Lehrer wollen nur noch selten Rektor werden

 

VBE: Ohne eine Bestenauswahl leidet die Qualität der Schulen

 

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Stuttgart. „Die Schulen werden in den nächsten Jahren wegen anstehender Pensionie­rungen viele neue Rektoren und Stellvertreter benötigen, dabei ist es bereits heute sehr schwer, genügend Lehrer für Leitungsaufgaben zu gewinnen“, sorgt sich der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand. Immer weniger Pädagogen wollen selber Chef werden. Manche Stellen müssten wiederholt ausgeschrieben werden. Oft suche die Schulaufsicht händeringend nach geeignetem Personal, was nicht gerade für die Attraktivität des Leitungsamtes spreche. „Wenn es keine Bestenaus­wahl mehr gibt, leidet auf Dauer die Qualität der Schulen“, warnt Brand.

Meist gibt es für frei gewordene Rektoren- und Konrektorenstellen – wenn über­haupt – nur einen Bewerber oder eine Bewerberin. Immer wieder mussten Schul­leitungsstellen erneut ausgeschrieben werden, weil sich zunächst kein Interes­sent gemeldet hatte, auch wenn der Schulstandort selber durchaus attraktiv war. Landesweit gibt es – vor allem im Grund-, Haupt- und Werkrealschulbereich – im Schnitt für jede zweite Schulleitungsstelle nur einen Bewerber. Von einer echten „Auswahl“ könne da schon lange nicht mehr die Rede sein, sagt Brand.

Die zunehmende Arbeitsbelastung der Rektoren ist nicht gut für die Schulen. Die Stundenermäßigungen für Schulleitungen orientieren sich an der Zahl der Klassen. Durch zurückgehende Schülerzahlen nehmen Anrechnungsstunden für Leitungsaufgaben zwangsläufig ab, obwohl die Arbeit durch problematischere Schüler eher mehr wird. Die Aufgaben nehmen auch weiter zu, wenn Schulen unter dem wohlklingenden Titel „operativ eigenständige Schule“ untereinander verstärkt in Wettbewerb treten, sich in kleinere „Wirtschaftsbetriebe“ mit eige­nem Budget verwandeln und Rektoren zwangsläufig zu „Managern“ werden.

„Schulleitungen brauchen die Unterstützung durch Politik und Kultusverwal­tung“, fordert der VBE-Landeschef, „denn sie können unter den derzeitigen Ar­beitsbedingungen ihre Aufgaben nicht mehr so erfüllen, wie es notwendig und für die Schulen gut wäre.“ Schon gar nicht könnten die Rektoren unter den aktu­ellen Bedingungen dem Anspruch des ´Motors der Schulentwicklung´, des Im­pulsgebers, des Team- und Personalentwicklers oder des innovativen Gestalters gerecht werden. „Obendrein ist das Besoldungsgefüge für Schulleiter ganz schön in Schieflage geraten“, moniert Brand den finanziell meist weniger attrak­tiven Anreiz, Verantwortung in einer Leitungsfunktion zu übernehmen.

14. August 2011

VBE: Kinder wieder als wertvoll für die Gesellschaft ansehen

Reich an Kindern zu sein, heißt häufig, arm durch Kinder zu werden

 

Stuttgart. Kinder werden heute von der Gesellschaft und von vielen Paaren mehr als Belastung denn als Bereicherung angesehen. Kinder groß zu ziehen, ist gleichbedeutend mit erheblichen finanziellen Aufwendungen und deutli­chen persönlichen Einschränkungen.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

„Elternzeit, mehr Kindergeld und zu­sätzliche staatliche Betreuungsangebote sind lediglich die sprichwörtlichen Tropfen auf dem heißen Stein und haben noch nicht zu dem erhofften An­stieg der Geburtenrate geführt“, sagt Gerhard Brand, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg.

Die Entwicklung zur Spaß- und Erlebnisgesellschaft bei gleichzeitiger Zunahme einer gewissen sozialen Kälte hat mit dazu geführt, dass die Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft einzusetzen und persönliche Einschränkungen auf sich zu nehmen, gesunken ist, nicht nur was ehrenamtliche Tätigkeiten betrifft, sondern auch im Hinblick auf die Gründung von Familien mit Kindern.

Junge Menschen hören täglich, wie teuer Kinder für die öffentlichen Haushalte sind. Ausgaben für Familien, für Bildung und Erziehung sollten nach Auffas­sung des VBE daher in Haushaltsplänen nicht mehr als lästige „Unkostenpos­ten“, sondern als wertvolle Investitionen in die Zukunft der Gesellschaft ange­sehen werden. „Aber nicht nur finanziell, auch von der Wertschätzung her muss die Bereitschaft, ein Kind oder gar mehrere Kinder zu bekommen, zu versorgen, zu betreuen und groß zu ziehen eine spürbare Aufwertung erfahren“, so Brand.

Der ungünstigen demographischen Entwicklung könnte entgegengewirkt wer­den durch eine höhere finanzielle Förderung junger Familien, durch attraktive, bezahlbare Wohnungen und kinderfreundliche Vermieter, durch den Ausbau qualitativ hochwertiger Kindertagesstätten, durch verbesserte Rahmenbedingun­gen an den Schulen, durch Unterstützung der Familien in schwierigen Situatio­nen durch entsprechende Fachleute und letztendlich auch durch Überwindung der gesellschaftlichen Ächtung von Paaren mit mehreren Kindern.

„Und obwohl Menschen gerne nach Reichtum, Geld und Anerkennung stre­ben, ist das Wort Kinder-r-e-i-c-h-t-u-m heutzutage eindeutig negativ besetzt“, stellt der VBE-Vorsitzende fest. Reich an Kindern zu sein, bedeute in der Reali­tät häufig, arm durch Kinder zu werden und in der sozialen Hierarchie abzurut­schen. Das sei auf Dauer für eine Gesellschaft aber alles andere als gut.

7. August 2011

VBE: Mehr als nichts – aber weniger als verdient

Landesbezirk Südbaden. Es ist unzweifelhaft ein Erfolg des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) und seines Dachverbandes Beamtenbund – Tarifunion Baden-Württemberg (BBW), dass die grün-rote Landesregierung nun einen Gesetzentwurf zur Besoldungsanpassung eingebracht hat, um das im Tarifbereich erzielte Abschlussergebnis auch auf die Beamten zu übertragen.

Ekkehard Gabriel, Vorsitzender des VBE Südbaden

Dies stellt der Vorsitzende des VBE Südbaden, Ekkehard Gabriel (Gundelfingen) anlässlich des derzeit laufenden Beteiligungsverfahrens der Spitzenorganisationen fest. Danach wird es nicht nur bei zwei Prozent bleiben, die der damalige Ministerpräsident Mappus den Beamten bereits vor der Landtagswahl gewährt hatte. Vielmehr werden die Bezüge im Januar 2012 nochmals steigen.

Gabriel erklärt: Da im Tarifbereich als Ergebnis insgesamt etwa 2,5 Prozent herausgehandelt wurden, hat es für 2011 mit der Augustbesoldung für die Beamten eine verminderte Einmalzahlung gegeben. Diese betrug beispielsweise in der Besoldungsgruppe A 12    180.- EURO,   in A 13    160.- EURO.  Im B-Bereich und vergleichbar hohen Besoldungsgruppen ist allerdings keine Auszahlung erfolgt.

Vom Januar 2012 an sollen die Bezüge dann erneut linear um 1,2 Prozent steigen und anschließend um einen Sockelbetrag von 17 EURO (Anwärter 6 EURO) erhöht werden. Weitere 0,2 Prozent werden der Versorgungsrücklage zugeführt.

Mit diesen Maßnahmen wurden die im Tarifbereich ausgehandelten Gehaltserhöhungen bis auf die dritte Kommastelle genau auf den Beamtenbereich übertragen. Für 2011 und 2012 entspricht dies einer Erhöhung von 3,428 Prozent. Ekkehard Gabriel: „Dies ist ein ordentliches Ergebnis mit dem der VBE recht zufrieden ist.“ Das einzig Ärgerliche daran sei, dass die Politiker sich selbst die Diäten ab 1. Juli 2011 um 4,55 Prozent angehoben haben. Verdient hätten dies die Lehrkräfte auch!

05.08.2011

Auch VBE beklagt zunehmende Spracharmut bei Kindern

Zur Pressemitteilung des Kultusministeriums 100/2011:

Stuttgart. Kinder und Jugendliche bekommen über den Bildschirm die ganze Welt frei Haus geliefert, können aber immer weniger mit Worten ausdrücken, was sie gesehen haben, weil sie mit den Bildern häufig allein gelassen wer­den. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht mit Sorge, dass Sprachentwicklungsverzögerungen und -störungen bei Kin­dergarten- und Grundschulkindern deutlich zugenommen haben – und zwar bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Dem VBE liegt es fern, moderne Medien zu verteufeln, denn der gezielte Ein­satz von Fernsehen und Computer ist positiv für die Entwicklung der Schüler. Doch nicht jede Sendung, die den Stempel „Kinderfernsehen“ trägt, ist für Kin­der geeignet. Während „Die Sendung mit der Maus“, „Galileo“, „Expeditionen ins Tierreich“ und ähnliche TV-Angebote pädagogisch wertvolles „Schulfernse­hen“ sind, bereichern die nachmittäglichen Talk- und Gerichtshows der Privaten nicht gerade den kindlichen Wortschatz mit den Begriffen, wie sie in der Schule benötigt werden.

Der VBE warnt davor, Kinder vor dem Bildschirm allein zu lassen. Der VBE appelliert an alle Erziehungsberechtigten, mit den Kindern immer wieder über das Gesehene zu reden. Bei etlichen Stunden täglichen Fernsehkonsums bleibt den Kindern wenig Zeit, die Umwelt auf eigene Faust zu erkunden. Lebenser­fahrungen werden verstärkt virtuell aus zweiter Hand gesammelt. Der Wort­schatz des Kindes vermehrt sich nicht, sondern verkümmert, wenn er nicht benützt wird. Aus Büchern vorlesen und mit dem Kind darüber sprechen kann jede Mutter, jeder Vater.

Nicht nur die Kindergärten und Schulen seien gefordert, sondern zunächst die Eltern, egal, ob alleinerziehend oder nicht, unterstreicht der VBE-Sprecher die Forderung, Eltern bei der Bildung und Erziehung ihrer Kinder wieder verstärkt zu beteiligen. Mit ein wenig Zeitaufwand und ganz geringem finanziellen Ein­satz (Bücher kann man auch ausleihen) lasse sich so jedes Kind in der Familie ganz früh fördern, so der VBE-Sprecher.

3. August 2011

Rimmele begrüßt Stärkung der Meinungsfreiheit für Beschäftigte

Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrecht

Bernhard Rimmele, Religionslehrer, Angestelltenvertreter im Bezirkspersonalrat Freiburg

 

Der Leiter des Referats „Arbeitnehmer“ im VBE, Bernhard Rimmele, hat ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte begrüßt, das die Meinungsfreiheit der Beschäftigten stärkt.

Das Gericht hatte entschieden, dass eine öffentlich geäußerte Kritik am Arbeitgeber nicht grundsätzlich eine Kündigung rechtfertig. Rimmele dazu: „Die Zeiten, in denen Beschäftigte alle Bedingungen am Arbeitsplatz klaglos hinnehmen mussten, sind zum Glück vorbei.“

Gleichzeitig warnte Rimmele aber davor, das Urteil als Freibrief zu deuten: „Dies ist nur eine Entscheidung in einem sehr konkreten Fall. Grundsätzlich sollten die Beschäftigten versuchen, Probleme erst intern zu lösen, bevor sie sich öffentlich äußern. Die Betriebs- und Personalräte sowie Gewerkschaftsvertreter sind im Normalfall die richtigen ersten Ansprechpartner für alle Fragen und Probleme.“

Neue Rechtschreibung ist an den Schulen kein Aufreger mehr

VBE zur jüngsten Focus-Umfrage:

Stuttgart. Auch wenn nach der jüngsten repräsentativen Umfrage des Nachrichten­magazins „Focus“ eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger die 1996 be­schlossene und 1998 eingeführte Rechtschreibreform ablehnt, ist die neue Rechtschreibung an den Schulen kein Aufreger mehr, versichert der Spre­cher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, wiewohl Schüler nach wie vor mit der Rechtschreibung zu kämpfen haben.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

15 Jahre nach der Einführung des neuen Regelwerks sind zwischenzeitlich alle Schüler – sogar die Abiturienten – mit der reformierten Rechtschreibung groß ge­worden, für die es wichtigere Probleme gibt als die Frage, ob heute mit scharfem ß oder mit ss geküsst werden soll. Eine gewisse Unsicherheit herrscht dagegen eher bei älteren Lehrkräften, die bisweilen nicht wissen, ob das Wort weiterhin auf die gewohnt alte Weise, nach der neuen Rechtschreibung oder nach den in den Jahren 2004 und 2006 noch einmal überarbeiteten Regeln geschrieben wird.

Lehrer greifen, bevor sie Schülern etwas mit Rot als falsch anstreichen, si­cherheitshalber nach dem neuesten Duden, um sich zu vergewissern, was nun aktuell gilt. Bei Schülern rufen höchstens noch Bücher in alter Schreibweise Irri­tationen hervor, die es als Ganzschriften oder in Klassenbüchereien noch gibt, obwohl die regulären Schülerbücher mittlerweile alle auf neuestem Stand sind.

„Natürlich ist die noch immer geäußerte Kritik bei einzelnen Bestandteilen der Reform berechtigt“, räumt der VBE-Sprecher ein, „aber selbst die alten Recht­schreibregeln enthielten eine Fülle von Ungereimtheiten, und trotzdem ging das Abendland nicht unter.“ Sprache sei immer im Fluss und verändere sich. Auf je­den Fall sollten Beliebigkeiten in der Schreibweise vermieden werden, die Schü­ler grundsätzlich mehr verunsicherten als unterstützten.

Der große Wurf war diese Rechtschreibreform nach Meinung vieler Experten sowieso nicht, eher ein kleines Sowohl-als-auch-Reförmchen. So seien weder die groß geschriebenen Anfangsbuchstaben bei Substantiven noch überflüssige Buchstaben abgeschafft worden. Schüler müssten nach wie vor überlegen, ob sie Fater oder Vater schreiben sollen, Witamine oder Vitamine. Sex dürfe nicht wie Seks und Fuchs nicht wie Fuks aussehen. Auch das als überflüssig empfundene Y wurde nicht durch ein I oder Ü ersetzt. Statt „Xylophon“ künftig „ksülofon“ zu schreiben, wäre eine Orthografie-Revolution gewesen, über die es sich zu streiten gelohnt hätte, behauptet der VBE-Sprecher.

31. Juli 2011

VBE sieht niedrige Sitzenbleiberquote an Hauptschulen vornehmlich in der Versetzungsordnung begründet

Zumeldung zu:

Statistisches Landesamt Nr. 249/2011 – Nichtversetzte 2010

An Hauptschulen und Realschulen niedrigste Quote seit

dem Jahr 2000

 

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg freut sich gleichfalls über die niedrige Sitzenbleiberquote an den Haupt- und Real­schulen, sieht aber die Hauptursache für die erfreulich wenigen Nichtver­setzungen an Haupt­schulklassen (1,4 Prozent) vor allem in der „großzü­gigeren“ Versetzungs­ord­nung begründet.

Vier Fächerver­bünde, die Noten aus verschiedenen Disziplinen zu einer Fach­note bündeln – etwa in „MNT“ (Materie, Natur, Technik), nivellieren einzelne Spit­zenleis­tungen und auch Ausrutscher nach unten zu einer weniger aussage­kräf­tigen Durch­schnittsnote auf mittlerem Niveau.

Obendrein kann sich ein Hauptschüler zweimal die Note „mangelhaft“ im Zeugnis leisten – sogar in Hauptfächern -, ohne sitzenzubleiben. Ein dritter Fün­fer – etwa in Mathematik – kann mit einer Zwei in Sport ausgeglichen werden. Ein „Mangelhaft“ im Hauptfach Englisch zählt überhaupt nicht zur Versetzung.  „Da gehört schon eine besondere Begabung dazu, nicht versetzt zu werden“, spöttelt der VBE-Sprecher. Trotzdem wünsche sich der VBE mehr Möglich­kei­ten, gerade Hauptschüler noch mehr unterstützen zu können, da Noten nicht alles seien. Eine individuelle För­derung sei in Klassen mit über 30 Schülern nur sehr schwer umzusetzen. Der Klassenteiler müsse deshalb dringend weiter ge­senkt werden, fordert der Spre­cher.

Der VBE begrüßt ausdrücklich die Senkung des Teilers von 31 auf 30 Schüler pro Klasse fürs kommende Schuljahr, sieht hier aber noch einen erheblichen Handlungsbedarf.

29. Juli 2011

Arbeitszimmer neu beurteilt

 

Landesbezirk Südbaden / Freiburg. Begrüßt hat der Referatsleiter „Recht und Besoldung“ im Verband Bildung und Erziehung (VBE) Südbaden, Franz Wintermantel, dass das Finanzgericht Köln eine anteilige Nutzung häuslicher Arbeitszimmer von bis zu 50 Prozent als von der Steuer absetzbar ansieht. „Lehrkräfte haben im Normalfall kein schulisches Arbeitszimmer und deshalb sind sie gezwungen, die Unterrichtsvorbereitungen zu Hause zu erledigen. Dazu brauchen sie ein Arbeitszimmer, das sie auf eigene Kosten erbauen und für den Dienst zur Verfügung stellen. Deshalb ist es nur gerecht, wenn die Lehrkräfte das Arbeitszimmer  bei der Steuer absetzen können.“

Franz Wintermantel

Franz Wintermantel, Referat „Recht und Besoldung“ des VBE Südbaden

Im Gegensatz zum Finanzgericht Köln hat das Finanzgericht Baden-Württemberg erst kürzlich auf der bisherigen Regelung beharrt, dass nur eine anteilige private Nutzung von bis zu 10 Prozent erlaubt sei. „Durchgangszimmer zum Garten“ fielen hier bisher völlig aus der steuerlichen Förderung. Genau dies sehe aber das Finanzgericht Köln anders, weiß Wintermantel.

Bei ihrem Urteil stützen sich die Kölner Richter auf ein Grundsatzurteil des Bundesfinanzhofs von vor zwei Jahren. Denn inzwischen haben die Bundesrichter ihre Rechtsprechung zum „Aufteilungs- und Abzugsverbot“ aufgegeben. In dem Kölner Fall wollte ein Kölner Gewerbetreibender für ein halbes Arbeitszimmer die Hälfte der anfallenden Kosten ansetzen, was das Gericht auch zuließ.

Weil die Sachlagen nun bei beiden Finanzgerichten unterschiedlich sind, ließ das Finanzgericht Köln die Revision beim Bundesfinanzhof zu.

Der VBE Südbaden unterstützt die Beurteilung durch das Finanzgericht Köln, da Lehrkräfte nicht nur ihr Zuhause, sondern größtenteils auch ihr Auto für Dienstgeschäfte zur Verfügung stellen. In beiden Fällen ist der Staat nicht bereit, eine angemessene Gegenleistung zu zahlen. „Dies ist für uns Lehrkräfte ein Ärgernis“, stellt Franz Wintermantel fest.

25.07.2011

VBE zu eigenmächtigen Ferienverlängerungen:

Wenn Eltern ihren Kindern das Schwänzen beibringen

Stuttgart. Wenn Eltern plötzlich erfahren müssen, dass ihr Kind die Schule schwänzt, zeigen sich die meisten ziemlich fassungslos. Trotzdem gibt es immer wieder Erziehungsberechtigte, die ihren Kindern regelrecht vormachen, wie man die Schule vorführt, indem sie eigenmächtig die Schulferien verlängern und Kinder „wegen Krankheit“ entschuldigen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht in solchen „illegalen Gleitzeitferien“ ein schleichendes Gift für die Gesellschaft. „Der Zweck heiligt nicht die Mittel“, rügt der VBE-Sprecher Eltern, die ihren Kindern das Schwänzen beibringen.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, VBE-Sprecher

Bisweilen zeigen Eltern durch ihr schlechtes Vorbild, dass Schule für sie nicht wichtig ist. Wenn vor oder nach Ferienblöcken der Familienurlaub eigenmächtig verlängert und das Fehlen der Kinder beim Klassenlehrer von den Eltern mit „Krankheit“ entschuldigt wird, lernen die Schüler von ihren Erziehungsberechtigten, dass Schule doch keinen so hohen Stellenwert hat und dass man mit Lug und Trug seinen Willen durchsetzen kann. „Wenn Kinder dieses Tricksen später auch für sich in Anspruch nehmen, sind die Eltern häufig hellauf entsetzt“, so der VBE-Sprecher. Werden diese Eltern damit konfrontiert, dass ihr Kind die Schule schwänzt, fallen sie meist aus allen Wolken und können nicht verstehen, warum gerade ihr Kind gegen Recht und Ordnung verstößt.

Entgegen der landläufigen Meinung findet in den letzten Tagen vor den Sommerferien „Schule statt“, wenn auch in anderer Form als sonst, da alle Klassen arbeiten geschrieben und die Zeugnisnoten gemacht sind. Jetzt stehen vor allem Erlebnispädagogik und soziales Lernen im Vordergrund: Ausflüge, Besichtigungen, Schulfeste, Vorlesestunden, Theaterstücke oder Konzerte, die gemeinsame Vorbereitung von Klassennachmittagen, Abschiedsfeiern oder Schulgottesdiensten.

Selbst ohne Schulbücher kann man vernünftig Unterricht halten. Es besteht für Eltern kein Grund, den offiziellen Ferienbeginn zu individualisieren und schleichend vorzuverlegen. „Die Ehrlichen, die sich noch an Ferienpläne halten, dürfen am Ende nicht als die naiven Dummchen dastehen“, rügt der VBE-Sprecher alle Schummelferienmacher.

20. Juli 2011

VBE: Nicht nur Elternzeit vermehrt Unterrichtsausfall

Krankheitsreserve an den Schulen ist zu knapp kalkuliert

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg hat Ver­ständnis für die Befürchtungen des Landeselternbeiratsvorsitzenden Chris­tian Bucksch wegen der unsicheren Versorgung der Schulen mit Lehrer­stunden, sieht das Problem jedoch weniger in der eher kalkulierbaren El­ternzeit von männlichen Lehrkräften begründet als vielmehr in der unge­nügenden Lehrerreserve bei plötzlich auftretenden Krankheitsfällen.

Der VBE bemängelt, dass die Versorgung an den Schulen weiterhin nicht dem entspricht, was eigentlich zur Steigerung eines qualifizierten Bildungs- und Er­ziehungsauftrages und für einen modernen Unterricht erforderlich wäre. Noch immer werden nötige Stütz- und Förderkurse erst dann erteilt, wenn genügend Lehrerstunden aus dem Ergänzungsbereich „übrig“ sind, noch immer fehlen Lehrer für pädagogisch sinnvolle Teilungsstunden bei zu vollen Klassen.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Weil den Schulen nicht genügend feste Vertretungslehrer („Springer“) zur Verfügung stehen, müssen bei Erkrankung von Lehrkräften besonders bei der „verlässlichen Grundschule“ Klassen zusammengelegt werden, was zu einer massiven Beeinträchtigung der Unterrichtsqualität führt. „Vor allem, wenn die zusammenzulegenden Klassen größer sind, wird aus Unterricht sehr schnell nur noch Betreuung“, moniert der VBE-Landesvorsitzende, Gerhard Brand. Dann litten zwei Klassen unter der Erkrankung eines Lehrers.

Oft geht die Verlässlichkeit der Grundschule zu Lasten der Haupt- und Werk­realschüler, die nach Hause geschickt werden, damit Hauptschulkollegen als „Feuerwehr“ in der verlässlichen Grundschule eingesetzt werden können. Das dürfe nicht mehr so sein, kritisiert der VBE-Chef, da auch Hauptschüler ein Recht auf einen verlässlichen Unterricht haben.

Dass der Ergänzungsbereich weiterhin ein Mauerblümchendasein fristet, ist ein großes Ärgernis. Zum Ergänzungsbereich gehören neben den Stütz- und För­derstunden die Arbeitsgemeinschaften, die Schülern besonders Freude machen und motivierend für die Arbeit an der Schule sein sollten. Ein Teil kann zwar, solange Geld vorhanden ist, durch Lehrbeauftragte, Jugendbegleiter oder durch Kooperationen mit Vereinen abgedeckt werden; die eigentlichen Bezugsperso­nen der Schüler aber, nämlich die Lehrer, bleiben von diesen pädagogisch wert­vollen Angeboten in der Regel ausgeschlossen, weil keine Stunden mehr dafür zur Verfügung stehen.

17. Juli 2011