VBE: Nach den Planungsgesprächen auf den Schulämtern herrscht bedrückte Stimmung bei den Verantwortlichen

Versorgung mit Lehrerstunden auf das Nötigste beschränkt 

Stuttgart. Die Planungsgespräche zwischen den Schulämtern und den Schulleitungen für das nächste Schuljahr auf Grundlage der aktuellen Schülerzahlen sind weitgehend abgeschlossen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Ba­den-Württemberg befürchtet nach ersten Rückmeldungen, dass die Ver­sorgung der Schulen mit Lehrerstunden wieder nur auf den Pflichtbereich beschränkt sein wird, da der Ergänzungsbereich weiterhin für Krankheits­vertretungen in Anspruch genommen werden muss.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Der VBE bemängelt, dass die Versorgung der Schulen mit Lehrerstunden wie­der nicht dem entsprechen wird, was eigentlich zur Steigerung eines qualifi­zierten Bildungs- und Erziehungsauftrages erforderlich wäre. Auch im nächsten Schuljahr können nötige Stütz- und Förderkurse erst dann erteilt werden, wenn genügend Lehrerstunden aus dem Ergänzungsbereich „übrig“ bleiben, kann für eine Theater- oder Schulchoraufführung im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft nur dann kontinuierlich geprobt werden, wenn Lehrer nicht abgezogen werden, um Krankheitsvertretung in anderen Klassen zu machen. 

Ein Teil der Arbeitsgemeinschaften kann zwar, solange Geld vorhanden ist, durch Lehrbeauftragte, Jugendbegleiter oder durch Kooperationen mit Vereinen abgedeckt werden; die eigentlichen Bezugspersonen der Schüler – die Lehrer – bleiben aber von diesen pädagogisch wertvollen Angeboten in der Regel ausge­schlossen, weil eben dafür keine Stunden mehr zur Verfügung stehen.

Weil die Schulen immer noch nicht genügend feste Vertretungslehrer („Sprin­ger“) haben – Baden-Württemberg ist hier deutlich schlechter versorgt als der Bundesdurchschnitt -, müssen bei Erkrankung von Lehrkräften besonders bei der „verlässlichen Grundschule“ immer wieder Klassen zusammengelegt wer­den, was zu einer massiven Beeinträchtigung der Unterrichtsqualität führt. „Vor allem, wenn die zusammenzulegenden Klassen größer sind, wird aus Unterricht schnell nur noch Betreuung“, moniert VBE-Landesvorsitzender Gerhard Brand. Dann litten zwei Klassen gleichzeitig unter der Erkrankung eines Lehrers.

VBE: Das Streichkonzert an Schulen muss ein Ende haben

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sorgt sich um die Schulen. „Die grün-rote Landesregierung wollte eine bessere Bildungspolitik; hat aber deutlich mehr versprochen als sie jetzt umsetzt“, kritisiert VBE-Chef Gerhard Brand. Nach wie vor fehlen AG-Stunden, Stütz- und Förderkurse sowie Lehrer als Krankheitsvertreter. Trotzdem sollen in den nächsten Jahren 11.600 Lehrerstellen wegfallen. Im neuesten Organisationserlass werde beim allgemeinen Entlastungskontingent kräftig gestrichen, obwohl eigentlich mehr Stunden vonnö­ten wären, moniert Brand.

Der VBE sieht mit Sorge, dass Lehrer jedes Problem der Gesellschaft aufarbeiten und lösen müssen, jeden Wunsch der Wirtschaft erfüllen sollen, dafür aber immer weniger Unterstützung von der Politik bekommen. „Lehrer sind keine Alleskönner, Ausputzer, Therapeuten oder gar Wunderheiler“, so VBE-Chef Brand. Die Pädagogen müssen nicht nur auf die korrekte Einhaltung der Bildungspläne achten, sondern sollen „neben­her“ auch noch die Fehlernährung bei Schülern bekämpfen, den Rechtsextremismus, Gewalt gegen Personen und Sachen, das Rauchen, Aids und Alkohol, Drogen und Ta­blettenmissbrauch, die frühe Überschuldung von Jugendlichen, Killerspiele, Fernseh- und Computersucht. Sie sollen den Europa-Gedanken und die Friedensliebe hochhalten und selbstverständlich die multikulturelle Integration fördern.

Der VBE fordert von der Politik bessere Rahmenbedingungen für die Schulen, ins­besondere ein moderneres Raumprogramm, mehr unterstützende Fachkräfte wie Sozi­alpädagogen, Schulpsychologen und Beratungslehrer sowie deutlich kleinere Lern­gruppen und Klassen mit höchstens 20 bis 25 Schülern. Außerdem müssen die Pädago­gen bei zusätzlichen Aufgaben entlastet werden. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Jetzt werden im allgemeinen Entlastungskontingent die sowieso viel zu knappen Ermä­ßigungsstunden gekürzt. Im Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulbereich, der bisher am schlechtesten bedient worden ist, soll die Anrechnung von 0,35 Wochenstunden pro Klasse auf 0,30 reduziert werden. Das entspricht einer Kürzung von 14 Prozent.

„Dass die grün-rote Landesregierung 11 600 Lehrerstellen streichen will, passt nicht zum Bildungsaufbruch und zum Konzept der vielfältigen gesellschaftlichen und päda­gogischen Aufgaben, die die Schulen jetzt gemeinsam schultern sollen“, bringt VBE-Chef Brand seine Kritik an der Bildungspolitik auf den Punkt.

Erster Preis für das Projekt „Fußball und Lesen“

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg e.V. und die Stiftung LERNEN vergeben erstmals in Baden-Württemberg den Förderpreis „Hauptsache Lesen“. Ausgezeichnet werden drei Grundschulen mit Projekten zur Leseförderung

Stuttgart – Die drei Gewinner des Förderpreises „Hauptsache Lesen“ stehen fest: Den ersten Preis erhält die Grundschule Lahr-Sulz für das außer- gewöhnliche Projekt „Fußball und Lesen“. Mit der Aktion „Mausklick zum Lesezimmerliebling“ überzeugte die Gemeinschaftsschule Neuenstein die Jury und wurde dafür mit dem zweiten Preis auszeichnet. Dritter im Wettbewerb um nachhaltige Leseprojekte wurde die Grundschule Michelbach, Gaggenau, die sich mit vielfältigen Leseaktionen um den Förderpreis be-warb. Den Förderpreis vergeben erstmals in Baden-Württemberg die Stiftung LERNEN der Schul- Jugendzeitschriften FLOHKISTE/floh! sowie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg e.V. Der Förderpreis sucht nach Leseprojekten in Grundschulen, die Kindern Lust auf Lesen machen. Die Preisverleihung für den ersten Sieger des Wettbewerbes, an der auch Gerlinde Kretschmann als Schirmherrin teilnehmen wird, findet am 15. Mai 2013 an der Grundschule Lahr-Sulz im Schwarzwald statt.

Grundschullehrerinnen und -lehrer waren aufgerufen, sich an der Ausschreibung zu beteiligen. Die Aufgabenstellung war klar umrissen: Die Bewerber sollten langfristige Leseaktivitäten in der Klasse oder an der Schule darstellen. Der Förderpreis wird für bereits verwirklichte, laufende oder im Ausschreibungszeitraum begonnene Projekte vergeben. Die einzige Bedingung: Sie sollen Lust auf Lesen machen.

„Lesen lernt man nur durch Lesen“, erklärte Günther Brinek, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung LERNEN. Es komme aber auch noch auf das „wie“ an. Hier setze der Förderpreis an, denn er wolle Pädagogen dazu ermuntern, sich Konzepte auszudenken, die Kinder zum Lesen animieren. „Unser Ziel ist es, die Leseerziehung an Grundschulen nachhaltig zu fördern. Die Schulen sollen angeregt werden, kreative Leseprozesse in Klassen sowie eine Gesamtidee für die ganze Schule zu entwickeln, in die auch Eltern eingebunden werden.“

„Die eingereichten Bewerbungen zeigen eindrucksvoll, wie kreativ an den Schulen gearbeitet wird und wie sehr sich Pädagoginnen und Pädagogen an Grund- schulen bemühen, Kindern Lesefreude zu vermitteln“, betonte Gerhard Brand, Landesvorsitzender des VBE Baden-Württemberg, „Die Leselust von Schülerinnen und Schülern zu wecken und zu fördern sei keine leichte Aufgabe“.

Brand und Brinek hoben den herausragenden Stellenwert des Lesens für die Persönlichkeitsbildung eines Kindes und für seine seelische und geistige Ent- wicklung hervor. Weil Lesekompetenz ein Gradmesser für die Chance auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe sei, müssten alle Kinder so früh wie möglich zum Lesen verlockt werden und Lesen lernen. „Es ist erfreulich, dass viele ba- den-württembergische Grundschulen die Leseerziehung sehr ernst nehmen und pädagogisch einfallsreiche Konzepte anbieten“, sagte Brand. Trotzdem gebe es noch viel zu tun, vor allem sei auch die Politik gefordert: Die von internationalen Studien wie PISA aufgedeckten Mängel beim Lesen und Textverständnis seien erschreckend. Darauf habe der neue „Nationale Bildungsbericht 2012“, der von der BMBF und der KMK in Auftrag gegeben wurde, noch einmal eindringlich hin- gewiesen. „Vor allem Jungen lesen nicht gern, viele ausländische Schüler/-innen sind wegen mangelnder Sprach- und Lesekompetenz beim Übertritt benachteiligt. Viele von ihnen sind auch mit 15 oder 16 Jahren nicht in der Lage, sinnentnehmend deutsch zu lesen.“ Der VBE-Landesvorsitzende sprach sich daher für weitere spezielle Förderangebote aus – „zumal nur sehr mühsam aufgeholt werden kann, was Kinder während der Grundschulzeit versäumen.“ Grundschullerer/-innen bräuchten zudem mehr Zeit und personelle Unterstützung, um sich noch intensiver um jedes einzelne Kind kümmern zu können. Mit der Vergabe des Förderpreises wollen die Initiatoren nicht zuletzt auch ein Zeichen für die Notwendigkeit einer neuen Lesekultur setzen. „Wir brauchen mehr davon“, erklärten Brand und Brinek. Die drei Preisträgerschulen hätten die Jury überzeugt, „weil sie auf besonders kreative und weit über das rein textbezogene Lesen aufzeigen, welche Potentiale das Lesen und Verstehen von Texten eröffnet.“

Die Preisverleihung, zu der wir Sie herzlich einladen, findet am Mittwoch, den 15. Mai 2013, an der Grundschule Lahr-Sulz, Waldstr. 7, in 77933 Lahr (Telefon: 07821/23412, E-Mail: info@grundschule-lahr-sulz.de) statt. Schirmherrin Gerlinde Kretschmann wird die Preise an die Gewinnerschule übergeben. Beginn ist um 10.00 Uhr, voraussichtliches Ende gegen 12.00 Uhr.

VBE rät: Bei Klassenfahrten vor allem auf Sicherheit achten und sich nicht durch einem Billigpreis ködern lassen

Stuttgart. Meist finden in den letzten Wochen des Schuljahres die Jahresausflüge statt, wer­den Lernfahrten zu Sehenswürdigkeiten, Museen oder Gedenkstätten durchge­führt. Sofern man nicht mit der Bahn fährt, werden dafür in der Regel Omnibus­se geordert. Busreisen sind im Allgemeinen sehr sicher. Trotzdem rät der Ver­band Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Angebote von Busun­ternehmen für Klassenfahrten kritisch zu prüfen und grundsätzlich der Sicher­heit vor einem Billigpreis den Vorzug zu geben.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

„Beim Vergleichen der Angebote sollte auf keinen Fall nur auf den Preis für die Bus­fahrt geschaut werden“, warnt VBE-Landeschef Gerhard Brand. „Die Sicherheit der Schüler und Lehrer muss absoluten Vorrang haben, damit die Klassenfahrt tatsächlich zu einem Höhepunkt im Schuljahr werden kann.“ Darüber muss Einvernehmen herr­schen zwischen Lehrern und den Eltern, die die Fahrt für die Schüler bezahlen. Auf Kosten der Gesundheit von Schülern und Begleitpersonen darf nicht gespart werden.

Es ist sinnvoll, wenn sich die Organisatoren vorher über die Sicherheitsbestimmun­gen für Reisefahrzeuge und die Anforderungen an Busfahrer kundig machen und die Einhaltung der Vorschriften gegebenenfalls einfordern – etwa die Pausenzeiten der Fahrer. „Das Motto für jede Klassenfahrt kann nur heißen: Sicherheit vor Sonderpreis“, legt Brand die Prioritätenliste fest. Geiz wäre in diesem Fall alles andere als „geil“ und könnte sich als schädlich für Leib und Leben der Fahrgäste erweisen.

Der VBE erwartet von den Busunternehmern eine seriöse und sichere Durchführung aller Klassenfahrten. Bei offensichtlichen Mängeln wie einem alkoholisierten Fahrer oder abgefahrenen Busreifen sollte noch vor Reiseantritt über die örtliche Polizei eine Sicherheitskontrolle angefordert werden.

Knallharter Konkurrenzkampf der Firmen, der auf dem Rücken der Reisenden ausge­tragen wird und zu Lasten der Gesundheit aller geht, kann gemeingefährlich werden. „Die Qualität der Angebote definiert sich in erster Linie über die aktive und passive Sicherheit der Fahrgäste“, so Brand. Der VBE-Vorsitzende warnt auch davor, sich durch den Abschluss einer Reiseunfallversicherung mehr Sicherheit für die Klassen­fahrt vorgaukeln zu lassen. Das eine habe mit dem anderen nur indirekt zu tun.

VBE: Lehrer weder Wunderheiler noch Therapeuten

Bessere Rahmenbedingungen an Schulen würden die Arbeit erleichtern

Stuttgart. „Schule belastet Schüler, Eltern und Lehrer immer stärker. Schüler leiden unter sozialen oder familiären Problemen. Eltern fiebern insbesondere den Jahreszeugnissen und dem Schulabschluss ihrer Kinder entgegen. Für Lehrer sind schwierigere, unter schlechten Rahmenbedingungen leidende Schüler sowie zu große Klas­sen die stärkste Belastung“, stellt Gerhard Brand, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, fest.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Mit Sorge sieht der VBE-Landeschef die steigende Zahl verhaltensauffälliger Schüler. Bei Kindern und Jugendlichen nehmen verbale Ausfälligkeiten zu, psychosomatische Störungen, Mobbing und Verweigerungshaltungen. Der VBE appelliert an Politiker und Kultusbehörden, von erdrückenden Forderungen an Schule und Lehrerschaft Ab­stand zu nehmen und realistische Ziele zu setzen. „Lehrer können nicht jedes Problem der Gesellschaft aufarbeiten und lösen und auch nicht jeden Wunsch der Wirtschaft erfüllen. Lehrer sind keine Alleskönner, Animateure, Therapeuten oder gar Wunder­heiler“, so der VBE-Chef wörtlich.

Der VBE ermutigt alle Eltern, bei der Erziehung mehr von ihrer natürlichen Autorität Gebrauch zu machen und den Kindern – gerade wenn sie sie lieben – deutliche Grenzen zu setzen und konsequent auf deren Einhaltung zu bestehen.

Der VBE fordert von der Politik bessere Rahmenbedingungen an den Schulen, ins­besondere mehr unterstützende Fachkräfte wie Sozialpädagogen, Schulpsychologen und Beratungslehrer sowie deutlich kleinere Klassen und Lerngruppen mit dem Ziel, dass allerhöchstens 25, besser noch 20 Schüler in einer Klasse sitzen. Außerdem müs­sen die Pädagogen spürbar von zusätzlichen Aufgaben entlastet werden.

Jetzt werden aus dem allgemeinen Entlastungskontingent auch noch Ermäßigungs­stunden, die sowieso viel zu knapp bemessen sind, gestrichen. Im Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulbereich, der bisher schon am schlechtesten dran war, soll die Anrechnung von 0,35 Wochenstunden pro Klasse auf 0,30 zurückgefahren werden. Das entspricht einer Kürzung von 14 Prozent. „Die von der grün-roten Landesregie­rung geplanten Streichungen von 11 600 Lehrerstellen passen nicht zu den vielen zu­sätzlichen Aufgaben, die die Schulen schultern müssen“, kritisiert VBE-Chef Gerhard Brand.

VBE: Bei Kindern in der Grundschule wieder mehr auf ein gefälliges Schriftbild achten – Wenn nicht da, wann dann?

Stuttgart. Das Schreiben mit der Hand und nicht über eine Tastatur praktiziert man vor al­lem in den Schulen. Gab es früher sogar das im Zeugnis ausgewiesene Fach „Schönschreiben“, denkenheute manche Schulen laut über eine weitere Vereinfa­chung der Schrift nach. Der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) warnt davor, eine gefällige, gut lesbare Schrift als unwichtig abzutun.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Aus der Sütterlinschrift entwickelte sich die „Deutsche Volksschrift“. Nach dem zwei­ten Weltkrieg mussten die Schüler neben den Druckbuchstaben die „Lateinische Aus­gangsschrift“ erlernen, deren Rundungen und Schnörkel manchen Pädagogen später ein Dorn im Auge waren. „Schönschreiben“ als eigenständiges Unterrichtsfach war schon lange abgeschafft, da durften Schulen ab den Neunziger Jahren als Alternative auch die „Vereinfachte Ausgangsschrift“ verwenden.

Ein Drittel der Jungen und zehn Prozent der Mädchen hätten, so heißt es, am Ende der Grundschulzeit eine unleserliche Handschrift. Deshalb erproben seit 2011 einige Schulen die Grundschrift, eine Art Druckschrift, dessen Buchstaben sich gelegentlich berühren. Der VBE-Sprecher warnt davor, beim Schrifterwerb in der Eingangsstufe und während der ganzen Grundschulzeit die Freude am Schreiben zu vernachlässigen. Die Schule sei für viele Heranwachsende der einzige Ort, an dem die Fähigkeit, mit der Hand zu schreiben, überhaupt noch ein Thema ist. „Im Zeitalter von Compu­tern und Smartphones wird leider mehr auf Tastaturen getippt als der Umgang mit Fül­ler und Schreibstift gepflegt. Das Kulturgut Handschrift wird zur Nebensache“, mo­niert der VBE-Sprecher.Damit das Schreibenlernen aufgewertet werden kann, müssen an den Grundschulen entsprechende Arbeitsbedingungen herrschen. Dazu gehört aus­reichendes Lehrpersonal und Zeit, damit die Grundschulkinder in Ruhe und ohne Druck das Schreiben üben können, denn Übung gehört nun einmal dazu. Die jungen Schüler sollten das Schreiben als einen positiven Prozess erleben, an dem sie wachsen und reifen.

Leider geraten an den Schulen auch andere Kulturtechniken wie Singen, Malen oder Musizieren mehr und mehr ins Hintertreffen. Unterrichtsfächer, die ver­meintlich nicht fürs „Weiterkommen“ wichtig sind, werden an den Rand gedrängt und verlieren weiter an Bedeutung. Natürlich soll die Schule nicht zum Schönschreibdrill zurück­kehren, aber trotzdem daran arbeiten, die Vorzüge einer gut lesbaren Schrift aufzuzei­gen und ein gefälliges Schriftbild als Ausdruck von Individualität intensiv zu pflegen.

19. April 2013

VBE: Schule ist kein Wunschkonzert – Zwischen Anmeldung und Abschluss liegen viele arbeitsintensive Jahre

Stuttgart. „Natürlich wünschen sich Eltern einen möglichst hohen Bildungsabschluss für ihre Kinder“, bestätigt Gerhard Brand, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, die Aussage des Kultusministers zu den Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen. Aber so mancher Vater würde auch gerne einen Porsche fahren und ist heilfroh, wenn er wenigstens die Raten für den Volkswagen abstottern kann.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

„Der Kultusminister setzt die hohen Übergangszahlen bereits mit dem Erreichen des Bildungsabschlusses der gewünschten Schulart gleich“, kritisiert Brand die euphori­schen Worte aus dem Ministerium. Auch bisher haben nicht alle Fünftklässler auf den weiterführenden Schularten wirklich bis zum Abschluss durchgehalten. Um wie viel höher erst müsse die Abbrecherquote durch den Wegfall der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung ausfallen, fragt der VBE-Chef voller Sorge.

Erschwerend kommt hinzu, dass gleichzeitig mit dem Wegfall der Zugangshürde die Stütz- und Fördermaßnahmen aus dem schon zusammengestrichenen Ergän­zungsbereich weiter spürbar zurückgefahren werden, nicht aus pädagogischen Grün­den, sondern um Geld zu sparen. „Die Vielfalt von Schülern mit Schwierigkeiten nimmt zu, die Lehrer aber werden mit den Problemen im Stich gelassen“, moniert Brand. Natürlich wünschen sich Eltern für ihre Kinder den bestmöglichen Schulabschluss. Vor diesem Abschluss stehen aber fünf, sechs, acht oder neun ar­beitsintensive Jahre. Ganz gleich, ob die Kinder eine Hauptschule, eine Realschule, ein Gymnasium oder eine Gemeinschaftsschule besuchen: durch den Übertritt auf diese Schulart ist der Abschluss noch nicht garantiert. Was gedenkt das Kultusminis­terium mit all den Schülern zu machen, bei denen der Elternwunsch an der schuli­schen Realität scheitert. Fatal wäre es, die Standards abzusenken, damit die Ab­schlüsse mehr oder minder von jedem erreicht werden können. Wer weiterhin eine hohe schulische Qualität haben möchte, darf bei den Leistungsanforderungen keine Abstriche machen, unterstreicht Brand und fordert das Kultusministerium auf, alle Schulen so mit Lehrerstunden auszustatten, dass kein Schüler durchs Raster fällt.

15. April 2013

VBE: Realschulen als Steigbügelhalter für die Gemeinschaftsschulen heftig umworben

Stuttgart. Die Realschule als anerkannte „Sandwich“-Schulart zwischen Gymnasium und Hauptschule kam jahrelang ganz selten in die Schlagzeilen der Presse. „Sie war einfach da, sehr beliebt und machte hervorragende Arbeit“, sagt Gerhard Brand, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Doch nun spricht alle Welt von der Realschule, da es ohne die Realschule keine Ausbreitung der politisch gewollten Gemeinschaftsschule geben kann. Deshalb fühlen sich viele Realschulen plötzlich als Mittel zum Zweck umworben.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

In der Realschule wurde und werde solide Arbeit geleistet, unterstreicht der VBE-Chef. Das sei sicher auch mit ein Grund, warum diese Schulart bisher so wenig in den Schlagzeilen war. Schüler, Eltern, und Lehrer waren und sind mit „ihrer“ Realschule hochzufrieden. Als ein Ärgernis galten höchstens die meist bis zum Klassenteiler vollgefüllten Klassen, die durch „Rückkehrer“ aus den Gymnasien während des Schul­jahres auch bisweilen über Limit geführt werden mussten. Dass von Realschulseite kaum Klagen öffentlich geäußert wurden, heißt noch lange nicht, dass Schüler, Eltern und Lehrer dort nicht unter den zu vollen Klassen leiden; Klassen, die nach dem Wegfall der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung noch größere Vielfalt in der Schülerschaft aufweisen.

Der VBE will nicht die Abwicklung der Realschule, sondern deren Stärkung durch den Ausbau des Wahlpflichtbereiches, eine Überarbeitung der Konzeption der Fächer, die Hervorhebung des typischen Profils dieser Schulart, eine zeitliche Entlastung der Kollegien und Schulleitungen, zusätzliche Lehrerstunden und Pädagogische Assisten­ten, die es bisher nur an Grund- und Werkrealschulen gibt, sowie die Erweiterung der Realschule um zwei Jahrgangsstufen mit der Möglichkeit, dort die Fachhochschulreife zu erwerben (R8) und eine verstärkte Vernetzung mit den beruflichen Gymnasien.

Während Haupt- und Werkrealschulen ein sehr starkes Interesse daran haben, sich zu einer Gemeinschaftsschule weiter zu entwickeln, herrscht auf Realschulseite weiterhin große Zurückhaltung. Ungeachtet dessen spricht der VBE den Lehrkräften an den 42 aktuellen und an den 87 fürs kommende Schuljahr genehmigten Gemeinschaftsschulen Respekt und Anerkennung aus für die Pionierarbeit, die mit erheblichem Mehraufwand an pädagogischen Innovationen und persönlicher Einsatzbereitschaft verbunden ist.

12.04.2013

VBE: Die Lehrerfortbildung muss Motor der Schulentwicklung werden

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht die Not an den Schulen: Lehrer sollen die Schulentwicklung voranbringen, neueste pädago­gische Konzepte vom individuellen Lernen über Inklusion bis zur Gemeinschafts­schule professionell umsetzen, werden aber dabei mehr oder minder allein gelas­sen. „Und wenn eine Schule initiativ wird, einen Experten als Fortbildner einlädt, soll der möglichst auch noch ganz wenig kosten“, moniert der VBE-Sprecher.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, die lediglich in homöopathischer Verdünnung bei den Lehrkräften des Landes ankommen, können nach Auffassung des VBE keine weltbewegenden Veränderungen an den Schulen bewirken. Wer Schule neu denken will, sollte nicht nur neue Wege in der Lehrerausbildung beschreiten, sondern auch an die denken, die bereits seit Jahren in der „Tretmühle Schule“ arbeiten. Der VBE kri­tisiert, dass Lehrkräfte, die bereits im System Schule verwurzelt sind, viel zu wenig Beachtung finden und Mittel für Fortbildung sogar gekürzt statt aufgestockt werden.

Es kann etwas am Konzept nicht stimmen, wenn Fortbildung nur für einen sehr ein­geschränkten Adressatenkreis stattfindet, der das erworbene Wissen wiederum an Mul­tiplikatoren weiterreicht, die anschließend nach dem Schneeballsystem in der Region dafür sorgen, dass Lehrer sich nebenher fortbilden und danach das jeweils eigene Kol­legium im Rahmen einer Lehrerkonferenz über die Neuerungen informieren,. Das ist alles andere als professionell und erinnert eher daran, wie Kinder „Stille Post“ spielen.

Wer qualitativ höherwertigen Unterricht will, muss dafür sorgen, dass Lehrer höher­wertig aus- und fortgebildet werden. Qualifizierte Lehrgänge auf Akademie-Ebene sollten dem ganzen „pädagogischem Fußvolk“ mit ausreichenden Angeboten offenste­hen. Jetzt rächt es sich, dass die Landesakademien in Calw und Donaueschingen dicht machen mussten. Bad Wildbad, Esslingen und die Comburg stoßen an Kapazitätsgren­zen. Vor allem die mehrtägigen Kurse in aktueller Pädagogik sind so überlaufen, dass Interessenten Absagen erhalten. Auf der anderen Seite müssen regionale Lehrerfortbil­dungen – das sind zusätzliche nachmittägliche Angebote nach fünf oder sechs anstren­genden Schulstunden am Vormittag – oft mangels Nachfrage storniert werden.

Lehrer sollen sich den gesellschaftlichen Veränderungen stellen, sollen Schulprofile entwickeln, neue Bildungspläne und Bildungsstandards umsetzen, mit Schulentwick­lung und Evaluation umgehen. Dafür wird optimale Fortbildung benötigt. Eine zeitge­mäße Lehrerfortbildung lässt Pädagogen nicht im „eigenen Saft“ schmoren, sondern bringt immer wieder qualitativ hochwertige Impulse – von außen. Und das kostet Geld.

7. April 2013

VBE: Den Umgang mit dem Computer auch für Grundschüler mit in die neuen Bildungspläne aufnehmen

Stuttgart. Computer sind in den weiterführenden Schulen selbstverständliche Arbeits- und Hilfsmittel für Schüler geworden. „Leider sieht es mit der Multimedia-Aus­stattung und der Anwendung von Computern im Grundschulunterricht nicht so günstig aus“, stellt der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Gerhard Brand, mit Bedauern fest.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Bereits vor knapp zwanzig Jahren – Ende 1994 – wurde ein Modellversuch „Computer an Grundschulen“ gestartet. Dabei ist es auch geblieben. „Heute stehen in etlichen Grundschulen zwar schon Rechner – vor allem, wenn engagierte Lehrer sich darum bemühen -, in den Bildungsplan des Primarbereiches hat die neue Technologie anders als in der Sekundarstufe noch immer offiziell keinen Einzug gehalten“, bemängelt der VBE-Vorsitzende.

Viele Grundschüler zeigen sich als Profis, wenn es um Computerspiele geht. Es wäre pädagogisch leichtfertig, die positiven Anwendungsbereiche der Geräte im Grund­schulbereich auszuklammern und sich die Chancen entgehen zu lassen, die die Compu­ter zur Lernmotivation der Schüler bieten. Sinnvoll wäre der Einsatz von Textverarbei­tungsmöglichkeiten in Deutsch und entsprechender Software in Mathematik im Rah­men differenzierender Stütz- und Fördermaßnahmen, die Informationsbeschaffung im Internet für das Fach MeNuK (Mensch Natur und Kultur), der Einsatz von Computern im Fremdsprachenunterricht, beim Wochenplan und in der Freiarbeit und nicht zuletzt als Trainingsmöglichkeit partnerschaftlichen Verhaltens bei Gruppenarbeit.

„Die Grundschule könnte durch die Aufnahme der Computer in den Bildungsplan noch mehr ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag gerecht werden, indem sie den Schülern zusätzliche Erfahrungsräume öffnet und sie zum sinnvollen Umgang mit den neuen Medien anleitet“, stellt der VBE-Chef fest, selbst wenn das dem Professor Man­fred Spitzer nicht so gefalle. Durch die offizielle Anerkennung des Computers als Arbeitsmittel auch für Grundschüler würden die nervigen Diskussionen mit dem Schulträger über die Übernahme oder Nichtübernahme der Sachkosten entfallen.