VBE: Manche Schüler sind regelrecht süchtig nach Horrorfilmen –

Sommerferien bieten Gelegenheit, exzessiv die Medien zu nutzen

Stuttgart. Bedingt durch die Vielzahl der verfügbaren modernen Medien sei Gewalt heute für Kinder und Jugendliche permanent präsent, beklagt der Sprecher des Ver­bandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Jetzt, in den Som­merferien, hätten Schüler noch mehr Zeit, ihrer Sucht exzessiv zu frönen.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Der Gewöhnungseffekt bei Gewaltdarstellungen führt rasch zu einer gewissen Ab­stumpfung und drückt die innere Hemmschwelle, selber verbale oder körperliche Ge­walt anzuwenden, langsam, aber unaufhörlich nach unten. Die negativen Auswirkun­gen sind in den Klassenzimmern und auf den Schulhöfen zu beobachten. Das reichhaltige Angebot an medialem Mord und Totschlag schon für Kinder ist be­ängstigend. Gangsterfilme und Krimiserien, die früher ausschließlich im Abendpro­gramm gelaufen sind, werden sogar von öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten als Wiederholung am Nachmittag gesendet, zu einer Zeit, zu der die meisten Kinder und Jugendlichen vor dem Bildschirm sitzen. „Genügte in den Filmen der Altmeister noch die Andeutung einer Gewalttat, um Spannung zu erzeugen, wird heute in Nahaufnah­me und Zeitlupe gezeigt, wie das Messer ins Fleisch des Opfers dringt“, moniert der VBE-Sprecher.

Das Grauen und die Gewalt auf dem Bildschirm können bei dafür empfänglichen Kindern und Jugendlichen regelrecht zur Sucht werden, mit all den Folgen, die auch bei anderen Süchten zu beobachten sind. Manche Schüler konsumieren den Horrorkit­zel gleich mittels mehrerer Medien (TV, DVD, PC) wie Drogensüchtige, die sich mit Rauschgiften oder ersatzweise mit Alkohol und Medikamenten „zumachen“.

Geborgenheit und Anerkennung sowie klar gezogene und konsequent eingeforderte Grenzen bilden den besten „Impfstoff“ gegen Gewalt. Positive Identifikationsmög­lichkeiten in der Schule, in Kirchen, in Vereinen oder in anderen Gruppierungen er­zeugen ein Wir-Gefühl und erhöhen bei Schülern die Bereitschaft, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. „Werte, für die die Jugend offen ist, wie Solidarität und soziales Engagement, werden zwar auch in den Schulen vermittelt und gepflegt, man darf jedoch die Eltern nicht aus ihrer Erstverantwortung entlassen“, sagt der VBE-Sprecher. Jeder Bildschirm habe einen Ausschaltknopf – auch in den Sommer­ferien.

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