„Wer Loyalität fordert, sollte seine Fürsorgepflicht nicht vergessen“
Stuttgart. Den Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg haben in den letzten Tagen viele E-Mails, Briefe und Anrufe höchst unzufriedener Beamter erreicht, die sich über die von der neuen Landesregierung geplanten einseitigen finanziellen Sonderopfer für die Staatsdiener empört haben.
Anlässlich der heutigen Landtagsdebatte warnt der VBE davor, den Bogen bei den Beamten zu überspannen, nur weil man glaubt, grenzenlos auf deren Loyalität bauen zu können. „Wer Loyalität erwartet, sollte auch seiner Fürsorgepflicht nachkommen und die Beschäftigten nicht durch als ziemlich ungerecht empfundene Sparmaßnahmen demotivieren“, sagt VBE-Chef Gerhard Brand.Der VBE hatte jüngst in einer landesweiten Protestaktion mit Plakaten und Anschreiben die Lehrerschaft aufgefordert, die für die geplanten Sonderopfer für Beamten verantwortlichen grün-roten Landtagsabgeordneten mit „Weihnachtspost“ zu bedenken. In diesen Briefen sollte der Frust der Beschäftigten deutlich zum Ausdruck kommen, dass wieder einmal einseitig die Beamten zur Kasse gebeten werden, um zur Sanierung des Staatshaushaltes beizutragen. Die unter der Beamtenschaft kursierende „Giftliste“ mit den finanziellen Sonderopfern rief zum Teil heftige Reaktionen hervor. Viele Beamte drückten ihre tiefe Enttäuschung über die neue Landesregierung aus, die – so heißt es – gerade von Lehrern gewählt worden war. Ein Kollege schrieb: „…Ich bin gewohnt, Solidarität zu zeigen für notwendige, nachvollziehbare Maßnahmen. Die jetzt geplanten Vorhaben vornehmlich zu Lasten der Beamten fallen jedoch nicht darunter und sind eher als eine stark egoistische Maßnahme für die Interessenpolitik der neuen Regierung zu werten…“
Es sei schon irgendwie perfide, ausgerechnet wieder die Landesbediensteten mit 130 Millionen zur Kasse zu bitten, weil die sich als loyale Beamte nicht richtig „wehren“ dürfen und Personalausgaben nun einmal ein dicker „Unkostenposten“ im Finanzhaushalt sind, sagt VBE-Chef Brand. Da habe es sich die Regierung doch etwas zu leicht gemacht, wenn sie die Schuldenbremse fokussiert zu Lasten der Beamten reinhaut. Leider redeten sich Politiker allzu gerne selber ein, dass in der Öffentlichkeit – und damit beim Wähler – finanzielle Sonderopfer für Beamte in der Regel gut ankommen. „Aber wenn nicht einmal der Dienstherr in verlässlicher Fürsorge zu seinen Beamten steht, wer sollte es dann tun?“, fragt Brand.
7.12.11
VBE sieht Handlungsbedarf bei der Lehrerausbildung
Stuttgart. „Mobbing“ ist kein Unterrichtsfach, und trotzdem steht es bei vielen Schülern täglich auf dem Stundenplan – bei Tätern und Opfern. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg ermuntert Eltern und Lehrer, genauer hinzusehen und gemeinsam gegen krank machende Ausgrenzungen und das Niedermachen einzelner durch Gruppen vorzugehen.
Es sind nicht immer die schlagzeilenträchtigen Attacken, die nicht gut für die Schulen sind. Es sind auch die täglichen kleinen, aber auf Dauer tief verletzenden Sticheleien, die schadenfroh hinausposaunten Schwächen von Mitschülern und das bewusste Ausgrenzen von Kindern und Jugendlichen, die in der Regel wahllos ausgesucht und gemeinsam „fertig“ gemacht werden. Bei diesen zunächst meist lediglich verbalen Attacken machen selbst Schüler mit, die sonst völlig unauffällig erscheinen, die aber zeigen wollen, dass sie mit zur Gruppe gehören. Werden sie zur Rede gestellt, war alles nur „Spaß“ – jedoch nicht für deren Opfer.Schwierig wird es, wenn Mobbingopfer sich weder Eltern noch Lehrern offenbaren, Zeugen beharrlich schweigen. Lehrer spüren, wenn etwas in einer Klasse nicht stimmt, können bei einer „gefühlten“ Bedrohung die Situation zwar ansprechen, jedoch keine wirkungsvollen Maßnahmen ergreifen und auch keine Strafen verhängen. „Eltern interpretieren das dann gerne als bewusstes Weggucken“, moniert der VBE-Vorsitzende Gerhard Brand. Auch in der Schule gilt der Rechtsgrundsatz, dass der Täter erst „überführt“ werden muss, bevor dessen Verhalten nach einer Anhörung, zu der neben dem Schüler auch dessen Eltern geladen sind, sanktioniert wird. Der § 90 des Schulgesetzes („Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen“) gibt den formalen Rahmen vor, innerhalb dessen sich die Schule bewegen kann.
Besser als Strafe sei Vorbeugung, damit es erst gar nicht zum Mobbing komme, sagt Brand. Schule sei immer ein Spiegel der Gesellschaft. Und wenn in Firmen, in Vereinen, in Fernsehsendungen und manchmal sogar innerhalb der Familie gemobbt werde, müsse man sich nicht darüber wundern, wenn die Schule auch keine „Insel der Seligen“ mehr sei. Um den in manchen Klassen für einzelne wirklich schlimmen Zuständen entgegenzuwirken, seien an den Schulen mehr Psychologen und Sozialarbeiter erforderlich sowie besser aus- und fortgebildete Lehrer, fordert der VBE-Chef. Angst dürfe keine Schule machen; denn die sei stets ein schlechter Lehrmeister und habe in Klassenzimmern nichts verloren.
4. Dezember 2011
In den „Hessischen Rahmenrichtlinien“ von 1972 fanden diese Gedanken Niederschlag und provozierten damals – auch im deutschen Blätterwald – heftige Diskussionen. Man machte man sich verstärkt Gedanken darüber, ob richtiges Schreiben durch das häufige Diktieren von Texten, wie es in der Grundschule üblich war („das wöchentliche Diktat“), wirklich „erlernt“ werden könne.
Die Rechtschreibreform zur Jahrhundertwende (1998) ließ die Diskussion über den Wert richtigen Schreibens wieder aufflammen. Auch da ging es in emotional geführten Debatten darum, ob mit einer veränderten Rechtschreibung der Untergang des Abendlandes drohe. „Lehrer halten sich an die Vorgaben der Bildungspläne“, weist VBE-Chef Gerhard Brand, die Kritik des Rechtschreibrates an die Adresse der Lehrerschaft zurück. Wenn der Rat etwas verändern wolle, müsse er bei den Lehrplänen ansetzen. Außerdem sei in der Gesellschaft noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, damit richtiges Schreiben nicht nur in der Schule wieder als wertvoll angesehen werde. Zurzeit sei die Rechtschreibung – insbesondere bei Kurznachrichten (SMS), in Chaträumen und Online-Foren – nicht einmal zweitrangig, sondern völlige Nebensache. Erst bei Bewerbungsschreiben greife man dann sicherheitshalber zum Duden.
Stuttgart. Mit dem Auftakt des Vorweihnachtsgeschäftes ist der Handel zufrieden. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg gönnt den Kaufleuten die umsatzträchtigste Zeit des Jahres, möchte den Eltern aber ans Herz legen, ihren Kinder nicht nur Geschenke zu kaufen, sondern ihnen auch mehr Zeit zu schenken. Kinder lieben zwar Geschenke, benötigen aber vor allem die Liebe der Eltern, die sich nicht ersatzweise im Materiellen ausdrücken sollte.
Es sei nicht verkehrt, so der VBE-Vorsitzende, Gerhard Brand, sich jetzt in der Adventszeit mit stimmungsvollen Weihnachtsmärkten und festlich geschmückten Kaufhäusern und Läden ein paar Gedanken über die eigentliche Bedeutung des Christfestes zu machen. Der VBE rät, Geschenke für Kinder eher zurückhaltend und mit Bedacht einzukaufen. Die Advents- und Vorweihnachtszeit hat immer mehr die ursprüngliche Bedeutung verloren und ist im Handel und Gewerbe zu einer fest einkalkulierten wirtschaftlichen Größe geworden. Die Einstellung „lieber viele Geschenke kaufen, anstatt sich etwas mehr Zeit für einander zu nehmen“, hat sich nach Auffassung des VBE als besonders negativ für Kinder herausgestellt, die in erster Linie auf eine stabile emotionale Zuwendung und weniger auf Berge von Geschenken angewiesen sind, obwohl der Wunschzettel nach Auffassung der Kinder wahrscheinlich nie zu groß sein kann.
„Weil sich Kinder und Jugendliche immer mehr in virtuelle Lebensräume und Communities flüchten, wäre es heute wichtiger denn je, dass Eltern Zeit in ihre Söhne und Töchter investieren und ihnen das ganze Jahr hindurch signalisieren, wie wertvoll und wichtig sie ihnen sind“, unterstreicht der VBE-Chef nach dem ersten Einkaufssamstag der in diesem Jahr fünfwöchigen Adventszeit. Spielekonsolen, iPads oder iPods und ein multimediafähiger Computer zu Weihnachten bedeuteten zwar die Erfüllung so manchen Kindertraumes, seien jedoch nie Ersatz für die Präsenz der Eltern und deren verlässliche Zuwendung, wirbt der VBE-Vorsitzende dafür, trotz aller Hektik und Alltagsstress gerade in der Vorweihnachtszeit mehr Zeit für das eigene Kind zu haben. „Kinder und Jugendliche brauchen einen vertrauten Ansprechpartner, mit dem sie über alles reden können“, so Brand. Gemeinsames Plätzchenbacken, ein Spielenachmittag, das Vorlesen einer Gutenachtgeschichte und wirklich geduldiges Zuhören sind Geschenke, die nichts kosten und gerade für Kinder besonders wertvoll sind.
27. November 2011
VBE warnt vor falsch verstandener Testeritis-Gläubigkeit
Stuttgart. Während einerseits in den neu einzurichtenden Gemeinschaftsschulen Noten eine untergeordnete Rolle spielen sollen, werden Schüler andererseits mit immer mehr standardisierten Tests, Diagnose- und Vergleichsarbeiten, mit Kompetenzanalysen und zentralen Klassenarbeiten „beglückt“. Im Schlagschatten internationaler Vergleichsstudien werden Kinder und Jugendliche allzu gern – mit durchaus hehren Absichten – in Raster gepresst, welche computergestützte statistische Auswertungen und Rankings erleichtern. Aber nicht alles lässt sich mit Hilfe von Datenbanken erfassen, nicht alle Schüleraktivitäten lassen sich vergleichen.
Wenn Schulen dem Leitbild folgen “Wir machen Kinder stark“, lässt sich das nur schwer evaluieren, unterstreicht der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Zu tiefgehend und zu vielschichtig sind die Anforderungen, die an valide Ergebnisse gestellt werden. Immer deutlicher kristallisiert sich heraus, dass Schulen sich nicht mit den Methoden der Wirtschaftsunternehmen messen und steuern lassen, und dass Vergleichsstudien wie Pisa pädagogische und soziale Erfolge nur fragmentarisch und lediglich mehr oder minder am Rande erfassen. Messbarkeitshörigkeit verlangt aber nach harten Fakten. So ist es nur natürlich, dass vor allem Lesekompetenz, Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften in den Fokus der Untersuchungen rücken und „abgefragt“ werden und weniger die sozialen Kompetenzen, musisch-ästhetische Aspekte, Arbeitszufriedenheit und die psychische Stabilität der Schüler.
Material- und Zeitaufwand stehen häufig in keinem vernünftigen Verhältnis zu der Unterstützung, die auf das Ergebnis folgen müsste. So soll jetzt auch an den achten Realschulklassen die Kompetenzanalyse AC (Assessment Center) eingeführt werden. Aber weder Stütz- und Förderstunden noch kleinere Klassen noch Pädagogische Assistenten hält die Landesregierung für die Realschulen in petto, um die Situation dieser erfolgreichen und stabilen, aber von den Schülerzahlen ziemlich „gebeutelten“ Schulart zu optimieren. „Nicht die Diagnose verbessert die Qualität der schulischen Arbeit; man benötigt vor allem die passende `Medizin´ und eine adäquate `Therapie´, um den Lernerfolg der Schüler noch mehr voranzubringen“, sagt VBE-Chef Gerhard Brand. Tests und Vergleiche könnten in bestimmten Bereichen durchaus Defizite aufzeigen, aber nicht beseitigen. Alles lasse sich in der Schule sowie nicht in Diagramme und Tabellen pressen. Deshalb warne der VBE vor einer Testeritis-Gläubigkeit.
20. November 2011
Soll die Musik in der Schule jetzt noch kleiner gehalten werden? Dies fragt sich die Referatsleiterin „Grundschule“ im Verband Bildung und Erziehung (VBE) Südbaden, Ingrid Furrer (Schwanau) angesichts der neuen Initiative der Landesregierung, das erst vor eineinhalb Jahren von der Vorgängerregierung eingeführte Programm „Singen-Bewegen-Sprechen“ zu verwässern?
Das Kultusministerium plant, Inhalt und Instrumente des Landesprogramms „Singen-Bewegen-Sprechen“ (SBS) für die Sprachförderung in den Kindergärten zu übernehmen. Die Sprachförderung soll zum Kindergartenjahr 2012/13 ausgebaut werden. Das Problem: Obwohl das Programm auf mehrere Jahre eingerichtet war, hatte die Vorgängerregierung kein finanzielles Polster über das Jahr 2012 hinaus angelegt. Das zeigt jetzt Folgen, weil die neue Regierung andere Prioritäten setzt. Schwärmerisch höre man Kultus – Staatssekretär Dr. Mentrup von einer Ausweitung des Programms sprechen und den Schwerpunkt dabei auf mehr Sprecherziehung zu legen, so Ingrid Furrer.
Dabei sei der Hintergrund ein ganz anderer: Mangels einer genügenden Anzahl von ausgebildeten Musiklehrkräften und dem Verschwinden des Faches in Fächerverbünden der Grund- Haupt- und Werkrealschule, hat sowohl die musikalische, wie auch die künstlerische und werkende Ausbildung zwangsläufig an Qualität nachgelassen. Dazu kam in der Elementarstufe ein Dahindarben der Musik mangels ausgebildeten Personals. Furrer: „In höchster Not wollte man schnell Musiklehrer ‚backen‘ und holte die Musikschulen als Arbeitgeber und die Kommunen und Eltern als Zahlende mit ins Boot, denn das Programm sollte zum Schluss von den Kindergärten bis in die Grundschule laufen. Nun aber wird es unterbrochen und umgewidmet und dient als erneuter Notnagel einem ganz anderen Zweck.“
Im Koalitionsvertrag komme der Ausbildung und Sprecherziehung im Kindergarten eine bedeutende Rolle zu. Genau in diese Richtung zielt nun die beabsichtigte abgeänderte Form des Programms, das in seinen Einzelheiten allerdings noch nicht festgezurrt ist, weiß die Referatsleiterin.
Der VBE Südbaden sieht die Gefahr, so Ingrid Furrer, dass die Musik, die damit weiter an Bedeutung verliert, nicht ersetzt wird und die Sprecherziehung mit diesem kleinen „Schub“ gar nicht erst die richtige Bedeutung erlangt. Landesweit stelle damit die Landesregierung einen echten Beitrag zur Persönlichkeitsbildung junger Menschen zur Disposition.
16.11.2011
Wenn das Land Baden-Württemberg die Gemeinschaftsschule nach und nach in der Fläche installieren will, sollten nach Ansicht der Junglehrervertreterin des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) im Landesbezirk Süd-Württemberg, Kerstin Türk (Bad Saulgau), bereits die Anfangsvoraussetzungen so geschaffen werden, dass ein attraktives Novum entsteht, das sich nicht dem Diktat des Rotstifts bereits von Beginn an unterwerfen muss.
Für alle anderen Schularten sei es jedoch ebenso wichtig, so Türk, dass sie an diese bessere Ausstattung anknüpfen können. Schülerinnen und Schüler haben überall im Land ein Recht auf eine optimale Ausbildung und gerade diese Regierung sei angetreten um mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen. Das könne und müsse eben auch bedeuten, so Kerstin Türk, dass der 100 Prozent – Bereich der Direktzuweisungen für alle Schularten endlich wieder erweitert werden muss. Stütz- und Förderkurse, die in früheren Zeiten verpflichtend den Schulen zugewiesen wurden, waren in den letzten Jahren Mangelware. Kürzungsmaßnahmen dieser Art wurden dazu benutzt, um die Lehrerarbeitszeit zu verdichten um Erfolge bei den Neueinstellungen verbuchen zu können. Letzteres erkennt der VBE für die frühere CDU-/FDP-Regierung lobend an.
Bei Grün-Rot haben sich die Vorzeichen im Zuge zurückgehender Schülerzahlen geändert. Obwohl der VBE weiterhin für die Schaffung neuer Stellen eintritt -für eine bessere Schule gibt es noch so viel zu tun-, bedeutet es heute schon ein Fortschritt, wenn Lehrerstellen im System „Bildung“ erhalten werden können. Allerdings treffe man bereits jetzt das alte -keineswegs vorbildliche- Modell an: Während die millionenschwere Wunschliste der Ministerin Zeitungsseiten (nicht nur -spalten) füllte, sind auch die Pädagogischen Assistenten ein Opfer dieser Entwicklung. Mit den Neueinstellungen ab 1.9.2012 hat sich die Landesregierung ein System ausgedacht, eben diese Neueinstellungen so zu erschweren, dass es dann in diesem Bereich kaum noch neue Pädagogische Assistenten geben wird. Überall -besonders in ländlichen Gebieten- fehlen Krankheitsvertretungen. Auch hier wird der VBE als Lehrervertretung Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer an ihren Aussagen messen. Wie in jedem ordentlich planenden Betrieb der freien Wirtschaft braucht auch der Staat eine Krankheitsreserve von 5 Prozent. Die derzeitige Krankheitsreserve ist bereits zu Schuljahresbeginn aufgebraucht. Nach den Forderungen des VBE müssen die zur Verfügung stehenden Krankheitsvertretungen von derzeit 1250 schrittweise auf 5000 Stellen erhöht werden.
14.11.2011
Information:
Der VdS Bildungsmedien und die Zentralstelle für Fotokopieren an Schulen haben im Dezember 2010 mit den 16 Bundesländern, vertreten durch Dr. Bernd Althusmann, den Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, einen Gesamtvertrag geschlossen. Dieser Vertrag regelt das Kopieren aus Lehrwerken für den unterrichtlichen Gebrauch. Nach diesem Vertrag ist es zulässig bis zu zwölf Prozent, maximal aber 20 Seiten eines urheberrechtlich geschützten Lehrwerkes zu kopieren. Wenn es sich nicht um Schulbücher handelt können ausnahmsweise auch ganze Werke kopiert werden, wenn diese von geringem Umfang sind (maximal 25 Seiten). Diese Regelung gilt pro Klasse und Schuljahr. Die Quelle muss angegeben werden. Eine Ausnahme stellen Noten und Bücher für den Schulchor dar. Hier ist eine Kopiererlaubnis beim Rechteinhaber zu erfragen.
Klartext: Das, was die Kolleginnen und Kollegen jeden Tag im Kopierzimmer machen ist von diesem Vertrag legitimiert und wird auch nicht kontrolliert. Aber diese Erlaubnis gilt nur für die beschriebenen analogen Kopien! Eine digitale Kopie eines Lehrwerks, die in ein Schulnetzwerk eingescannt wird und von dort verteilt werden kann, ist nur mit Zustimmung des Rechteinhabers erlaubt.
Bei der Plagiatssoftware, um die es jetzt geht, handelt es sich um eine Software, die diese digitalen Kopien auf Schulrechnern auffindet. Diese Überprüfung wird von den Schulträgern durchgeführt, die ermittelten Daten verbleiben ausschließlich beim Schulträger!
Position des VBE:
Der VBE fordert: Der Passus über die Plagiatssoftware (Überprüfung auf Digitalisaten durch die Plagiatssoftware) ist aus dem Gesamtvertrag zu streichen!
In der alltäglichen Schulpraxis wird am Kopierer kopiert. Eine digitale Speicherung erfolgt in keinem nennenswerten Umfang. So gesehen wäre der Einsatz der Plagiatssoftware in der Praxis nicht relevant. Verhängnisvoll ist die Botschaft, die hinter dieser Maßnahme steckt: Lehrerinnen und Lehrer werden unter Generalverdacht gestellt. Die Schulleitungen sind in der Verantwortung, was die Einhaltung der Regeln des Gesamtvertrages betrifft und der Schulträger wird mit der Überwachung betraut. Es stellt sich die Frage warum Lehrerinnen und Lehrer kopieren? Nicht weil es ihnen Spaß macht, sondern weil die Schulträger nicht in genügendem Umfang Mittel bereitstellen, damit die benötigten Lehrwerke angeschafft werden können. Und eben diese Schulträger sind nun für die Überwachung der Lehrerinnen und Lehrer zuständig!
Anmerkungen:
Der VBE ist zuversichtlich, dass seiner Forderung entsprochen wird. Zumal die Plagiatssoftware in datenschutzrechtlicher Hinsicht äußerst bedenklich ist.
Näheres zur Kopiervorschrift unter: www.schulbuchkopie.de
Hasta la vista asistente
Arnold Schwarzenegger war im Umgang mit seinem „baby“, dem T 1000 Terminator, so wenig zimperlich, wie die Landesregierung im Umgang mit ihren Pädagogischen Assistenten: Am Ende war beides weg: Der Terminator und die Pädagogischen Assistenten. Dabei ist es ein Segen für die Landesregierung, dass wir Rektorinnen und Rektoren schlechte Nachrichten gewöhnt sind. Wo wir früher nach der Sauerstoffmaske gerufen hätten, schreckt uns heute, abgehärtet durch die tägliche Arbeit in politisch rauer See, auch vollkommen Unverständliches nicht mehr. Nebenbei bemerkt: Die Sauerstoffmaske wäre nicht für uns gewesen!
Was war passiert? Alles hörte sich doch so gut an, so freundlich, wie es der Himmel über Los Angeles war, als der T 1000 den kleinen John aufgespürt hatte.
Nun zunächst wurde die Bezahlung der Pädagogischen Assistenten nach E 8 geregelt. Das war ein lobenswerter Schritt, der die ausnahmslos gut beurteilte Arbeit der Pädagogischen Assistenten würdigte. Dann kam die Entfristung der bislang befristeten Verträge. Ein weiterer lobenswerter Schritt, der sowohl den Pädagogischen Assistenten, als auch den Schulen Planungssicherheit für die Zukunft gab. Die Pädagogischen Assistenten hatten nun ihre Stelle sicher und mussten sich nicht im Oktober arbeitslos melden – außer vielleicht diejenigen, bei denen der Schulleiter das Kreuzchen bei „nicht geeignet“ gemacht hatte und die aufgrund dieser Beurteilung arbeitslos werden. Nach so vielen sinnvollen Maßnahmen, über die wir alle froh waren, kommt es jetzt knüppeldick! Die Schulen, die bereits einen Pädagogischen Assistenten haben, dürfen diesen behalten. Alle anderen Schulen, die auch gerne einen Pädagogischen Assistenten hätten, dürfen auch einen beantragen – aber sie bezahlen dafür mit einem Lehrer. Sie haben die Wahl, beides gibt es nicht: Pädagogischer Assistent oder Lehrer. Wenn wir jetzt so gut an den Schulen versorgt wären, dass es sich um eine echte Wahlmöglichkeit handelte, dann wäre es zwar immer noch kein schöner Zug, aber man könnte darüber nachdenken. So aber muss man nicht darüber nachdenken. Keine Schule in Baden-Württemberg ist so gut versorgt, dass der Verzicht auf einen Lehrer zugunsten eines Pädagogischen Assistenten nicht sofort den Pflichtunterricht gefährden würde – und darauf kann und wird sich kein Schulleiter einlassen. Es wird also zukünftig mit keinen neuen Einstellungen von Pädagogischen Assistenten zu rechnen sein. Wer noch keinen hat, wird auch keinen bekommen! Und die, die einen haben, werden auch nicht ruhig schlafen. Sobald die noch an der Schule befindlichen Pädagogischen Assistenten ein anderes, besseres Angebot erhalten, sind sie weg. Schauen Sie sich Ihren Pädagogischen Assistenten an! Woher kommt der denn? Und dann können Sie darüber philosophieren, wie lange Sie ihn noch haben. Hoffentlich wider Erwarten lange, denn wenn er weg ist, bekommen Sie keinen neuen! Es sei denn, Sie geben einen Lehrer dafür! Ein bisschen erinnert mich das an alte Kriegsfilme: Im Morgengrauen auf einer einsamen Brücke. Links am Ufer bewaffnete Soldaten auch rechts am Ufer dasselbe Bild. Die Uniformen unterscheiden sich. Durch den morgendlichen Dunst sind zwei Gestalten zu erkennen, die sich auf der Brücke langsam aufeinander zu bewegen. In der Mitte gehen sie ausdruckslos aber gezeichnet aneinander vorbei, keiner schaut den anderen an. Sie verschwinden am anderen Ufer wieder im Nebel. Nach zehn Minuten ist der gespenstische Austausch vorbei. Der Fluss fließt ruhig vor sich hin.
Wie schon gesagt, so ein Austausch wird in der Schulpraxis kaum vorkommen. Erlaubt muss aber die Frage sein, wo kommt der Lehrer, von dem sich die Schule trennen würde, denn hin? Wird er auf der anderen Seite der Brücke eliminiert? Weil ein Pädagogische Assistent jetzt seinen Platz an der Schule eingenommen hat? Welchen Platz überhaupt? Ein Pädagogischer Assistent kann nicht selbständig unterrichten. Ein Pädagogischer Assistent kann nicht den Platz eines Lehrers einnehmen, wird aber mit ihm verrechnet. Eins zu eins auch noch. Das eins zu eins entzieht sich unserem Verständnis. Ein Lehrer ist in A 12 besoldet, ein Pädagogischer Assistent in E 8. Dazwischen liegen Welten.
Ein Pädagogischer Assistent verdient als Berufsanfänger in der ersten Stufe 2.132 Euro brutto. Der eins zu eins verrechnete Grund- und Hauptschullehrer ist in A 12 eingruppiert, das sind für einen Berufsanfänger 3.109 Euro brutto. Der Pädagogische Assistent kostet also zunächst 977 Euro weniger. Die Argumentation des Landes, warum trotz dieser Gehaltsdifferenz ein Pädagogischer Assistent eins zu eins mit einem fast 1.000 Euro teureren Lehrer verglichen wird, ist nachvollziehbar: Es ist der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung. Dieser ist bei einem Tarifbeschäftigten so hoch, dass der auf den ersten Blick deutlich teurere Lehrer das Land nicht mehr kosten würde als der Pädagogische Assistent in E 8, weil das Land für einen verbeamteten Lehrer keinen Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung abführen muss.
Gott, was sind wir froh, dass die in der Regierung so gut aufpassen und die Gehälter auch spitz – der Stuttgarter würde sagen: very sharp – nachrechnen. Da haben wir Baden-Württemberger das Gefühl, das Land ist in guten Händen. Ich habe mal unseren Wirtschaftskundelehrer gefragt. Der sagte die Lohnnebenkosten, wie sie auch genannt werden, liegen bei knapp 22 Prozent des Bruttolohnes. Bei 2.132 Euro sind das 469 Euro. So ganz ist mir der Vergleich jetzt doch nicht mehr klar. Der Pädagogische Assistent kostet das Land mit allem Drum und Dran 2.601 Euro, der verbeamtete Lehrer 3.109 Euro zuzüglich Beihilfe im Krankheitsfall. Während meiner Schulzeit habe ich gelernt 2.601 ist nicht gleich 3.109 Euro, und wehe, ich hätte damals etwas anderes behauptet: „Brand, setzen, sechs!“.
Der VBE fordert, ohne Wenn und Aber, von dieser unsinnigen Regelung, einen Pädagogischen Assistenten mit einem Lehrer zu verrechnen und Konkurrenzsituationen aufzubauen, Abstand zu nehmen!
Lassen Sie uns am Ende den Scheinwerfer noch einmal auf Arnold Schwarzenegger richten. Das Lexikon des internationalen Films schreibt über den Terminator 2: „ … inszenierte Gewalt- und Überlebensgeschichte, die ihre brutalen Aktionen mit dem überraschenden Postulat einer menschenwürdigen Welt durchsetzt!“ Hoffen wir auf ein ähnliches Postulat der Landesregierung.
Es grüßt Sie herzlichst
Ihr Gerhard Brand
VBE Landesvorsitzender