VBE: Gemeinschaftsschule überfordert momentan noch alle

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg kann die Sorge der Gymnasiallehrer um den Fortbestand des traditionsreichen Gymnasiums sehr gut verstehen. Mit Einführung der Gemeinschaftsschule, die alle Bildungsgänge beinhaltet, wird aus Sicht deren Anhänger das Gymnasium im Prinzip überflüssig.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

„Dadurch, dass der Gemeinschaftsschule, politisch gewollt, eine Aura des Fort­schrittlichen verliehen wird, geraten alle Sympathisanten der bisherigen Schular­ten automatisch in den Dunstkreis der Ewiggestrigen“, moniert der VBE-Spre­cher. Aber noch habe die Gemeinschaftsschule den Praxistest nicht bestanden. Sie zehre momentan ausschließlich von den Vorschusslorbeeren und dem zusätzlichen außerge­wöhnlichen Engagement der dort unterrichtenden Lehrkräfte.

Die Grundschule ist schon lange eine Gemeinschaftsschule par exellence. An dieser Schulart werden alle Schüler ganz selbstverständlich gemeinsam unterrichtet, ist die reiche Vielfalt der Begabungen abgebildet. Der Unterschied zur Gemeinschaftsschule ist aber der, dass die Grundschule zu einem Abschluss führt („Der Schüler hat das Ziel der Grundschule erreicht“), die Gemeinschaftsschule jedoch bereits ab Klasse 5 alle Bil­dungsgänge – Hauptschulabschluss, Mittlere Reife, Abitur mit mindestens einer zweiten Fremdsprache – in einer Lerngruppe ohne jegliche äußere Differenzierung abbilden soll. Obendrein müssen dabei Hochbegabte und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbe­darf berücksichtigt werden – und das bei einem Klassenteiler laut Organisationserlass von 28 Schülern pro Lerngruppe und lediglich einer Lehrkraft. „Damit sind sowohl Schüler als auch Lehrer auf Dauer überfordert“, so der VBE-Sprecher.

Die bisher anerkannte Realschule, die nach dem Willen von Grün-Rot gleichfalls aus der Schullandschaft verschwinden soll, führt zunächst zu  e i n e m  Bildungsabschluss, der mittleren Reife, und beinhaltet – wie beim Gymnasium auch – den Hauptschulab­schluss, wenn ein Schüler nach Klasse 10 versetzt worden ist. Das Abitur strebt man dann nach der Realschule an einem beruflichen Gymnasium an, oder auch nicht.

Mit der Gemeinschaftsschule soll die Quadratur des Kreises gelingen. „Wie das unter dem Diktat des Rotstifts auf Dauer gutgehen kann, ohne dass dabei Schüler, Lehrer und der Leistungsgedanke unter die Räder kommen, bleibt nicht nur dem VBE zurzeit noch ein Rätsel“, sagt der VBE-Sprecher. Die Grundidee einer Gemeinschaftsschule an sich sei famos; aber dafür müssten auch die Rahmenbedingungen stimmen und behutsame äußere Differenzierungen innerhalb der Lerngruppe möglich sein. Hier werde jedoch aus ideologischen Gründen weiterhin gemauert.

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