VBE: Einigung für Schulfrieden wahrscheinlich nur dann möglich, wenn „Dorfkicker“ und „Nationalspieler“ zeitweise auch wieder getrennt trainieren dürfen

Stuttgart. „Der VBE zeigt Verständnis für die Zweifel des CDU-Landeschefs Thomas Strobl an der Ernsthaftigkeit der Regierungskoalition, wirklich eine gemeinsame Basis für einen `Schulfrieden´ in Baden-Württemberg zu finden“, sagt der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Nachdem Grün-Rot begonnen hat, die Schullandschaft „mit dem Pflug“ umzugestalten, ohne auf berechtigte Einwände Andersdenkender einzugehen, muss man die Skepsis auf CDU-Seite verstehen.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Solange Grün-Rot in der Bildungspolitik weiter unverrückbar davon ausgeht, dass „Dorfkicker“ und „Fußballnationalspieler“, hochbegabte Gymnasiasten, solide Schaffer und Schüler mit schweren Behinderungen ständig gemeinsam „individuell“ in einer für diese Zusammensetzung viel zu großen Lerngruppe mit nur einem „Lernbegleiter“ trainieren können, ohne dass dabei irgendeiner auf der Strecke bleibt und dass so trotzdem für alle das Beste herauskommt, solange sind Zweifel an einem nachhaltigen Schulfrieden berechtigt.

Der VBE hat große Hochachtung vor all den Lehrkräften, die mit Engagement und Durchhaltevermögen den Aufbruch gewagt und Gemeinschaftsschulen aufgebaut haben. Der VBE hat aber auch Verständnis dafür, wenn vor allem Gymnasien und Realschulen ihr „Hoheitsgebiet“ mit Zähnen und Klauen verteidigen wollen.

Der VBE könnte sich gut vorstellen, dass Schüler wie in der Gemeinschaftsschule un­ter einem Dach, jedoch dort auch zeitweise differenziert nach Neigungen und Leis­tungsstand unterrichtet werden. Mit Binnendifferenzierung alleine ist der großen Band­breite der Begabungen nicht immer beizukommen. Dass immer mehr CDU-Kommunal­politiker auch auf den Zug „Gemeinschaftsschule“ aufgesprungen sind, liegt meist nicht an deren Vorliebe für das neue pädagogische Konzept, sondern ist dem Rückgang der Schülerzahlen geschuldet. „Man will die Schule verständlicherweise unbedingt im Ort behalten, egal mit welcher Struktur – sogar selbst wenn man eine Baumschule daraus machen müsste“, behauptet der VBE-Sprecher etwas sarkastisch.

VBE: Zu viel Selbstbeweihräucherung ist auch eine Art von Umweltverschmutzung

Grüne zeigen sich nicht lernfähig

Stuttgart. „Zu viel Selbstbeweihräucherung ist auch eine Art von Umweltverschmutzung“ stellt der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) anlässlich der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen in Esslingen fest. Wenn bei fast zwei Drit­teln der Bevölkerung die Bildungspolitik der Landesregierung keine Zustimmung finde, wirke das Eigenlob des Ministerpräsidenten „Grüne können einfach gut regieren“ schlichtweg deplatziert.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Wenn der Ministerpräsident behauptet, dass die Veränderungen in der Schullandschaft nicht von der Regierung ausgehen, sondern vom demografischen Wandel, so ist das nur die halbe Wahrheit. Dass der Schülerrückgang die Schullandschaft umpflüge, ist jedoch eine Verdrehung der Tatsachen. Kleinere Klassen kämen nicht nur den Schülern zugute.

Auch die Lehrerschaft könnte bei deutlich umfangreicher gewordenen Aufgaben wie Schulentwicklung, Inklusion und eine buntere Mischung in den Klassen eine spürbare Entlastung dringend gebrauchen. Stattdessen kürzt Grün-Rot bis 2020 insgesamt 11.600 Lehrerstellen, fährt Stütz- und Förderkurse weiter massiv zurück, schließt Schulen aus Kostengründen, gibt den Elternwillen bei der Wahl der Schullaufbahn frei, beseitigt No­ten und das Sitzenbleiben in den neuen Gemeinschaftsschulen, die sämtliche Bildungs­gänge in einer Lerngruppe vereinigen sollen, und wundert sich, wenn an den Schulen alles drunter und drüber geht; Lehrer, Eltern, Schüler und Kommunalpolitiker murren.

„Den Pflug hat die Landesregierung angesetzt“, stellt der VBE-Sprecher in aller Deut­lichkeit fest. Schulische Veränderungen seien durchaus sinnvoll, wenn sie behutsam auf den Weg gebracht und auch entsprechend finanziert werden. Bei der Bevölkerung kom­men die Neuerungen immer mehr als eine Politik mit der Brechstange an. Bewährtes werde aufgrund von Visionen radikal über den Haufen geworfen, statt die Beteiligten dort abzuholen, wo sie sich gerade befinden, und sie langsam mitzunehmen. „Aufbruch­stimmung herrscht an den Schulen schon lange nicht mehr“, so der VBE-Sprecher. Grün-Rot habe den Vertrauensvorschuss anlässlich des Wechsels bei der letzten Land­tagswahl verspielt. Sich jetzt auf die Schultern zu klopfen und sich ein „Weiter so“ zu­zurufen, lasse einen Erfolg bei der nächsten Landtagswahl immer unwahrscheinlicher erscheinen. Zweieinhalb Jahre nach dem Wechsel immer noch jede verfahrene Situation der Vorgängerregierung anzulasten und dabei das eigene Tun völlig auszuklammern, wirke langsam lächerlich. „Gute Bildungspolitik geht anders“, so der VBE-Sprecher.

VBE: Die bisher gewährte Altersermäßigung ist keine „Gnade“, sondern wurde von den Lehrern vorab erwirtschaftet

Stuttgart. Die Logik der Landesregierung in Bezug auf die Altersermäßigung für Lehrer er­scheint dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) schon ein wenig verquer: Weil der Zeitpunkt der Pensionierung bei den Pädagogen nach hinten hinausge­schoben wird, glaubt man, auch die Entlastung für ältere Lehrer weiter nach hin­ten schieben zu können, ohne dass dies die Betroffenen irgendwie benachteiligt.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

„Genau das Gegenteil müsste der Fall sein“, argumentiert VBE-Landeschef Gerhard Brand. „Wenn der Dienstherr Lehrer länger arbeiten lässt, dann muss er auch dafür sor­gen, dass der neuen, weiteren Belastung zumindest ein Minimum an zusätzlicher Für­sorge und Entlastung entgegengestellt wird.“ Jetzt die Altersmäßigung nach hinten hin­auszuschieben, sei genau das Falsche. Eine Entlastung der Lehrer müsste konsequenter­weise sogar  f r ü h e r  erfolgen, damit die Pädagogen besser mit den Kräften haushal­ten und die nun spätere Pensionsgrenze noch halbwegs gesund erreichen können .

Der VBE lehnt die von der Landesregierung als „Kompromiss“ bezeichnete Maßnah­me kategorisch ab und fordert nach wie vor zumindest die Beibehaltung des ursprüng­lichen Modells. Die Altersermäßigung ist keine „Gnade“ des Dienstherrn gegenüber seinen Beschäftigten, denn die haben in der Vergangenheit durch den engagierten tägli­chen Einsatz in der Schule bereits Vorleistungen für ihre Altersermäßigung erbracht. „Um diese Vorleistungen werden die Lehrer nun betrogen“, so der VBE-Vorsitzende. Unter dem Blickwinkel der aktuellen Diskussion über den Arbeits- und Gesundheits­schutz im öffentlichen Dienst wirke die jetzt bekanntgegebene Maßnahme der Landes­regierung wie ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. „So geht man mit seinem Perso­nal nicht um!“ sagt Brand in aller Deutlichkeit in die Richtung von Grün-Rot.

Der VBE hatte erst jüngst eine Plakataktion an allen Schulen des Landes gestartet, bei der der gewerkschaftliche Berufsverband eindrücklich davor warnte, Hand an die Al­tersermäßigung der Lehrer zu legen. Da es mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz an Schulen nicht gerade zum Besten stehe, wäre es äußerst kontraproduktiv, jetzt auch noch die Altersermäßigung zu streichen, warnte Brand die politisch Verantwortlichen in aller Deutlichkeit vor diesem falschen Signal. Den jetzt gefundenen „Kompromiss“ könne man unter dem Aspekt des Arbeits- und Gesundheitsschutzes nur als „faul“ be­zeichnen.

VBE: Ein bisschen (Schul-) Frieden wäre schon schön

Schule völlig umkrempeln und dann die Friedenspfeife rauchen wollen

Stuttgart. „Ein bisschen mehr Schulfrieden wäre schon schön“, sagt der Sprecher des Ver­bandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, hat aber Verständnis dafür, dass manche Politiker noch zögern, schon jetzt darauf einzugehen. Nach­dem Grün-Rot begonnen hat, die Schullandschaft radikal umzugestalten, ohne auf berechtigte Einwände Andersdenkender zu hören, dürfen sich diese Politiker nicht wundern, wenn die Übergangenen die Friedenspfeife nicht mitrauchen wollen.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Der VBE hat große Hochachtung vor all den Lehrkräften, die mit Engagement und Durchhaltevermögen den Aufbruch gewagt und Gemeinschaftsschulen eingerichtet ha­ben. Der VBE hat aber auch Verständnis dafür, wenn vor allem Gymnasien und Real­schulen ihr „Hoheitsgebiet“ mit Zähnen und Klauen verteidigen wollen. Dass die Hete­rogenität der Schülerschaft an diesen Schularten zugenommen hat, ist schließlich nicht diesen Schularten anzulasten, sondern der Tatsache geschuldet, dass Grün-Rot damals im Schweinsgalopp die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung aufgehoben hat. „Das hätte man auch behutsamer mit einer längeren Vorlaufzeit angehen können“, sagen sogar Befürworter der Maßnahme.

Dass immer mehr CDU-Politiker jetzt auf den Zug „Gemeinschaftsschule“ aufsprin­gen, liegt meist nicht an deren Vorliebe für das neue pädagogische Konzept, sondern ist durch den Rückgang der Schülerzahlen bedingt. „Man will verständlicherweise unbe­dingt die Schule im Ort behalten, koste, es was es wolle, selbst wenn man eine Baum­schule draus machen müsste“, so der VBE-Sprecher etwas sarkastisch.

Der VBE hätte sich gut vorstellen können, eine Gemeinschaftsschule auch ohne ver­pflichtenden Ganztagesbetrieb und nicht nur integrativ, sondern mit einer behutsamen äußeren Differenzierung aufzubauen. Mit Binnendifferenzierung alleine ist der großen Bandbreite der Begabungen nicht immer beizukommen. Und während in der Grund­schule das Prinzip der Gemeinschaftsschule schon lange auf fruchtbaren Boden gefallen ist, müsste es aber auch später möglich sein, zieldifferenziert getrennte Wege gehen zu können, wenn auch unter einem Dach. Oder glauben die Befürworter des dauerhaft ge­meinsamen Lernens wirklich, dass Fußballnationalspieler und Dorfkicker ständig ge­meinsam trainieren und dann für alle das Beste herauskommt?

„Ein Schulfrieden kann nur dann dauerhaft und nachhaltig erfolgen, wenn beide Seiten sich aufeinander zubewegen“, so der VBE-Sprecher.    

VBE: Musik und Kunst wieder als Einzelfächer ausweisen

Deutsch, Mathe und Fremdsprachen gelten meist als höherwertig

Stuttgart. Während die Bedeutung und der hohe Anspruch der Unterrichtsfächer Deutsch, Ma­thematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen nie in Frage gestellt werden, kommen Musik, Kunst und Sport in den Schulen als „untergeordnete Nebenfächer“ in der Wertigkeit keinesfalls so gut weg. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) bedauert das und möchte die musisch-ästhetische Erziehung aufgewertet wissen. Ein erster Schritt dafür wäre, unselige Fächerverbünde wie „MeNuK“ wieder aufzulö­sen. Ein neuer Bildungsplan, der sowieso in Arbeit ist, böte dazu jetzt Gelegenheit.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Nach der letzten Bildungsplanreform gingen in der Grundschule Musik, Kunst und Hand­arbeit im Fach „MeNuK“ (Mensch, Natur und Kultur) auf. In der Haupt-/Werkrealschule wurden Musik, Sport und Kunst (Gestalten) zum Fächerverbund „MSG“ zusammenge­fasst. Dadurch gab es nach der Einführung der zurzeit aktuellen Bildungspläne die Fächer Musik und Bildende Kunst an Grund- und Haupt/Werkrealschulen überhaupt nicht mehr.

„Da die Musik in den Fächerverbünden aufgegangen oder – je nach Standpunkt – unter­gegangen ist, lässt sich auch der Bedarf an professionellen Musikpädagogen amtlicherseits besser kaschieren“, moniert der VBE-Sprecher. Aus gutem Grund sei das Fach Musik we­der an der Realschule noch am Gymnasium vom Stundenplan verschwunden, da grund­sätzlich solides Basiswissen notwendig sei, bevor man interdisziplinär arbeiten könne.

Völlig unverständlich ist, dass trotz neuem Fächerverbund seit 2006 wieder die beste Note aus Musik, Sport und Kunst (von Fächern, die es eigentlich gar nicht mehr gibt!) im Werkrealschulzeugnis ausgewiesen werden muss und nur dieser Teilbereich der Gesamt­note versetzungsrelevant ist.

Schon bisher galten Musik, Bildende Kunst und Sport bei vielen lediglich als schmü­ckendes Beiwerk, als „Entspannungsinseln“ für die vom Lernen in den „richtigen“ Unter­richtsfächern gestressten Schüler. Das Bündeln zu Fächerverbünden habe diesen Trend verstärkt, auch wenn in der Summe keine einzige Stunde gegenüber der alten Stundentafel verloren gegangen sei, beklagt der VBE-Sprecher. Trotzdem habe der musisch-ästhetische Bereich an den meisten Schulen weiter an Bedeutung verloren, und das mache diese spür­bar ärmer.

VBE warnt Grün-Rot: Hände weg von der Altersermäßigung!

Die Streichung wäre genau das falsche Signal an die Lehrerschaft

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg startet in der nächsten Woche eine Plakataktion. „Hände weg von der Altersermäßigung!“ steht in großen Buchstaben über einem leuchtend roten Stopp-Schild auf dem Plakat, das in allen Lehrerzimmern hängen wird. „Das Signal, das mit der Strei­chung der Altersermäßigung bei den Lehrern ankäme, wäre fatal“, warnt VBE-Chef Gerhard Brand. „Wer einen Bildungsaufbruch will, darf die Akteure nicht so demotivieren“, kritisiert Brand die grün-rote Regierung sehr deutlich.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Die eine Stunde respektive zwei Stunden Altersermäßigung für Vollzeitlehrer ab 58 bzw. 60 Jahren waren ein Zeichen der Wertschätzung und eine in beinahe homöopathi­scher Dosierung verabreichte Entlastung, die ihre (Signal-)Wirkung bei den Pädagogen trotzdem nicht verfehlte. Diese jetzt aus Haushaltsgründen streichen zu wollen, würde dem angestrebten Bildungsaufbruch der grün-roten Landesregierung einen weiteren herben Dämpfer verpassen. „Wer die Schullandschaft von Grund auf umkrempeln will, benötigt dazu motivierte Akteure und keine Mitarbeiter, die sich nicht mehr wertge­schätzt fühlen“, warnt der VBE-Chef vor weiteren Rotstiftmaßnahmen im Bildungs­bereich. „Nur wenn die Leistungsfähigkeit der Pädagogen erhalten bleibt, wird auch die Schule leistungsfähig sein. Wenn es den Lehrerinnen und Lehrern schlechter geht, kann es der Schule insgesamt nicht besser gehen.“

An erster Stelle der schulischen Wunschliste stehen bei Lehrern deutlich kleinere Klassen (derzeit sitzen bis zu 30 Schüler in einer Klasse; in Grund- und Gemein­schaftsschulen sind es bis zu 28). Außerdem warten die Pädagogen auf eine spürbare Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung, da außerunterrichtliche Tätigkeiten wie in­tensive Beratungsgespräche und die Teilnahme an Fach-, Team-, Stufen- und Gesamt­lehrerkonferenzen im Rahmen von Schulentwicklung und Evaluation in letzter Zeit überproportional zugenommen haben. Die meisten Lehrer arbeiten hart an der Grenze ihrer Belastbarkeit, wenn sich nicht gar schon Symptome von Überlastung zeigen. „Da es mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz an den Schulen nicht gerade zum Besten steht, wäre es äußerst kontraproduktiv, jetzt auch noch die Altersermäßigung zu strei­chen“, warnt Brand die politisch Verantwortlichen in aller Deutlichkeit vor diesem fal­schen Signal.

 

Und wieder muss eine Vergleichsstudie zur gleichzeitigen Bestätigung gegensätzlicher politischer Ansichten herhalten

VBE warnt vor Diagnosestellung ohne Therapiemöglichkeiten

Stuttgart. Auch nach der jüngsten Veröffentlichung der Vergleichsstudien schulischer Leistungen von Neuntklässlern werden die Ergebnisse wieder kontrovers je nach politischem Lager interpretiert. „Man fühlt sich wieder voll und ganz bestätigt – entweder in der seitherigen Marschrichtung oder eben in der oppositionellen Kritik“, sagt Gerhard Brand, Chef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Auch dass sich diese neuesten Untersuchungen auf die Regierungszeit von Schwarz-Gelb in Baden-Württemberg beziehen und nicht von Grün-Rot, werde dabei gerne übersehen.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Wenn Schulen dem Leitbild folgen “Wir machen Kinder stark“, lasse sich das nur sehr schwer in großen Vergleichsstudien untersuchen, sagt Brand. Zu tiefge­hend und zu vielschichtig seien die Anforderungen, die an valide Ergebnisse ge­stellt werden. Immer deutlicher kristallisiere sich heraus, dass sich Schulen nicht mit den Methoden von Wirtschaftsunternehmen messen und steuern lassen und dass Vergleichsstudien pädagogische und soziale Erfolge stets nur in Ausschnit­ten erfassen.

Messbarkeitshörigkeit verlangt nach harten Fakten und belastbaren Zahlen. So ist es nur natürlich, dass vor allem Mathematik und Naturwissenschaften, Lese­kompetenz und Spracherwerb in den Fokus der Untersuchungen rücken respek­tive „abgefragt“ werden und weniger soziale Kompetenzen, musisch-ästhetische Aspekte, Arbeitszufriedenheit oder die psychische Stabilität der Schüler.

Material- und Zeitaufwand der Untersuchungen stehen häufig in keinem ver­nünftigen Verhältnis zu der Unterstützung, die eigentlich auf suboptimale Er­gebnisse folgen müsste. Weder notwendige Stütz- und Förderstunden noch kleinere Klassen noch ausreichend pädagogisches Personal gibt es als Konse­quenz zur Behebung festgestellter Defizite. „Nicht die Diagnose verbessert die Qualität schulischer Arbeit. Man benötigt vor allem die passende `Medizin´ und eine adäquate `Therapie´, um den Lernerfolg der Schüler zu optimieren“, sagt VBE-Chef Gerhard Brand. Tests und Vergleichsstudien können in bestimmten Bereichen zwar Defizite aufzeigen, aber eben nicht beseitigen. Und alles lasse sich in der Schule sowieso nicht in Schaubilder und Tabellen pressen, so Brand.

Lehrerbild gewandelt: vom faulen Hund zum armen Schwein

VBE zum Weltlehrertag am 5. Oktober

Stuttgart. In der Öffentlichkeit hat sich durch die ständigen Berichte über die ungute Situ­ation an den Schulen das Bild des Lehrers gewandelt: weg vom „faulen Hund“ hin zum „armen Schwein“. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg nimmt den Weltlehrertag am 5. Oktober zum Anlass, die päda­gogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als besonders wertvoll für die Ge­sellschaft zu würdigen.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Wenn trotz schlechterer Arbeitsbedingungen, viel zu großer Klassen, schwieriger ge­wordener Schüler und zunehmender Aufgaben Schulen „laufen“, ist das im Wesent­lichen dem Engagement der Lehrerschaft zuzuschreiben. Doch leider interessiert sich die Öffentlichkeit eher für spektakuläre Vorfälle an den Schulen als für die solide Alltagsarbeit, die dort geleistet wird. Wider besseres Wissen zog man schneller über Pädagogen her, als dass man Lehrer einmal verteidigte. Langsam findet jedoch ein Umdenken statt. Immer wieder hört man: „Ich wollte heutzutage kein Lehrer sein.“

„Es ist durchaus sinnvoll, mit dem Weltlehrertag auf die immense Bedeutung von Bildung und Erziehung für die Zukunft der Gesellschaft hinzuweisen“, sagt VBE-Chef Gerhard Brand. Zur Bewältigung des beruflichen Auftrages benötigten Lehrer die wohlmeinende Begleitung von Presse, Politik und Öffentlichkeit, nicht deren guten Ratschläge oder Vorwürfe.

Die Schule ist jedoch weder ein Reparaturbetrieb noch eine Therapieeinrichtung. Lehrer können nicht alle Probleme lösen, schon gar nicht, wenn das Umfeld nicht mit­zieht. Die Schüler werden heute anders als zu Kaisers Zeiten unterrichtet. Man kann die Schüler nicht mehr alle über einen Kamm scheren, sonst würden schwächere und begabtere Kinder schnell auf der Strecke bleiben. Die Heterogenität der Klassen hat stark zugenommen, nicht nur in den neuen Gemeinschaftsschulen. Individuelles Ein­gehen der Lehrer auf die jeweilige Schülerpersönlichkeit ist selbstverständlich und un­abdingbar für ein erfolgreiches Weiterkommen der Kinder und Jugendlichen – an allen Schularten.

Täglich arbeiten die Lehrer gemeinsam mit den Schülern für eine gute Zukunft des Landes. „Sie haben es verdient, dass man ihre Arbeit anerkennt, wertschätzt und verlässlich unterstützt – und das nicht nur, weil gerade Weltlehrertag im Kalender steht“, sagt VBE-Chef Brand.

VBE: Ungenügender Arbeits- und Gesundheitsschutz bei Lehrern

Nicht auf die Frühpensionierung setzen, sondern rechtzeitig gegensteuern

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht beim Arbeits- und Gesundheitsschutz für Lehrkräfte weiterhin vieles im Argen. Dass die Landesregierung jetzt auch noch vorhat, die Altersermäßigung zu streichen, zeigt, dass es mit der Fürsorge des Dienstherrn gegenüber dem schulischen Personal momentan nicht zum Besten steht.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

In der Öffentlichkeit hat sich durch die Berichte über die Situation an den Schulen des Landes das Bild des Lehrers gewandelt: weg vom „faulen Hund“ hin zum „ar­men Schwein“. Kein Lehrer hängt aus Lust und Laune oder aus Bequemlichkeit seinen Beruf vorzeitig an den Nagel, um sich einen vermeintlich schönen Ruhe­stand zu machen. Vorzeitige Pensionierungen von Lehrern erfolgen nach gründ­lichen (amts)ärztlichen Untersuchungen, nach langem physischen und psychischen Leidensweg und etlichen fehl geschlagenen Therapieversuchen.

Krankheitsbedingte Frühpensionierungen von Lehrern leiten sich nach Auffas­sung des VBE unter anderem auch von den eher unerfreulichen Rahmenbedingun­gen an den Schulen des Landes ab. „Bei übervollen Klassen, schwieriger gewor­denen Schülern und zunehmenden Aufgaben fehle Fachpersonal an allen Ecken und Enden”, bemängelt der Sprecher, „älteren Lehrkräften werde noch immer keine Möglichkeit zur Altersteilzeit eingeräumt, die Altersermäßigung soll ganz fallen.“

Heizungsanlagen, Computernetzwerke und Kopiergeräte in den Schulen werden regelmäßig gewartet, damit sie einsatzbereit bleiben; um die Gesundheit der Lehrer macht man sich noch viel zu wenig Gedanken. Es werde immer noch viel zu wenig auf dem Gebiet des Arbeits- und Gesundheitsschutzes für Lehrkräfte getan, beklagt der VBE-Sprecher. Und wenn an den Schulen Gefährdungsbeurteilungen durch­geführt werden, ohne dass dann wirkungsvolle Abhilfemaßnahmen folgten, seien sie das Papier nicht wert, auf dem sie stehen.

Dass die grün-rote Landesregierung jetzt auch noch vorhat, die Altersermäßigung bei Lehrern zu streichen zeigt, dass der Erhalt der Gesundheit der Pädagogen vom obersten Dienstherrn wohl nicht als oberste Priorität gesehen wird. Arbeits- und Gesundheitsschutz muss, damit er effizient sein kann, früh beginnen. „Früh vorzu­beugen ist besser als früh zu pensionieren“, so der VBE-Sprecher.

VBE stützt Stochs Aussagen

„Endlich bringt unser Kultusminister den Mut auf, Entwicklungen in die falsche Richtung zu kritisieren und unveränderliche Notwendigkeiten beim Namen zu nennen. Eine neue Bildungspolitik kann nicht eingeleitet werden ohne dass mehr Lehrerstunden  – also auch mehr Lehrkräfte – und gezieltere Maßnahmen zur Stützung benachteiligter Schüler im System verbleiben.“

Josef Klein, Pressesprecher VBE Südbaden

Josef Klein, Landesbezirksvorsitzender     VBE Südbaden

So kommentierte das Mitglied des Hauptpersonalrats beim Kultusministerium  und Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Südbaden, Josef Klein (Rickenbach), den Grundsatzstreit ums Sparen bei der Bildung. Kultusminister Stoch hatte am gestrigen 15. September  offen darauf hingewiesen, dass mit dem Streichen freiwerdender Lehrerstellen die im Koalitionsvertrag hochgesteckten Ziele nicht erreicht werden können.   Klein: „2,5 Jahre war verbale Sonnenschein-Bildungspolitik angesagt. Den Beweis für den Erfolg bleiben bisher alle schuldig.“

Wenn der VBE in der Vergangenheit auf diese Fehlentwicklungen hinwies, wurde er oftmals – nicht nur von der Politik – gescholten. Nun erweise sich, dass der Verband die Realität nie aus den Augen verloren habe. Mit der Initiative von Minister Stoch werde, so der VBE, die Bedeutung der Bildung wieder in den Mittelpunkt gerückt. Dass man die Finanzen nicht kürzen und gleichzeitig das Schulsystem weiterentwickeln könne, zeigten doch bereits ungute Entwicklungen in der Vergangenheit. Beispielsweise werde die Lehrerzuteilung in den Schulen erst in den nächsten Wochen abgeschlossen, obwohl das Schuljahr schon längst begonnen habe, so Klein. Dass hinter einem solchen Vorgehen vielleicht auch Einsparabsichten stehen, ist eine Vermutung, bei der der Gegenbeweis schwer fallen dürfte. Alleine, dass der pädagogikfreie Landesrechnungshof statt auf die Bildung nur auf den Geldbeutel schaue und der grüne Ministerpräsident sich davon blenden lasse, zeige schon, dass die Ausgaben für die Bildung bisher auf einem falschen Gleis gefahren wurden.

Der VBE setzt sich für den Vorrang der Bildung ein. Vom Kultusminister erwartet er, dass er Speerspitze für die Bedeutung der Bildungsarbeit und damit für die Zukunft von Baden-Württemberg bildet. Stoch zeige nun erstmals sehr deutlich, dass die Sparpolitik des Finanzministers ins pädagogische Nirwana führe. Der VBE ist sich mit dem Kultusminister einig, dass die Bedeutung der Bildungspolitik nicht Sparzwängen untergeordnet werden dürfe.