Wenn bei Schülern „Mobbing“ auf dem Stundenplan steht

 

VBE sieht Handlungsbedarf bei der Lehrerausbildung

Stuttgart. „Mobbing“ ist kein Unterrichtsfach, und trotzdem steht es bei vielen Schü­lern täglich auf dem Stundenplan – bei Tätern und Opfern. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg ermuntert Eltern und Lehrer, genauer hinzusehen und gemeinsam gegen krank machende Ausgrenzungen und das Nie­dermachen einzelner durch Gruppen vorzugehen.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Es sind nicht immer die schlagzeilenträchtigen Attacken, die nicht gut für die Schulen sind. Es sind auch die täglichen kleinen, aber auf Dauer tief verletzenden Sticheleien, die schadenfroh hinausposaunten Schwächen von Mitschülern und das bewusste Aus­grenzen von Kindern und Jugendlichen, die in der Regel wahllos ausgesucht und ge­meinsam „fertig“ gemacht werden. Bei diesen zunächst meist lediglich verbalen Atta­cken machen selbst Schüler mit, die sonst völlig unauffällig erscheinen, die aber zei­gen wollen, dass sie mit zur Gruppe gehören. Werden sie zur Rede gestellt, war alles nur „Spaß“ – jedoch nicht für deren Opfer.

Schwierig wird es, wenn Mobbingopfer sich weder Eltern noch Lehrern offenbaren, Zeugen beharrlich schweigen. Lehrer spüren, wenn etwas in einer Klasse nicht stimmt, können bei einer „gefühlten“ Bedrohung die Situation zwar ansprechen, jedoch keine wirkungsvollen Maßnahmen ergreifen und auch keine Strafen verhängen. „Eltern in­terpretieren das dann gerne als bewusstes Weggucken“, moniert der VBE-Vorsitzende Gerhard Brand. Auch in der Schule gilt der Rechtsgrundsatz, dass der Täter erst „über­führt“ werden muss, bevor dessen Verhalten nach einer Anhörung, zu der neben dem Schüler auch dessen Eltern geladen sind, sanktioniert wird. Der § 90 des Schulgesetzes („Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen“) gibt den formalen Rahmen vor, innerhalb dessen sich die Schule bewegen kann.

Besser als Strafe sei Vorbeugung, damit es erst gar nicht zum Mobbing komme, sagt Brand. Schule sei immer ein Spiegel der Gesellschaft. Und wenn in Firmen, in Ver­einen, in Fernsehsendungen und manchmal sogar innerhalb der Familie gemobbt wer­de, müsse man sich nicht darüber wundern, wenn die Schule auch keine „Insel der Se­ligen“ mehr sei. Um den in manchen Klassen für einzelne wirklich schlimmen Zustän­den entgegenzuwirken, seien an den Schulen mehr Psychologen und Sozialarbeiter er­forderlich sowie besser aus- und fortgebildete Lehrer, fordert der VBE-Chef. Angst dürfe keine Schule machen; denn die sei stets ein schlechter Lehrmeister und habe in Klassenzimmern nichts verloren.

4. Dezember 2011

VBE weist Kritik an der Lehrerschaft zurück

Rechtschreibung ist so wichtig, wie die Gesellschaft es möchte

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg weist die Kritik des Rats für deutsche Rechtschreibung (Mannheim) an den Lehrern in aller Deutlichkeit zurück. Korrektes Schreiben ist ordentlicher Bestandteil aller Bildungspläne, wird aber in der Realität stets nur so viel Gewicht haben, wie die Gesellschaft der Rechtschreibung de facto auch einräumt.
VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

In den 70er-Jahren wurde auch in Folge der Thesen des englischen Soziologen Basil Bernstein zu den schichtspezifischen Ebenen der Sprache („elaborierter Code“ der Ober- und Mittelschicht und „restringierter Code“ der Unterschicht) der Wert von Rechtschreibung an sich immer mehr infrage gestellt. Das Gewicht, das in den Schulen auf „korrekte“ Sprache und orthographisch richtiges Schreiben gelegt worden war, wurde hinterfragt. Nicht auf das „Vehikel“ Schrift komme es an, sondern ausschließlich der Inhalt sei von Bedeutung, hieß es. Das „Mündliche“ bekam gegenüber dem „Schriftlichen“ ein besonders Gewicht.

In den „Hessischen Rahmenrichtlinien“ von 1972 fanden diese Gedanken Niederschlag und provozierten damals – auch im deutschen Blätterwald – heftige Diskussionen. Man machte man sich verstärkt Gedanken darüber, ob richtiges Schreiben durch das häufige Diktieren von Texten, wie es in der Grundschule üblich war („das wöchentliche Diktat“), wirklich „erlernt“ werden könne.

Die Rechtschreibreform zur Jahrhundertwende (1998) ließ die Diskussion über den Wert richtigen Schreibens wieder aufflammen. Auch da ging es in emotional geführten Debatten darum, ob mit einer veränderten Rechtschreibung der Untergang des Abendlandes drohe. „Lehrer halten sich an die Vorgaben der Bildungspläne“, weist VBE-Chef Gerhard Brand, die Kritik des Rechtschreibrates an die Adresse der Lehrerschaft zurück. Wenn der Rat etwas verändern wolle, müsse er bei den Lehrplänen ansetzen. Außerdem sei in der Gesellschaft noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, damit richtiges Schreiben nicht nur in der Schule wieder als wertvoll angesehen werde. Zurzeit sei die Rechtschreibung – insbesondere bei Kurznachrichten (SMS), in Chaträumen und Online-Foren – nicht einmal zweitrangig, sondern völlige Nebensache. Erst bei Bewerbungsschreiben greife man dann sicherheitshalber zum Duden.

30. November 2011

VBE zum Vorweihnachtsrummel: Kinder lieben Geschenke, brauchen aber vor allem die Liebe ihrer Eltern

Stuttgart. Mit dem Auftakt des Vorweihnachtsgeschäftes ist der Handel zufrieden. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg gönnt den Kaufleuten die umsatzträchtigste Zeit des Jahres, möchte den Eltern aber ans Herz legen, ihren Kinder nicht nur Geschenke zu kaufen, sondern ihnen auch mehr Zeit zu schenken. Kinder lieben zwar Geschenke, benöti­gen aber vor allem die Liebe der Eltern, die sich nicht ersatzweise im Ma­teriellen ausdrücken sollte.

 

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Es sei nicht verkehrt, so der VBE-Vorsitzende, Gerhard Brand, sich jetzt in der Adventszeit mit stimmungsvollen Weihnachtsmärkten und festlich geschmück­ten Kaufhäusern und Läden ein paar Gedanken über die eigentliche Bedeutung des Christfestes zu machen. Der VBE rät, Geschenke für Kinder eher zurückhal­tend und mit Bedacht einzukaufen. Die Advents- und Vorweihnachtszeit hat immer mehr die ursprüngliche Bedeutung verloren und ist im Handel und Ge­werbe zu einer fest einkalkulierten wirtschaftlichen Größe geworden. Die Ein­stellung „lieber viele Geschenke kaufen, anstatt sich etwas mehr Zeit für ein­ander zu nehmen“, hat sich nach Auffassung des VBE als besonders negativ für Kinder herausgestellt, die in erster Linie auf eine stabile emotionale Zuwendung und weniger auf Berge von Geschenken angewiesen sind, obwohl der Wunsch­zettel nach Auffassung der Kinder wahrscheinlich nie zu groß sein kann.

„Weil sich Kinder und Jugendliche immer mehr in virtuelle Lebensräume und Communities flüchten, wäre es heute wichtiger denn je, dass Eltern Zeit in ihre Söhne und Töchter investieren und ihnen das ganze Jahr hindurch signalisieren, wie wertvoll und wichtig sie ihnen sind“, unterstreicht der VBE-Chef nach dem ersten Einkaufssamstag der in diesem Jahr fünfwöchigen Adventszeit. Spiele­konsolen, iPads oder iPods und ein multimediafähiger Computer zu Weihnach­ten bedeuteten zwar die Erfüllung so manchen Kindertraumes, seien jedoch nie Ersatz für die Präsenz der Eltern und deren verlässliche Zuwendung, wirbt der VBE-Vorsitzende dafür, trotz aller Hektik und Alltagsstress gerade in der Vor­weihnachtszeit mehr Zeit für das eigene Kind zu haben. „Kinder und Jugend­liche brauchen einen vertrauten Ansprechpartner, mit dem sie über alles reden können“, so Brand. Gemeinsames Plätzchenbacken, ein Spielenachmittag, das Vorlesen einer Gutenachtgeschichte und wirklich geduldiges Zuhören sind Ge­schenke, die nichts kosten und gerade für Kinder besonders wertvoll sind.

27. November 2011

Individuelle Förderung und standardisierte Tests im Wettstreit

VBE warnt vor falsch verstandener Testeritis-Gläubigkeit

Stuttgart. Während einerseits in den neu einzurichtenden Gemeinschaftsschulen No­ten eine untergeordnete Rolle spielen sollen, werden Schüler andererseits mit immer mehr standardisierten Tests, Diagnose- und Vergleichsarbeiten, mit Kompetenzanalysen und zentralen Klassenarbeiten „beglückt“. Im Schlagschatten internationaler Vergleichsstudien werden Kinder und Ju­gendliche allzu gern – mit durchaus hehren Absichten – in Raster gepresst, welche computergestützte statistische Auswertungen und Rankings erleich­tern. Aber nicht alles lässt sich mit Hilfe von Datenbanken erfassen, nicht alle Schüleraktivitäten lassen sich vergleichen.

Wenn Schulen dem Leitbild folgen “Wir machen Kinder stark“, lässt sich das nur schwer evaluieren, unterstreicht der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Zu tiefgehend und zu vielschichtig sind die Anforderun­gen, die an valide Ergebnisse gestellt werden. Immer deutlicher kristallisiert sich heraus, dass Schulen sich nicht mit den Methoden der Wirtschaftsunternehmen messen und steuern lassen, und dass Vergleichsstudien wie Pisa pädagogische und soziale Erfolge nur fragmentarisch und lediglich mehr oder minder am Ran­de erfassen. Messbarkeitshörigkeit verlangt aber nach harten Fakten. So ist es nur natürlich, dass vor allem Lesekompetenz, Sprachen, Mathematik und Natur­wissenschaften in den Fokus der Untersuchungen rücken und „abgefragt“ wer­den und weniger die sozialen Kompetenzen, musisch-ästhetische Aspekte, Ar­beitszufriedenheit und die psychische Stabilität der Schüler.

Material- und Zeitaufwand stehen häufig in keinem vernünftigen Verhältnis zu der Unterstützung, die auf das Ergebnis folgen müsste. So soll jetzt auch an den achten Realschulklassen die Kompetenzanalyse AC (Assessment Center) einge­führt werden. Aber weder Stütz- und Förderstunden noch kleinere Klassen noch Pädagogische Assistenten hält die Landesregierung für die Realschulen in petto, um die Situation dieser erfolgreichen und stabilen, aber von den Schülerzahlen ziemlich „gebeutelten“ Schulart zu optimieren. „Nicht die Diagnose verbessert die Qualität der schulischen Arbeit; man benötigt vor allem die passende `Medi­zin´ und eine adäquate `Therapie´, um den Lernerfolg der Schüler noch mehr voranzubringen“, sagt VBE-Chef Gerhard Brand. Tests und Vergleiche könnten in bestimmten Bereichen durchaus Defizite aufzeigen, aber nicht beseitigen. Al­les lasse sich in der Schule sowie nicht in Diagramme und Tabellen pressen. Deshalb warne der VBE vor einer Testeritis-Gläubigkeit.

20. November 2011

VBE: Was ist mit der Musik jetzt los?

Soll die Musik in der Schule jetzt noch kleiner gehalten werden? Dies fragt sich die Referatsleiterin „Grundschule“ im Verband Bildung und Erziehung (VBE) Südbaden, Ingrid Furrer (Schwanau) angesichts der neuen Initiative der Landesregierung, das erst vor eineinhalb Jahren von der Vorgängerregierung eingeführte Programm „Singen-Bewegen-Sprechen“ zu verwässern?

Ingrid Furrer, Referatsleiterin Grundschule des VBE Südbaden

Das Kultusministerium plant, Inhalt und Instrumente des Landesprogramms „Singen-Bewegen-Sprechen“ (SBS) für die Sprachförderung in den Kindergärten zu übernehmen. Die Sprachförderung soll zum Kindergartenjahr 2012/13 ausgebaut werden. Das Problem: Obwohl das Programm auf mehrere Jahre eingerichtet war, hatte die Vorgängerregierung kein finanzielles Polster über das Jahr 2012 hinaus angelegt. Das zeigt jetzt Folgen, weil die neue Regierung andere Prioritäten setzt. Schwärmerisch höre man Kultus – Staatssekretär Dr. Mentrup von einer Ausweitung des Programms sprechen und den Schwerpunkt dabei auf mehr Sprecherziehung zu legen, so Ingrid Furrer.

 

Dabei sei der Hintergrund ein ganz anderer: Mangels einer genügenden Anzahl von ausgebildeten Musiklehrkräften und dem Verschwinden des Faches in Fächerverbünden der Grund- Haupt- und Werkrealschule, hat sowohl die musikalische, wie auch die künstlerische und werkende Ausbildung zwangsläufig an Qualität nachgelassen. Dazu kam in der Elementarstufe ein Dahindarben der Musik mangels ausgebildeten Personals. Furrer: „In höchster Not wollte man schnell Musiklehrer ‚backen‘ und holte die Musikschulen als Arbeitgeber und die Kommunen und Eltern als Zahlende mit ins Boot, denn das Programm sollte zum Schluss von den Kindergärten bis in die Grundschule laufen. Nun aber wird es unterbrochen und umgewidmet und dient als erneuter Notnagel einem ganz anderen Zweck.“

Im Koalitionsvertrag komme  der Ausbildung und Sprecherziehung im Kindergarten eine bedeutende Rolle zu. Genau in diese Richtung zielt nun die beabsichtigte abgeänderte Form des Programms, das in seinen Einzelheiten allerdings noch nicht festgezurrt ist, weiß die Referatsleiterin.

Der VBE Südbaden sieht die Gefahr, so Ingrid Furrer, dass die Musik, die damit weiter an Bedeutung verliert, nicht ersetzt wird und die Sprecherziehung mit diesem kleinen „Schub“ gar nicht erst die richtige Bedeutung erlangt. Landesweit stelle damit die Landesregierung einen echten Beitrag zur Persönlichkeitsbildung junger Menschen zur Disposition.

16.11.2011

 

Schulen brauchen Qualität

Wenn das Land Baden-Württemberg die Gemeinschaftsschule nach und nach in der Fläche installieren will, sollten nach Ansicht der Junglehrervertreterin des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) im Landesbezirk Süd-Württemberg, Kerstin Türk (Bad Saulgau), bereits die Anfangsvoraussetzungen so geschaffen werden, dass ein attraktives Novum entsteht, das sich nicht dem Diktat des Rotstifts bereits von Beginn an unterwerfen muss.

Kerstin Türk, Junglehrervertreterin im VBE Südwürttemberg

Für alle anderen Schularten sei es jedoch ebenso wichtig, so Türk, dass sie an diese bessere Ausstattung anknüpfen können. Schülerinnen und Schüler haben überall im Land ein Recht auf eine optimale Ausbildung und gerade diese Regierung sei angetreten um mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen. Das könne und müsse eben auch bedeuten, so Kerstin Türk, dass der 100 Prozent – Bereich der Direktzuweisungen für alle Schularten endlich wieder erweitert werden muss. Stütz- und Förderkurse, die in früheren Zeiten verpflichtend den Schulen zugewiesen wurden, waren in den letzten Jahren Mangelware. Kürzungsmaßnahmen dieser Art wurden dazu benutzt, um die Lehrerarbeitszeit zu verdichten um Erfolge bei den Neueinstellungen verbuchen zu können. Letzteres erkennt der VBE für die frühere CDU-/FDP-Regierung lobend an.

 

Bei Grün-Rot haben sich die Vorzeichen im Zuge zurückgehender Schülerzahlen geändert. Obwohl der VBE weiterhin für die Schaffung neuer Stellen eintritt -für eine bessere Schule gibt es noch so viel zu tun-, bedeutet es heute schon ein Fortschritt, wenn Lehrerstellen im System „Bildung“ erhalten werden können. Allerdings treffe man bereits jetzt das alte -keineswegs vorbildliche- Modell an: Während die millionenschwere Wunschliste der Ministerin Zeitungsseiten (nicht nur -spalten) füllte, sind auch die Pädagogischen Assistenten ein Opfer dieser Entwicklung. Mit den Neueinstellungen ab 1.9.2012 hat sich die Landesregierung ein System ausgedacht, eben diese Neueinstellungen so zu erschweren, dass es dann in diesem Bereich kaum noch neue Pädagogische Assistenten geben wird. Überall -besonders in ländlichen Gebieten- fehlen Krankheitsvertretungen. Auch hier wird der VBE als Lehrervertretung Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer an ihren Aussagen messen. Wie in jedem ordentlich planenden Betrieb der freien Wirtschaft braucht auch der Staat eine Krankheitsreserve von 5 Prozent. Die derzeitige Krankheitsreserve ist bereits zu Schuljahresbeginn aufgebraucht. Nach den Forderungen des VBE müssen die zur Verfügung stehenden Krankheitsvertretungen von derzeit 1250 schrittweise auf 5000 Stellen erhöht werden.

14.11.2011

VBE mahnt: Sparmaßnahmen bei Beamten dämpfen Motivation der Lehrer für einen Bildungsaufbruch

Stuttgart. Einerseits hat die Landesregierung mit den Gemeinschaftsschulen und der Inklusion – dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behin­derung – sehr viel und Großes im Bildungsbereich vor, auf der anderen Sei­te will Grün-Rot den Beamten einen Sparbeitrag von immerhin 130 Millio­nen abverlangen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht in die­ser Vorgehensweise eine gewaltige Diskrepanz. „Beamten bei sprudelnden Steuermehreinnahmen ein spürbares Sonderopfer abzuverlangen und sie gleichzeitig für den Bildungsaufbruch motivieren zu wollen, sei in gewisser Weise schizophren“, schimpft der VBE-Sprecher.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Schulden zu reduzieren, wäre sicher eine feine Sache, die jede Regierung gerne hinbekommen möchte, behauptet der VBE-Sprecher. Es sei aber schon irgend­wie perfide, ausgerechnet wieder die Landesbediensteten zur Kasse zu bitten, bloß weil die sich als loyale Beamte nicht richtig „wehren“ dürfen und Perso­nalausgaben nun einmal ein dicker „Unkostenposten“ im Finanzhaushalt sind.

 

Wer ausreichendes und gut ausgebildetes Personal an den Schulen haben will, muss dieses auch ausreichend und gut bezahlen. Jetzt die Schuldenbremse zu Lasten der Beamten reinzuhauen, ist kontraproduktiv. Politiker glauben jedoch bisweilen, dass finanzielle Kürzungen bei Beamten in der Öffentlichkeit – und damit beim Wähler – in der Regel gut ankommen. Aber ohne Beamten lasse sich nun einmal kein Staat machen; das wisse sogar die grün-rote Landesregierung, unterstreicht der VBE-Sprecher.

Wenn die neuen Bildungspolitiker im Schulbereich einen Aufbruch in Rich­tung Gemeinschaftsschulen wagen wollen, benötigen sie ganz besonders moti­vierte Lehrer, denn neben den ständigen Herausforderungen wie Bildungsplan­reformen, Schulentwicklung, Evaluation und Qualitätssicherung sollte auch die tägliche Unterrichtsarbeit mit Engagement und Arbeitsfreude bewältigt werden.

Wenn zu der Mehrarbeit der Schulleiter und Lehrer jetzt auch noch finanzielle Sparmaßnahmen draufgesattelt werden, ist schnell ein Punkt erreicht, der die Reformfreude der Pädagogen erstarren oder gegen null herunterfahren lässt. Gu­te Schulen kann man nur mit hoch motivierten Lehrern aufbauen und nachhaltig erfolgreich führen. Insbesondere den neu zu entwickelnden Gemeinschaftsschu­len droht mit Lehrkräften ohne „inneres Feuer“ sonst bald das sichere Aus, bevor man dort mit der Arbeit überhaupt erst richtig begonnen hat.

13.11.11

VBE: Nach Vergleichen Schüler besser fördern

Vergleichs- und Diagnosearbeiten in den Schulen mögen grundsätzlich ihren Sinn haben, wenn aus den daraus gezogenen Erkenntnissen Verbesserungen für unterstützungsbedürftige Schüler erfolgen würden.

Meinrad Seebacher

Meinrad Seebacher, Geschäftsführer des VBE Südbaden

„Bei den derzeit vorgegebenen Bedingungen wirkt das zeitraubende Testverfahren aber eher kontraproduktiv“, ist Meinrad Seebacher, Geschäftsführer des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Südbaden, überzeugt. Materialschlachten und Zeitaufwand stünden in keinem Verhältnis zu den Auswirkungen auf das Ergebnis. „Weder Stütz- und Förderstunden, noch kleinere Klassen, noch Pädagogische Assistenten für die Realschule hält die Landesregierung in petto, um die Situation der bisher erfolgreichsten und stabilsten Schulart der Sekundarstufe 1 im Land Baden-Württemberg zu stärken. Stattdessen führt die neue Landesregierung die Kompetenzanalyse „Profil AC“, die in der 7. Klasse der Werkrealschule schon installiert ist, auch in den Realschulen und in den Sonderschulen mit Realschulzug in Klasse 8 ein. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kann der VBE Südbaden der Einführung dieses Verfahrens nicht zustimmen.

Der VBE würde dann eher hinter der Einführung stehen, wenn einerseits die Lehrkräfte für die zusätzlichen Belastungen eine spürbare Anrechnung erfahren würden. Andererseits sei es notwendig, dass nach der Standortbestimmung für die einzelnen Schülerinnen und Schüler zusätzliche Stützkurse angeboten werden können, um die schwächeren Schüler zu stützen. Ebenso brauche es Förderkurse zur Förderung stärkerer Schüler. Beides, so Seebacher, sei nicht ansatzweise zu erkennen. 

Seit dem Schuljahr 2007/2008 werden Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Werkrealschulen und adäquaten Bildungsgängen durch die Einführung der Kompetenzanalyse Profil AC an Schulen in der Berufsorientierung unterstützt. Zum Schuljahr 2009/2010 wurde die Kompetenzanalyse Profil AC an Schulen flächendeckend umgesetzt. Die Kompetenzanalyse Profil AC verfolgt u.a. das Ziel, Stärken einer Schülerin / eines Schülers wahrzunehmen. Wenn jedoch nach dem Testverfahren Geld und Personal fehle, um die Förderung gezielt durchzuführen, bleibt die Kompetenzanalyse Selbstzweck, ist der VBE  überzeugt. Einen echten Wert zur Verbesserung von Schullaufbahnen kann Seebacher beim derzeitigen Verfahren nicht feststellen.

04.11.2011

Die Diskussionen kommen zu spät: Die Hauptschule ist keine Hauptschule mehr

VBE zum Landesparteitag der CDU

Stuttgart. Wenn die CDU jetzt auf ihrem Landesparteitag darüber diskutiert hat, ob man die Hauptschule bis zum letzten Schüler mit „Zähnen und Klauen“ verteidigt oder doch – nach dem Vorschlag des Papiers der Bundes-CDU – dort, wo es sich anbietet, eine Zusammenlegung von Haupt- und Realschule unter ein Schuldach zulässt – auch mit getrennten Bildungsgängen, so ist die Landes-CDU nach Auffassung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) ziemlich spät dran, denn das Hauptschulsterben geht durch die Abstimmung der Eltern und deren Kinder mit den Füßen weiter.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

„Die Hauptschule krankt daran, dass ihr die gesellschaftliche Anerkennung ver­sagt wird, obwohl die Lehrer dort hervorragende Arbeit leisten“, beklagt VBE-Landeschef Gerhard Brand. „Jeder beteuert zwar, wie wertvoll diese Schulart im gegliederten Schulwesen sei, schickt aber die eigenen Kinder auf jede andere Schule, nur nicht auf die Hauptschule.“ Der abgewandelte Sponti-Spruch „Stell dir vor, es gibt Hauptschulen und keiner geht mehr hin!“ sei immer mehr Reali­tät geworden, sagt Brand. Waren es bisher ausschließlich die Schüler und deren Eltern, die, falls irgendwie möglich, einen großen Bogen um die Hauptschule machten, mieden auch immer mehr Lehrer diese gesellschaftlich ungeliebte Schulart mit der im Vergleich zu den Gymnasiallehrern geringeren Besoldung und höheren Unterrichtsverpflichtung.

An keiner anderen Schulart sind die Belastungen und Anforderungen an die Lehrerschaft stärker gewachsen als an der Hauptschule. Hauptschüler zu stärken ist nicht nur eine bildungspolitische, sondern vielmehr eine sozialpolitische Auf­gabe, die es auch künftig zu bewältigen gilt, egal, ob diese Schüler dann in eine Hauptschule, Sekundarschule, Mittelschule, Oberschule, Gesamtschule oder Ge­meinschaftsschule gehen. „Den Bildungsgang Hauptschule wird man auch bei Zusammenlegungen nicht abschaffen können und dürfen, weil manche Schüler dringend auf ihn angewiesen sind“, so Brand.

16. Oktober 2011

VBE: Mit einer konzertierten Erziehungsoffensive können Bildungsreformen noch besser gelingen

Stuttgart. „Die Diskussionen über neue Schulformen wie die Gemeinschaftsschule so­wie über notwendige Bildungsreformen und die Forderungen nach Verbes­serung der schulischen Arbeitsbedingungen können nicht darüber hinweg­täuschen, dass das größte Problem der Schule heute schlecht oder nicht erzogene Kinder und Jugendliche sind“, sagt der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Verhaltensauffällige Schüler störten ohne Rücksicht auf engagierte Klassenkameraden selbst den spannendsten Unterricht oder machten ihn mitunter völlig unmöglich.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Massive permanente Unterrichtsstörungen durch Schüler sollten als solche auch benannt, besprochen und nicht bagatellisiert werden. Der VBE will engagierte Eltern unterstützt sehen, die sich intensiv um die Erziehung ihrer Kinder bemü­hen und es nicht mehr hinnehmen wollen, dass Unterricht und Gruppenarbeit durch disziplinlose Ausfälligkeiten unerzogener Schüler kaputt gemacht wird. „Wenn Lehrer ständig gezwungen sind, Unterricht zu unterbrechen, um pädago­gisch regulierend einzugreifen, verhindert die laufende Erziehungsarbeit den eigentlichen Bildungsauftrag der Schule oder bremst ihn zumindest deutlich aus“, moniert der VBE-Sprecher.

Weil etliche Kinder und Jugendliche in vielen Elternhäusern nicht mehr die lie­bevoll konsequente Erziehung erfahren dürfen, die für eine gesunde Entwick­lung und den schulischen Erfolg nötig sind, wird Lehrern eine Reparaturarbeit aufgebürdet, bei der selbst beste Pädagogen Schiffbruch erleiden müssen.

Dabei würde jede Bildungsplanreform mit einer begleitenden Erziehungsof­fensive von Seiten der Eltern noch besser gelingen. Sinnvoll ist auch die Abkehr von einer Spaß- und Event-Pädagogik hin zu einer Unterrichtskultur, die Schüler durch eigenständiges Arbeiten fördert und das Selbstwertgefühl der jungen Menschen durch die Freude über gelungene Leistungen positiv beeinflusst.

„Grundsätzlich ist jedes Bündnis für Erziehung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe positiv zu sehen und als zukunftsweisend zu betrachten. Politische La­gerkämpfe würden dabei nur schaden“, so der VBE-Sprecher wörtlich.

14. Oktober 2011