VBE: Erziehender Unterricht geht in allen Fächern über alle Schularten hinweg

Nicht jedes gesellschaftliche Defizit macht neue Stundentafeln erforderlich

Stuttgart. Verstärkt wird in letzter Zeit immer wieder der Ruf nach einem „Benimmunter­richt“ für Schüler laut. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht trotz vieler schlechter Beispiele in der Öffentlichkeit keine Not­wendigkeit, „Gutes Benehmen“ als weiteres Unterrichtsfach in den Stundenplan zu nehmen, zumal „Erziehender Unterricht“ Bestandteil täglicher Arbeit an den Schulen des Landes ist. „Man kann nicht jedes gesellschaftliche Defizit durch eine Stundenplanerweiterung kompensieren. Wenn man in der Schule wirklich alles angehen wollte, was in der Welt nicht rund läuft, müsste man die Stundentafel verdoppeln“, stellt der VBE-Sprecher fest. Das sei illusorisch.

Sicher wäre es begrüßenswert, wenn die abwertend als „Sekundärtugenden“, also als zweitrangig bezeichneten Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Höflichkeit, Pünktlichkeit und Ehrlichkeit in der Gesellschaft wieder einen höheren Stellenwert erhielten. Mussten sich doch Eltern und Lehrer, die diese Tugenden wider den Zeitgeist hochhielten, wie Menschen aus einer längst vergangenen Epoche fühlen. Erziehung zu gutem Benehmen, zu Höflichkeit und Rücksichtnahme braucht jedoch nicht extra auf dem Stundenplan ausgewiesen zu werden. Wie ein zuverlässiges Virenschutzprogramm beim Computer permanent im Hintergrund verlässlich arbeitet, läuft auch die Erziehung der Schüler in allen Unterrichtsfächern kontinuierlich mit, ohne dass es extra im Stundenplan ausge­wiesen werden müsste.

Die Vorbildfunktion von Eltern, Lehrern, Politikern, Stars und Geschäftsleuten für junge Menschen ist nicht zu unterschätzen. Gutes Benehmen hatte leider viel zu lange einen negativen Beigeschmack. Lehrer, die es konsequent einforderten, wurden als Di­nosaurier der Pädagogik bezeichnet, bestenfalls als altmodisch belächelt. Leider sind auch Begriffe wie Fleiß und Leistung in der heutigen Spaßgesellschaft bei vielen eher negativ besetzt. „So etwas kann auf Dauer nicht gut gehen“, so der VBE-Sprecher.

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