdet seien.