VBE: Die neuen Gemeinschaftsschulen benötigen neue Schulbauförderrichtlinien

Stuttgart. „Man kann mit den Schulbauförderrichtlinien aus der Nachkriegszeit keine neuen Gemeinschaftsschulen aufbauen“, sagt der Vorsitzende des Verban­des Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Gerhard Brand.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Wer wie die neue Landesregierung Gemeinschaftsschulen wolle, müsse nicht nur Bildungspläne, Lehrerausbildung und -besoldung reformieren, sondern sollte auch aus schlichten Klassenzimmern Lernwerkstätten ma­chen. Das gehe nur mit neuen Schulbauförderrichtlinien.

Es sei nicht nur notwendig, so VBE-Chef Brand, die neuesten bautechnischen Anforderungen an Brandschutz und Unfallverhütung bei den Schulgebäuden zu berücksichtigen und umzusetzen, sondern auch die Größe und Ausgestaltung der Klassenzimmer, wie sie der Unterricht in einer Gemeinschaftsschule erfordere. Wer sagt, er wolle Bildung für das 21. Jahrhundert anbieten, dürfe sich nicht mit Klassenzimmern begnügen, die noch zu Kaisers Zeiten als ausreichend galten.

Das Arbeiten nicht in einem Klassenverband, sondern in Lern- und Projekt­gruppen, selbstorganisiertes Lernen mit Wochenplänen, Werkstattarbeit und Ganztagsangebote erfordern mehr Platz in den Schulen, mehr Räume zum Aus­weichen und Möglichkeiten, individuelle Lerntheken einrichten zu können.

Bei höchstens 66 Quadratmeter Klassenzimmerfläche für bis zu 30 Schüler (in Gemeinschaftsschulen ist 28 als Schülerhöchstzahl angedacht) könne die räumli­che Freiheit der Lernenden nicht allzu groß ausfallen, beklagt der VBE-Vorsit­zende. Man dürfe selbstverständlich keine Vergleiche zur Zwingerhaltung zie­hen, trotzdem machten sich Verantwortliche oft mehr Gedanken über den Platz, den Tiere zur Verfügung haben, als über die räumlichen Bedingungen, unter de­nen Schüler lernen sollen.

Natürlich weiß auch der VBE, dass größere und mehr Räume entsprechendes Geld kosten. Man kann aber in der Bildungspolitik nicht nur an einzelnen Stell­schrauben drehen, wenn man einen durchschlagenden Erfolg erzielen will.

Wer eine Bildungsreform anstrebt, muss diese aus einem Guss durchziehen und alle Ressorts mit einbeziehen. „Auch wenn es finanziell weh tut, muss die Devise heißen: klotzen und nicht kleckern“, so der VBE-Chef. Zu groß sei die Skepsis auf Seiten derjenigen, die sonst die bisherige hohe Qualität der etablier­ten weiterführenden Schulen dahinschwinden sehen.

9. Oktober 2011

Grün-Rot ebenso phantasielos wie Schwarz-Gelb:

Spar-Muster bleibt unverändert

Landesbezirk Südbaden/Freiburg. Die Beamten als Sanierer des Landeshaushaltes, das kennt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Südbaden schon seit langem, war es doch ein beliebtes Sparmuster der schwarz-gelben Koalition.

Meinrad Seebacher

Meinrad Seebacher, Geschäftsführer des VBE Südbaden

Der südbadische VBE-Geschäftsführer Meinrad Seebacher (Waldkirch) beklagt die Phantasielosigkeit der grün-roten Nachfolger, die nun damit fortfahren wollen, die Beamtengehälter, Pensionen und Beihilfen zur Haushaltssanierung heranzuziehen. Zwar sei es politisch richtig, für das Jahr 2012 eine Nullverschuldung erreichen zu wollen, jedoch hat die Landesregierung nach VBE-Ansicht das Gesamtpaket von der falschen Seite zu stricken angefangen. Wer in der Koalitionsvereinbarung und in vollmundigen Pressemitteilungen allenthalben Wohltaten verkündet, hätte vielleicht einmal vorher einen Kassensturz machen sollen und nicht hinterher.

Wie Seebacher mitteilt, will der VBE Südbaden besonders darauf achten, ob bei den angedachten Kürzungen auch die Abgeordnetendiäten mit einbezogen werden. Immerhin haben sich diese zum 1. Juli 2011 selbst 4,55 Prozent Erhöhung zugestanden. Eine links, eine rechts, eine fallenlassen … Diese bekannte Redensart, die als Spaß beim Stricken lernen allseits bekannt ist, bekommt durch die geplanten Einsparungen von 380 Millionen EUR eine völlig neue Bedeutung. Es ist in der Politik leider üblich geworden, dass links und rechts die Beamten fallenlassen, wenn es im Haushalt an Geld fehlt. Die Fürsorgepflicht verfängt sich dann leicht in den Maschen des Strickwerks und die Politik macht sich keinerlei Gedanken, wie sich solche Maßnahmen auf die Motivation der Bediensteten auswirken.

Noch nie hat sich der VBE gewehrt, wenn alle gesellschaftlichen Gruppen gleichmäßig Einschränkungen erfahren, aber sich die Beamten herauszugreifen und diese gleich mehrfach belasten zu wollen, sei schon ein starkes Stück, schimpft Seebacher „Wann wird die Politik lernen“, so der VBE-Geschäftsführer, „dass ohne motivierte Bedienstete kein Staat zu machen ist?“

Was den VBE Südbaden zusätzlich ärgert ist die Tatsache, dass bisherige Aussagen der grün-roten Koalitionäre jetzt schon aufgeweicht, beziehungsweise ins Gegenteil umgedreht werden. Wenn von Anfang an klar ausgesprochen wurde, die demographische Rendite im System zu behalten, so hört man wenige Wochen danach, dass Stellen gestrichen werden sollen. Auch dieses Muster kennt der VBE seit Jahrzehnten. „Wenn die Politik nicht zu ihrem Wort steht, wenn sie heute nicht mehr weiß was sie gestern gesagt hat, so fördert dies die Politikverdrossenheit und die Wahlbeteiligung sinkt“, stellt Seebacher fest. Ob dieses Ziel so von Koalitionären gewollt ist, wagt der VBE Südbaden zu bezweifeln. Dies sei jedoch die Konsequenz aus dem Hin und her des politischen Handelns.

5. Oktober 2011

VBE: Lehrer nicht nur am Weltlehrertag wertschätzen

Nicht jeder, der eine Schule mal von innen gesehen hat, ist auch ein Experte

Stuttgart. Das Land Baden-Württemberg beschäftigt sehr viele Menschen, weit über 100 000 allein im Schuldienst. „Die Arbeitszufriedenheit dieser Lehrer ist ein ganz wichtiges Kriterium für die Qualität von Schulen“, sagt Gerhard Brand, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg anlässlich des Weltlehrertages am 5. Oktober.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

„Den Welttierschutztag am 4. Oktober kennen sehr viele Menschen. Dass die­sem der Weltlehrertag folgt, ist weniger bekannt“, behauptet VBE-Chef Brand. „Dass es diesen Tag gibt, wissen nicht einmal alle Lehrer so genau“, ergänzt Brand augenzwinkernd. Wenn trotz zunehmender Aufgaben bei schlechteren Arbeitsbedingungen Schulen „laufen“, sei das im Wesentlichen dem Engage­ment der Lehrerschaft zuzuschreiben. Doch leider interessiere sich die Öffent­lichkeit eher für spektakuläre Vorfälle an Schulen als für die solide Alltagsar­beit, die dort geleistet werde, beklagt der VBE-Chef.

 

Wider besseres Wissen stimmt man in Internetforen oder an Stammtischen schneller in eine Pädagogenschelte ein, als dass man Lehrer „verteidigt“. Schul­meistern wird besonders gerne unterstellt, dass sie Freude am Jammern und Wehklagen haben. Aber keiner anderen Berufsgruppe wird von vermeintlichen „Experten“ mit scheinbar guten Ratschlägen so oft ins Handwerk reingeredet wie den Lehrern, weil sich jeder dafür kompetent genug zu fühlen meint, da er früher selber einmal zur Schule gegangen ist. „Zur Bewältigung ihres berufli­chen Auftrags benötigen Lehrer wertschätzende Begleitung durch Eltern, Jour­nalisten, Wirtschaftsbosse und Politiker und nicht deren vermeintlich wertvollen Tipps für eine bessere Unterrichtsarbeit“, unterstreicht der VBE-Landeschef.

Die Schule ist auch keine Therapieanstalt für sich selbst überlassene Kinder und Jugendliche und kann erst recht nicht alle gesellschaftlichen Probleme auf­arbeiten, schon gar nicht, wenn das soziale Umfeld dabei nicht mitzieht.

Die Heterogenität der Klassen hat stark zugenommen. Man kann die Kinder nicht mehr wie vor 50 Jahren alle über einen Kamm scheren, sonst würden die Schwächeren schnell auf der Strecke bleiben. Individuelles Eingehen auf die je­weilige Schülerpersönlichkeit ist heute selbstverständlich und unabdingbar für ein erfolgreiches Weiterkommen. Lehrer arbeiten mit den Kindern und Jugendli­chen gemeinsam an der Zukunft des Landes. „Sie haben es – auch im Interesse der Schüler – verdient, dass man ihre Arbeit anerkennt und wertschätzt – und das nicht nur am Weltlehrertag“, sagt der VBE-Chef.

4. Oktober 2011

VBE sieht Rektorenmangel mit Sorge: Schulleiter sollen alles managen, aber möglichst wenig kosten

Stuttgart. Da immer weniger Lehrer selbst Chef werden wollen, müssen Rektoren­stel­len teilweise wiederholt ausgeschrieben werden. Immer selte­ner findet eine  Auswahl statt, da die Zahl der Bewerber zu gering ist. Der Verband Bil­dung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg will das geändert haben.

Gerhard Freund, stellvertretender VBE Landesvorsitzender

„Von Schulleitern wird erwartet, dass sie ´Zugpferde´ der Schulentwicklung sind, zugleich verweigert der Dienstherr aber eine amtsange­messene Bezahlung und die Gewährung von ausreichend Leitungszeit“, sagt der stellvertretende VBE-Vorsitzende Gerhard Freund (Forst). Auf Kosten der Schulleiter wird Haushalts­sanierung betrieben. Anders als in der Wirtschaft sind Management­auf­gaben im Schuldienst nicht so hoch dotiert. Das soziale Ranking im Lehrer­beruf spiegelt sich auch auf der Schulleitungs­ebe­ne wieder. Der Leitungsarbeit bei den unterschiedlichen Schul­arten wird die Gleich­wertigkeit verweigert. Der VBE fordert auch hier die Anerkennung der Gleich­wertigkeit schulischer Füh­rungsarbeit. „Die Leitung einer Grundschule oder einer Schule der Sekundar­stufe I ist genauso wichtig wie die Leitung eines Gymnasiums“, sagt Freund.

86 Prozent der Bundesbürger meinen, dass Schulleiter ausgebildete Lehrer sein müssen. Fast jeder zweite teilt aber auch die Meinung, dass die Rektoren nicht ausreichend auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. Das schlägt sich im Ansehen der Schulleiter nieder. Nur 25 Prozent der Bundesbürger sa­gen, dass Rektoren in der Bevölkerung ein hohes Ansehen haben, während 58 Prozent glauben, dass Schulleiter ein mittleres Ansehen haben. 14 Prozent gaben an: Rektoren haben wenig Ansehen. Den Ruf einer Schule rechnen sechs Prozent der Bundesbürger eher dem Schulleiter zu. 59 Prozent meinen, dass der Ruf der Schule vom Schulleiter und dem Kollegium abhängt, so eine vom VBE Bund in Auftrag gegebene repräsentative Forsa-Umfrage.

Angesichts der unattraktiven Rahmenbedingungen wird es immer schwieriger, frei werdende Schulleiterstellen wieder zu besetzen. Dies trifft verstärkt kleinere Schulen und Grundschulen. Besonders benachteiligt werden Frauen, denn die Bedingungen für die Leitung von Grundschulen sind am schlechtesten. Die be­troffenen Kolleginnen sind als Grundschullehrkräfte am unteren Ende der Besol­dungsskala. Bei höchster Unterrichtsverpflichtung, voller Klassenlehrertätigkeit und Schulleitungsverantwortung erhalten die Kolleginnen die geringste Bezah­lung. Da die Unterrichtsversorgung Vorrang hat, können Schulleiterinnen häufig nicht einmal die Mindestanrechnung von acht Wo­chenstunden wahrnehmen und verlagern die Leitungsarbeit ‚freiwillig‘ in die Abendstunden.

3. Oktober 2011

Forderung des VBE durchgesetzt!

Die Pädagogischen Assistentinnen und Assistenten an den
Haupt- und Werkrealschulen werden auf Stellen unbefristet
weiterbeschäftigt

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Am Donnerstag 29.9.2011 hat die Landesregierung beschlossen, dass die 580 Pädagogischen Assistentinnen und Assistenten an den Haupt- und Werkrealschulen nach Ablauf ihres Vertrages auf Stellen weiter beschäftigt werden. Damit erfüllt die Landesregierung eine nachhaltige Forderung des VBE, denn

 

  • die Pädagogische Assistenten werden nicht – wie seit Wochen befürchtet – kurzfristig arbeitslos!
  • die positive Arbeit unserer Pädagogischen Assistenten wird dadurch anerkannt!
  • die Weiterbeschäftigung erfolgt auf Stellen, also nicht mehr zeitlich befristet wie bisher, sondern unbefristet!
  • die Arbeit der Pädagogischen Assistenten wird durch diese Entscheidung fest institutionalisiert!
  • die Vergütung erfolgt nicht mehr nach TV 6, sondern grundsätzlich nach TV 8!

Der VBE freut sich, dass seine vielseitigen Initiativen und Verhandlungen mit dem Kultusministerium und den Landtagsfraktionen nun endlich  zum Erfolg geführt haben und

  • die Pädagogischen Assistenten jetzt wieder berufliche Perspektiven haben,
  • in einer höheren Vergütungsstufe eingestuft werden und
  • die Schulen weiter von ihrer anerkannten Arbeit profitieren können.

Der VBE hatte in einer Serie von sehr gut besuchten Veranstaltungen in allen vier Regierungspräsidien im ersten Halbjahr 2011 gemeinsam mit den teilnehmenden Pädagogischen Assistenten seinen Forderungskatalog erarbeitet und anschließend in die Verhandlungen mit den politischen Entscheidungsträgern nachhaltig eingebracht und jetzt im Ergebnis mit vollem Erfolg durchgesetzt!

Für alle Pädagogischen Assistenten an den Grundschulen in Baden-Württemberg, deren befristete Verträge erst 2013 auslaufen, wird sich der VBE ebenso als erfolgreicher Interessenvertreter nachhaltig für eine gleichberechtigte, unbefristete Weiterbeschäftigung einsetzen.

Gerhard Brand
VBE-Landesvorsitzender

Bernhard Rimmele,
Referatsleiter Arbeitnehmer im VBE

VBE empört: Kooperationslehrerinnen für Kindergärten erhalten auch im neuen Schuljahr keine Anrechnungen

Stuttgart. Beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg hat man kein Verständnis dafür, dass die Kooperation Kindergarten-Grund­schule auch im neuen Schuljahr von den Lehrerinnen ohne eine einzige offi­zielle Anrechnungsstunde auf das Deputat getan werden muss.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Seit Jahren müssen Grundschullehrerinnen die zeitintensive, aber wichtige Ko­operation mit den Kindergärten zum Nulltarif durchführen. Für diese wertvolle Tätigkeit hatte es einmal Anrechnungsstunden gegeben. Um den Haushalt des Landes zu entlasten, wurde dieser Zeitausgleich vor Jahren ersatzlos gestrichen.

 

Die enge Zusammenarbeit zwischen Kindergärten und Grundschule ist für den Schulerfolg der Kinder von großer Bedeutung. Da die Schulen im Interesse der Kinder den guten Kontakt zwischen den beiden Institutionen kontinuierlich för­dern wollten, übten die Grundschullehrerinnen die Kooperation weiterhin aus – sozusagen „auf eigene Rechnung“, ohne zeitliche Entlastung. Damit wurde und wird die Gutmütigkeit der Lehrerinnen ausgenützt.

Noch vor der Einschulung können möglicherweise später auftretende Schwie­rigkeiten bei Kindern erkannt und rechtzeitig gemeinsam mit den Erzieherinnen nach Lösungswegen gesucht werden. Die mehrmaligen Besuche der Kooperati­onslehrerinnen bei den ´Vorschülern` im Kindergarten, der Gedankenaustausch zwischen Erzieherinnen und Lehrerinnen sowie die Elternberatung und die El­ternabende vor der Einschulung haben sich als erfolgreiche Instrumente der Ko­operation erwiesen. „Es darf nicht sein, dass diese Arbeit von den Lehrerinnen weiterhin lediglich für ein anerkennendes Wort vom Schulleiter geleistet wird“, moniert VBE-Chef Gerhard Brand. Mittlerweile dürfte jedem Politiker klar ge­worden sein, wie wichtig und nötig die Kooperation Grundschule-Kindergarten für alle Beteiligten sei. „Diese Erkenntnis sollte sich wieder in einer spürbaren Anerkennung der geleisteten Arbeit, also in einer zeitlichen Entlastung, nieder­schlagen“, fordert der VBE-Chef. Wenn der zurückgefahrene Ergänzungsbe­reich den Schulleitern schon keinerlei Gestaltungsspielraum mehr lasse, den Lehrerinnen für ihren Einsatz eine Anrechnung auf ihr Regelstundenmaß zu geben, müssen diese Kooperationsstunden eben im amtlichen Organisationser­lass als Arbeitszeit ausgewiesen werden.

25.09.2011

„Wir müssen Altersarmut verhindern“

Der VBE-Geschäftsführer Thomas Frankenhauser hat die Pläne der Bundesregierung zur Reform der Rente grundsätzlich begrüßt. „Wir müssen Altersarmut verhindern. Deshalb ist es zu begrüßen, dass die Bundesregierung die zweifellos vorhandenen Herausforderungen im Renten-System jetzt zügig angehen will“, sagte Frankenhauser anlässlich eines Treffens mit den Kreisvorsitzenden seiner Organisation aus ganz Baden-Württemberg.

Thomas Frankenhauser, VBE-Geschäftsführer

Der Geschäftsführer betonte zudem, wie wichtig es sei, dass die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere die Sozialpartner, frühzeitig von der Bundesregierung in die Reform-Debatte eingebunden würden. „Denn auch wenn wir das sachliche Ziel der Bundesregierung im Großen und Ganzen teilen, so werden wir über den richtigen Weg dorthin in den zuständigen Arbeitsgruppen sicherlich noch lange und intensiv diskutieren“, so Frankenhauser. „Die vorgelegten Pläne enthalten Licht und Schatten. Entscheidend ist für uns, dass am Ende der Debatte ein schlüssiges Gesamtkonzept steht, mit dem wir Altersarmut nachhaltig verhindern können.“

Der VBE-Geschäftsführer weiter: „Wir werden darüber diskutieren müssen, ob die Voraussetzungen für die von der Regierung vorgeschlagene Zuschuss-Rente nicht zu eng gefasst sind. Ganz allgemein lässt sich sagen: Einerseits soll sich die Lebensleistung lohnen und zu einem angemessenen Alterseinkommen führen. Andererseits müssen wir sicherstellen, dass diese Lebensleistung auch erbracht werden kann. Hier sind insbesondere die Arbeitgeber gefordert, sich beispielsweise für neue Altersteilzeitmodelle zu öffnen.“

VBE: Dass der Kaiser in seinen neuen Kleidern nackt auf die Straße geht, sollte es nur im Märchenland geben

Stuttgart/Karlsruhe. „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“, heißt es jetzt nach Schuljahresbeginn in vielen Lehrerzimmern im Land. Von den An­kündigungen der neuen Schulpolitiker ist noch nichts Habhaftes an der Ba­sis angekommen. Nach wie vor fehlt eine schulinterne Lehrerreserve, sind externe Krankheitsvertreter bereits an Schulen mit defizitärer Unterrichts­versorgung abgeordnet, ist der Ergänzungsbereich mit Stütz- und Förder­maßnahmen deutlich unterrepräsentiert, warten die pädagogischen Assis­tentinnen weiterhin vergebens auf die Verlängerung ihrer Arbeitsverträge.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Der Landesvorstand des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Würt­temberg sieht zum Schuljahresanfang noch keine positiven Veränderungen an den Schulen. „Die Sparmaßnahmen der schwarz-gelben Landesregierung wer­den, wie gehabt, von Grün-Rot weiter geführt, wenn man einmal von der `Ent­eisung´ der 711 `eingefrorenen´ Lehrerstellen absieht, die aber noch keine Wen­de in der schlechten Unterrichtsversorgung gebracht haben“, sagt VBE-Landes­chef Gerhard Brand.

Der Ergänzungsbereich, der den Schulen Stütz- und Förderkurse, Arbeitsge­meinschaften und besondere Hilfsangebote – etwa für leserechtschreibschwache Schüler – ermöglicht, ist weiter zurückgefahren worden. Einzelne Stundenüber­hänge an Schulen führten nicht etwa zu einer schulinternen Krankheitsreserve, sondern meist zu Teilabordnungen der Lehrer an andere Schulen mit Defiziten im Pflichtbereich – oft auch nur mit wenigen Stunden.

Die pädagogischen Assistentinnen an den Hauptschulen, deren Verträge alle zum 31. Januar 2012auslaufen, haben zwar seit Juni die mündliche Zusicherung der Kultusministerin, dass sie unbefristet weiterbeschäftigt werden, aber noch nichts Schriftliches in der Hand. Die pädagogischen Assistentinnen werden sich nächsten Monat als „arbeitssuchend“ im Jobcenter melden müssen.

Dass der Klassenteiler, der unter Schwarz-Gelb im Sekundarstufenbereich, von 33 schrittweise auf 28 gesenkt werden sollte, wirklich weiter gesenkt wird, scheint mittlerweile auch nicht mehr so sicher zu sein. Die aktuelle Reduzierung von 31 auf 30 Schüler pro Klasse hatte noch die alte Regierung veranlasst.

Die Inklusion soll kommen, aber keiner weiß so richtig, wie sie finanziert wird und wann die Lehrer dafür entsprechend ausgebildet sind.

Die Gemeinschaftsschule wird als Zukunftsschule in den höchsten Tönen von Grün-Rot gelobt, was man sich aber konkret darunter vorzustellen hat, bleibt nebulös.

Was passiert mit den neuen Werkrealschulen, deren Zehntklässler nächstes Schuljahr zum ersten Mal die Prüfung ablegen sollen, was mit den neuen Profil­fächern in den Klassen 8 und 9, was mit der Berufsorientierung?

Die Schulen, die schon unter Kultusministerin Schavan (CDU) über zu viele „Baustellen“ geklagt haben, sehen unter der neuen Ministerin (SPD) noch mehr „Bauzäune“ und schöne Ankündigungsplakate, die in der Schullandschaft aufge­stellt werden, ohne dass auf den neuen Baustellen etwas Konstruktives passiert.

Ankündigungen alleine bringen die Schulen nicht voran, sondern stiften Unru­he und Verwirrung, erst recht, wenn die Realisierung in den Sternen steht und über den Haushaltsplan der Landesregierung nicht entsprechend finanziell geför­dert wird. Schüler hören Märchen gerne, Realpolitiker sollten sich hüten, zu bil­dungspolitischen Märchenerzählern oder Traumtänzern zu werden und Visionen zu versprechen, die nicht umsetzbar sind, weil schlichtweg das Geld fehlt. „Dass der Kaiser dann in seinen neuen Kleidern wirklich nackt auf die Straße geht, sollte es nur im Märchenland geben“, meint VBE-Chef Gerhard Brand.

22. September 2011

VBE: Kinder sollen gern zur Schule gehen

Freizeitstress kann Schulerfolg negativ beeinflussen

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg geht da­von aus, dass Eltern ihren Kindern mit der Schule keine Angst mehr ma­chen. Mit der Einschulung droht weder der oft zitierte „Ernst des Lebens“ noch sind Lehrer „Super-Nannys“, die den Kindern mit Strenge und Stra­fen all die Unarten austreiben, um deren „Ab-Erziehung“ sich die Eltern bisher vergebens bemüht haben. Kinder sollten voller Neugier und frei von Angst in die Schule kommen, und das sollte möglichst lange so bleiben.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Der Lehrerverband rät Eltern – und nicht nur denen von Erstklässlern – intensi­ven Kontakt mit der Schule zu pflegen, sich einzubringen und einzumischen in die schulischen Gremien wie Elternbeirat und Schulkonferenz oder Förderver­ein. Die Teilnahme von Eltern an Projekten, bei Lerngängen oder in Arbeits­ge­meinschaften ist für das Schulleben unverzichtbar. Dies wird in den Bil­dungs­plänen auch ausdrücklich so beschrieben. „Zu einer intakten Schulgemein­schaft gehören nicht nur Lehrer und Schüler, sondern aktive, interessierte und enga­gierte Eltern“, wirbt VBE-Chef Gerhard Brand für eine gute Partnerschaft.

Eltern sollten sich für das Tun ihrer Kinder interessieren und sich eine Menge Zeit zum Zuhören nehmen, denn zumindest anfangs wollen die Kleinen noch eine Menge vom Schulalltag erzählen.

„Kinder sind auf Lob angewiesen und brauchen Anerkennung wie die Luft zum Atmen“, so der VBE-Chef, aber klare Grenzen und deut­liche Worte seien für eine gesunde seeli­sche Entwicklung gleichfalls notwendig.

Eltern sollten darauf achten, dass nicht zu vieles Fernsehen die Kinder vom eigenen Tun, vom  Lesen und Spielen abhält. Auf keinen Fall darf das freie, un­gelenkte kreative Spie­len zu kurz kommen. Ein übervoller Termin­kalender der Kinder am Nachmittag führt schnell zu krank machendem Zeit­druck und über­flüssigem Freizeitstress.

11. September 2011

VBE zum Unterrichtsbeginn nach den Sommerferien:

Schüler verlässlich begleiten – Intelligenz ist nicht alles

Stuttgart. „Körperliche und seelische Belastbarkeit, Konzentrationsfähigkeit, Aus­dauer und Geduld, Frustrationstoleranz, Geschicklichkeit, Einfühlungsver­mögen und Teamfähigkeit sind für eine erfolgreiche Schullaufbahn mindes­tens ebenso wichtig wie Intelligenz“, sagt der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, anlässlich des Unterrichts­beginns am Montag in Baden-Württemberg. „Schüler lernen nachhaltig am besten ganzheitlich: mit Kopf, Herz und Hand“, so Brand.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Zu ehrgeizige Eltern sehen bisweilen ausschließlich die intellektuellen Vorzüge ihres Kindes und vernachlässigen den Blick auf andere Faktoren, die in der Schule gleichfalls eine nicht unerhebliche Rolle spielen: soziale, seelisch-emoti­onale, psychomotorische und physische Aspekte. Intelligenz ist nicht alles in der Schule. Gerade Eltern von hochbegabten oder vermeintlich hochbegabten Kin­dern fühlen sich schnell unverstanden, wenn Pädagogen den Schüler nicht nur mit der ausschließlich auf die kognitive Begabung ausgerichteten Brille sehen.

Insbesondere der Grundschulbildungsplan fordert und fördert Kommunikati­onskompetenz. Das Lernen miteinander und voneinander geschieht verstärkt in Gruppen- und Partnerarbeit. In der Grundschule hält der Lehrer keine Vorlesun­gen, sondern ermuntert die Schüler zum gemeinsamen Beraten, Ausprobieren und Schlussfolgern. Da haben es introvertierte Einzelgänger mitunter schwerer. Manche Kinder können sich bei Gruppenarbeit nicht so leicht ein- oder unter­ordnen, werden verhaltensauffällig und stören Mitschüler. Bisweilen haben die­se Kinder auch Probleme im Sport und bei gemeinsamen Spielen.

„Es ist für Eltern nicht damit getan, das Kind in der Obhut der Schule zu wis­sen und darauf zu vertrauen, dass die Lehrer alles schon irgendwie richten wer­den“, warnt der VBE-Chef. Das tägliche Interesse der Eltern an den Lernfort­schritten ihres Kindes sowie die Würdigung ordentlich gemachter Schul- und Hausaufgaben würden nicht nur Schulanfängern das Gefühl für die Wichtigkeit und Wertigkeit ihrer Arbeit geben. „Schüler entwickeln sich vor allem dann po­sitiv, wenn sie verlässlich Zuwendung, Aufmerksamkeit und Anerkennung er­fahren, Ermutigung statt Entmutigung, Geduld statt Ungeduld“, sagt Brand an die Adresse der Eltern und der Lehrer.

Die Politik dagegen müsse für entspre­chend optimale Rahmenbedingungen sorgen und dürfe es nicht bei Ankündigun­gen belassen. Gute Worte allein machten noch keine bessere Schule, so Brand.

9. September 2011