Ganztagesschule braucht Qualität

Landesbezirk Südbaden. Es ist völlig gleichgültig, ob es sich um die Gemeinschaftsschule oder irgendeine andere Schulart handelt: wenn eine Ganztagsschule konzipiert wird, müssen von morgens bis spätnachmittags Phasen der Spannung und Entspannung möglich sein.

Josef Löffler, Referat Hauptschule/Werkrealschule im VBE Landesbezirk Südbaden

Der Referatsleiter „Hauptschule/Werkrealschule“ des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Südbaden, Josef Löffler (Neuenburg) wendet sich mit Vehemenz dagegen, dass mangels Geldmittel immer mehr Laien die Schülerbetreuung sichern sollen. Löffler: Ganztagesschule heißt doch, einen rhythmisierten Tag anzubieten, an dem für Schülerinnen und Schüler abwechslungsreiches Lernen über den ganzen Tag ermöglicht wird. Natürlich sollen auch Hobbys wie Sport oder Musik in den Ablauf von Schultagen einfließen, aber ein übergroßer Wechsel an Bezugspersonen tut den Schülerinnen und Schülern nicht unbedingt gut. Löffler: „Jugendbegleiter und 400.- EUR – Kräfte können im Einzelfall ein Glücksfall sein, aber auf Dauer  ausschließlich auf diese Kräfte angewiesen zu sein, wird der Qualität von Ganztagesschule Abbruch tun.“ Auch hier brauche es Profis mit pädagogischem „Know-how“, die so bezahlt werden müssen, dass Schulleitung und Gemeinde nicht alle halbe Jahre neues Personal suchen müssen.

Löffler weiter: Zu einer qualitativ hochwertigen Ganztagesschule gehören auch Räumlichkeiten, die dem Schulbetrieb angemessen sind. Eine ordentlich ausgestattete Mensa, Schlechtwetter-Räume mit Bewegungsangeboten und eine ordentliche Spielefläche auf oder in  der Nähe des Schulhofes gehören einfach zur Grundausstattung einer Ganztagesschule. Ebenso sollte individuelles Lernen ermöglicht werden, indem Schülerinnen und Schülern Computerarbeitsplätze, Spiel-  und Medienecken angeboten werden. Diese Kosten aber müssen Stadt oder Gemeinde als Träger mitfinanzieren. Ebenso müssen sie das Personal für den Mittagstisch und sozialpädagogische Kräfte zur Verfügung stellen, damit Ganztagesschule zum Funktionieren komme, so Löffler. Der Referatsleiter weiß aber auch, dass sich viele Gemeinden angesichts klammer Haushaltskassen schwer tun, die notwendigen Kosten aufzubringen. In Baden-Württemberg wird von Schule und  Bildung viel geredet. „Das ist auch gut so!“, meint der VBE-Referatsleiter. Es zeige, dass dem Thema eine neue Wichtigkeit zugewachsen ist. Je mehr Zeit ins Land gehe, desto mehr gelte allerdings die Redensart: „Der Worte sind genug gewechselt, lasst uns nun endlich Taten sehen.“

Qualitätsverbesserungen nicht auf dem Rücken der Lehrkräfte

Der VBE Südbaden hält eine Absenkung des Klassenteilers in allen Schularten für dringend notwendig. Wenn die grün-rote Regierung individualisierten Unterricht anstrebt, mit dem Schülerinnen und Schüler besser gefördert werden sollen, so muss es dringend eine Verbesserung der Lehrer-Schüler-Relation geben.

Silke Siegmund, Vorstandsmitglied im VBE Südbaden

Die stellvertretende Vorsitzende des VBE Südbaden, Silke Siegmund (Offenburg), stellt dazu zwei Möglichkeiten vor: entweder muss man dazu den Klassenteiler absenken oder das Zwei-Pädagogen-Prinzip in den Klassen einführen. Beide Möglichkeiten scheinen aber vom Kultusministerium aus finanziellen Gründen nicht in Erwägung gezogen zu werden. Auch andere Möglichkeiten der äußeren Qualitätsverbesserung können angesichts der Haushaltslage nur langsam umgesetzt werden. Siegmund: „Damit bedeuten viele der beabsichtigten Qualitätsverbesserungen eine Arbeitsverdichtung für Lehrkräfte, für die sie letztlich nicht entlastet werden. Außerdem können die Lehrkräfte so der individuellen Förderung der Kinder nicht gerecht werden.

Der VBE hatte gehofft, dass mit seinem Einsatz bei der Entfristung der Verträge der Pädagogischen Assistenten (PA) bei gleichzeitiger Entgelterhöhung nach E 8 der Durchbruch an Haupt- und Werkrealschulen gelungen sei. Momentan kämpft er darum, zeitnah das Gleiche für PAs an Grundschulen zu erreichen, deren Verträge 2013 auslaufen. Mangels finanzieller Möglichkeiten hat die Kultusministerin aber einen ‚Taschenspielertrick‘ angewandt und verhindert dadurch quasi, die Einstellung weiterer PAs: jede Schule, die ab September 2012 eine/n weiteren PA einstellt, muss diese/n über die eigene Lehrerversorgung ‚bezahlen‘. Das Prinzip ist ganz einfach: „Gib mir eine Lehrkraft zurück, dann gebe ich dir eine/n PA.“ Silke Siegmund: „Wenn schon zusätzliche PAs nicht zu finanzieren sind, dann ist an Team-Teaching zweier Lehrkräfte wohl schon gar nicht zu denken.“ Genau dies aber wäre der Königsweg, um eine deutliche Verbesserung der Unterrichtsqualität zu erreichen, so die VBE-Mandatsträgerin.

Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hatte noch mit der Absenkung des Klassenteilers begonnen. Oftmals wird übersehen, dass Grundschulen schon immer Gemeinschaftsschulen waren mit einem enorm großen Leistungsunterschied und Stütz- und Förderbedarf in den Klassen. Daher ist nach VBE-Ansicht für Grundschulen und Gemeinschaftsschulen der Klassenteiler mit 28 Schülern viel zu hoch, zumal die Lehrerversorgung insgesamt weitgehend auf Minimalniveau gefahren wird. Das bedeutet, dass individuelle Förderung in den meisten Fällen nur auf dem Papier steht. Wenn dann in den Klassen der Sekundarstufe I aller anderen Schularten vielfach um die 30 Kinder sitzen, so könne sich eine Lehrkraft noch so anstrengen. „In so großen Klassen von pädagogischer Qualität zu sprechen ist Augenwischerei.“ Siegmund: „Die Lehrkräfte tun was sie können, aber zaubern können sie auch nicht.

VBE warnt vor einer zu starken Verkopfung der Schule

Bei den Halbjahresinformationen den Fokus nicht nur auf Hauptfächer richten

Stuttgart. Anlässlich der Halbjahresinformationen, die an den Schulen in den ersten Februartagen ausgegeben werden, warnt der Verband Bildung und Erzie­hung (VBE) Baden-Württemberg vor einer zu einseitigen Bevorzugung der auf den Kopf ausgerichteten schulischen Arbeit. Eltern und Lehrer sollten bei der Gewichtung und Würdigung von Schülerleistungen weg von einer zu starken Fokussierung auf die Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache(n). Musisch-künstlerische Unterrichtsfächer und Schulsport seien kein schmückendes Beiwerk, sondern für eine positive Entwicklung der Schülerpersönlichkeiten gleichfalls notwendig, warnt der VBE-Spre­cher vor einer Abwertung dieser sogenannten „Nebenfächer“.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Unterrichtsfächer, die zumindest gefühlsmäßig für das schulische und berufliche „Weiterkommen“ nicht ausschlaggebend sind, werden immer mehr an den Rand gedrängt und verlieren weiter an Bedeutung. So seien die musisch-ästhetische Erziehung und der Schulsport heute oft ungeliebte Kinder, bemängelt der VBE-Sprecher. Deshalb warnt der Lehrerverband vor einer zu starken „Verkopfung“ schulischen Arbeitens. Da auch Eltern mehr denn je auf die „Verwertbarkeit“ der Unterrichtsfächer achten, fallen bei krankheitsbedingtem Lehrermangel in der Regel eher Musik, Sport und Bildende Kunst aus, bevor eine Deutsch- oder Mathematikstunde gestrichen wird. Die Schüler sind jedoch auf eine ganzheitli­che Bildung und Erziehung angewiesen, in der auch Ästhetik, Bewegung und Emotionen eine tragende Rolle spielen sollten. Wenn um die Bedeutung der ein­zelnen Unterrichtsfächer gestritten wird, geht es meist lediglich darum, ob eine sprachliche oder technisch-naturwissenschaftliche Ausrichtung der Schule die wichtigere sei. Der künstlerisch-musisch-sportliche Bereich werde von vielen mehr als schmückendes, aber nicht unbedingt notwendiges Beiwerk betrachtet, bedauert der VBE-Sprecher diese Entwicklung. Pestalozzis 200 Jahre alter päda­gogischer Ansatz ganzheitlichen Lernens „mit Kopf, Herz und Hand“ sollte in der stark technisierten Welt vonheute mehr denn je Maxime unterrichtlichen Tuns sein – und das nicht nur in den Grundschulen.

4. Februar 2012

Viele Vorschusslorbeeren für die Gemeinschaftsschulen

Neue Schulform überzeugt zunächst nur in der Möglichkeitsform

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg versteht die Vorfreude des Kultusministeriums über den Aufbruch der 34 Starterschulen, sieht aber erheblichen Handlungsbedarf, um diese neue Schulform wirklich nachhaltig erfolgreich auf den Weg zu bringen. Zu viele Fakten werden noch im Konjunktiv gehandelt.

Sorge bereitet dem VBE, dass unter den Starterschulen fast nur ein- oder zweizügige Werk­realschulen sind, die aufgrund geringerer Schülerzahlen um ihren Weiterbestand fürchten müs­sen. Auf der Erfolgsspur wären die Gemeinschaftsschulen aber erst dann, wenn auch Schüler mit einer Gymnasialempfehlung dort optimal gefördert würden.

Wenn die Gemeinschaftsschule eine überzeugende Schulart werden soll, ist schon der Start nach den Sommerferienentscheidend. Die Qualität muss von Beginn an überzeugen, soll diese neue Schulart eine Zukunft haben. Trotz aller Euphorie ist es der Politik bisher nicht so richtig gelungen, überzeugend darzustellen, wie sich Gemeinschaftsschulen von bereits bestehenden Ge­samtschulen abgrenzen. In der Öffentlichkeit herrscht zurzeit der Eindruck vor, dass die Gemein­schaftsschule eher als „rettender Strohhalm“ für sterbende Hauptschulen und damit als Stand­ortsicherung für Kommunen mit zurückgehenden Schülerzahlen angesehen wird. Bestenfalls sieht man in der neuen Schulart die organisatorische Zusammenlegung von Haupt- und Real­schule, wie das die CDU mit der „Oberschule“ angedacht hat.

Die neue Schulart hat vom Konzept her einen beinahe paradiesisch anmutenden Charme. Die Schulwirklichkeit ist für eine solche „Heile-Welt-Vision“ jedoch noch nicht genügend vorbe­reitet, zumal der Finanzminister des Landes alles dafür tut, dass die Schulen weder das Personal noch die sächlichen und räumlichen Ausstattungen bekommen, die sie für diese neue Schulform benötigen – auch mit Blick auf die Realisierung der Inklusion, die niemals kostenneutral zu haben ist.

1. Februar 2012

VBE unterstützt es, wenn den musisch-künstlerischen Fächern wieder mehr Gewicht gegeben wird

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg begrüßt es ausdrücklich, wenn das Kultusministerium die „Zwangsvermählung“ von Mu­sik, Textilem Werken (Handarbeit), Bildender Kunst sowie Heimat- und Sach­unterricht an der Grundschule zum Fächerverbund MeNuK (Mensch, Natur und Kultur) wieder rückgängig machen würde. Aber auch der Fächereintopf „MSG“ in der Haupt-/Werkrealschule (Musik/Sport/Gestalten) wartet auf die „Schei­dung“.

Seit der Bildungsplanreform 2004 sind in der Grundschule Musik, Kunst, Handar­beit sowie der Heimat- und Sachunterricht in dem Fach „MeNuK“ (Mensch, Natur und Kultur) aufgegangen. In der Hauptschule wurden Musik, Sport und Kunst zum Fächerverbund „MSG“ zusammengefasst. Seit Einführung dieser Bildungspläne existieren die Fächer Musik und Bildende Kunst an den Grund- und Hauptschulen nicht mehr. Da die Musik in den Fächerverbünden aufgegangen oder – je nach Standpunkt – untergegangen ist, kann man auch den Bedarf an Musikpädagogen viel besser kaschieren, stellt der VBE-Sprecher verbittert fest.

Die Schüler meist motivierenden Einzelfachnoten in den musisch-künstlerischen Fächern wurden alle vom Fächerverbund geschluckt. Durch die zusammengerech­nete Zeugnisnote werden unterschiedliche Schülerleistungen nivelliert. Es entsteht eine weniger aussagekräftige Durchschnittsnote. Aus gutem Grund ist das Fach Musik weder an der Realschule noch am Gymnasium verschwunden, da ein solides Fachwissen notwendig ist, bevor man interdisziplinär arbeiten kann. Völlig unver­ständlich wird die „Einheitsbreinote“ dadurch, dass seit 2006 trotz Fächerverbund wieder die beste Einzelnote aus Musik, Sport und Kunst (Fächer, die es offiziell gar nicht mehr gibt!) im Haupt-/­Werkrealschulzeugnis ausgewiesen werden muss und nur dieser Teilbereich der Gesamtnote versetzungsrelevant ist.

Schon seither galten Musik, Sport und Bildende Kunst aus Sicht vieler lediglich als schmückendes Beiwerk, als Erholung für die vom „richtigen“ Lernen in den Haupt­fächern gestressten Schüler. Das Bündeln zu Fächerverbünden habe diesen Trend verstärkt, selbst wenn in der Summe keine einzige Stunde gegenüber der alten Stundentafel verloren gegangen sei, beklagt der VBE-Sprecher. Der musisch-künst­lerische Bereich habe aber an den Schulen deutlich an Bedeutung verloren.

30. Januar 2012

VBE: Gemeinschaftsschulen bevorzugen selbstorientiertes Lernen

Der Frontalunterricht muss deshalb nicht in die Mottenkiste

Stuttgart. Bei den Vorzügen der Gemeinschaftsschule wird immer wieder auf das an­dersartige Lernen an dieser Schulform verwiesen. Dabei hört man oft einen gewissen Stolz mit heraus, dass dort kaum noch Frontalunterricht stattfindet. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg wendet sich gegen eine grundsätzliche Abwertung des Frontalunterrichts an Schulen. Die­ser habe – in wohldosierter Form – selbst in der modernen Pädagogik seine Da­seinsberechtigung und sei nicht per se schlecht, behauptet der VBE-Sprecher.

VBE Pressesprecher Michael Gomolzig

Michael Gomolzig, Sprecher des VBE

Der professionelle Umgang mit individuellem Lernen, mit Freiarbeit, Gruppenun­terricht, Lerntheken, Partnerarbeit, Stationenlernen und Wochenplan gehört heute zum Standardrepertoire einer modern ausgebildeten Lehrkraft.

Trotzdem ist ein gut vorbereiteter und interessant dargebotener Frontalunterricht nicht minder erfolgversprechend für das Weiterkommen der Schüler als Unterricht, der ausschließlich auf das selbstorientierte Lernen setzt oder einseitig auf Team­arbeit am Gruppentisch, wo alle Schüler zwar immer „beschäftigt“ sind, am Ende der Stunde aber manchmal nicht mehr so genau wissen, warum sie eigentlich was gemacht haben. Und das sind meist gerade die, die besonderer Förderung bedürfen.

Auch Frontalunterricht, also lehrerzentrierter Unterricht, könne in hohem Maße an den Schülern ausgerichtet und damit pädagogisch äußerst wertvoll sein, vor al­lem wenn danach ein deutlicher Lernzuwachs abzulesen sei, so der VBE-Sprecher.

In der Schule bewahrheitet sich die alte Lebensweisheit, dass es auf die richtige Dosis und auf eine gute Mischung ankommt. Nicht umsonst machen sich Lehrkräf­te bei der Unterrichtsvorbereitung gründlich Gedanken, welche Methode sich am besten für die jeweiligen Stundeninhalte eignet. Dabei kann sogar der Frontalun­terricht bisweilen das Mittel der ersten Wahl sein – auch in einer Gemeinschafts­schule. Bei Wikipedia heißt es: „…Bis heute ist Frontalunterricht in der Lehrer­ausbildung fast ein Unwort; Lehramtsreferendaren wird oft der Eindruck vermit­telt, dass alle anderen Sozialformen per se überlegen seien…“

Abwertende Bemerkungen über Lehrer, die von Zeit zu Zeit frontal unterrichten, oder gar eine öffentliche Brandmarkung dieser Art von Unterricht seien schlicht­weg deplatziert, unterstreicht der VBE-Sprecher.

29. Januar 2012

Beamte werden trotz Steuerrekords geschröpft

Südbaden. Überhaupt kein Verständnis hat der Geschäftsführer des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Südbaden, Meinrad Seebacher (Waldkirch)  dafür, dass die Beamten 130 Millionen EUR zur Haushaltssanierung im Land Baden-Württemberg beisteuern sollen. „Während sich die Abgeordneten im Land mit einem Diätenplus von 4,5 Prozent selbst bedienen, verschiebt man die deutlich geringere Besoldungserhöhung für Lehrkräfte um 8 Monate und erhöht die Selbstbeteiligung bei der Beihilfe“, schimpft Seebacher. Dies wiege umso schwerer, da Bund und Länder im Jahre 2011 fast 8 Prozent mehr an Steuern einnahmen. Wenn Baden-Württemberg in einem solchen Jahr mit unerwarteten Steuermehreinnahmen von rund 1 Milliarde  EURO seine Beamten so bestraft, kann man gespannt sein, wie diese in den kommenden Jahren „honoriert“ werden. Es sei kein Geheimnis, dass Grün-Rot eine im Finanzministerium existierende „Giftliste“ umsetzen will, die neben diesen einmaligen Maßnahmen auch strukturelle Eingriffe vornehmen wird. „Die Lehrer sind sauer!“ stellt Seebacher abschließend fest.

Meinrad Seebacher

Meinrad Seebacher, Geschäftsführer des VBE Südbaden

Nach einer Pressemitteilung des Finanzministeriums vom November vergangenen Jahres belaufen sich die Mehreinnahmen für Baden-Württemberg im Jahr 2011 auf rund 1 Mrd. EUR. Vor dem Hintergrund der aktuell zu erwartenden Nettomehreinnahmen von rund 3,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2013 fehlt den Landesbediensteten für das Vorhaben der Landesregierung, die Beamtinnen und Beamten zum wiederholten Male an einer Haushaltskonsolidierung zu beteiligen, nicht nur das Verständnis, sondern sorgt zunehmend für Ärger und Verdruss, stellt Seebacher fest: „Egal, ob Steuerrückgänge oder Steuermehreinnahmen – es scheint sich immer ein Grund finden zu wollen, den Beamtinnen und Beamten, Versorgungsempfängerinnen und -empfängern eine weitere Sparauflage verordnen zu müssen.“

Während die SPD sich in der neuen Regierungskonstellation wenigstens bemühe, Kürzungen mit einmaligen Einschnitten auf sich beruhen zu lassen, seien die GRÜNEN stark daran interessiert, strukturelle Einschnitte vorzunehmen, die sich auf Jahre auf die Besoldung der Beamten und Versorgungsempfänger auswirken. Bei all diesen Vorgängen spiele alleine Justizminister Stickelberger (SPD) für die Koalition eine löbliche Rolle. Sein Ministerium hat festgestellt, dass es verfassungswidrig sei, Kürzungen bei Beamten zu Haushaltssanierungen heranzuziehen. Allein, der VBE habe nicht den Eindruck, so der VBE-Geschäftsführer, dass das die grün-roten Abgeordneten groß interessiere. Deshalb hat der VBE im Verbund mit dem Beamtenbund zu einer Kundgebung am 3. März in der Stuttgarter Liederhalle aufgerufen und dazu Ministerpräsident Winfried Kretschmann eingeladen, damit er vor mehreren Tausend Beamtinnen und Beamten das geplante Sonderopfer rechtfertigen könne. Indes steht der Beamtenbund bereit, je nach Beschluss der Regierung das Verfassungsgericht zu bemühen, um die Rechtmäßigkeit der Einschnitte überprüfen zu lassen.

VBE: 34 Gemeinschaftsschulen zum Erfolg verdammt

Aber der Bildungsaufbruch darf kein zusätzliches Geld kosten

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht die grün-rote Lan­desregierung in der Zwickmühle. Auf der einen Seite müssen die 34 Starter-Gemein­schaftsschulen rasch sichtbare Erfolge vorweisen, damit sie in der Schullandschaft der Ren­ner werden, zu dem sie von den Befürwortern schon jetzt hochstilisiert werden. Anderer­seits ist Bildung ein langwieriger Prozess, dessen Früchte meist erst nach vielen Jahren ge­erntet werden können. Obendrein tritt der Finanzminister auf die Schuldenbremse und verhindert, dass die neue Schulart die Ausstattung bekommt, die sie eigentlich benötigt.

Wenn die Gemeinschaftsschule eine überzeugende Schulart werden soll, ist schon der Start ent­scheidend. Die Qualität muss von Beginn an überzeugen, soll die Gemeinschaftsschule eine Zu­kunft haben. Dabei sind nach Auffassung des VBE folgende Parameter zwingend notwendig: Die ausreichende Versorgung mit Lehrerstunden sollte dauerhaft gesichert sein – speziell wegen des Ganztagesbetriebes. Für die besondere Form des Lernens müssen die Lehrer umfassend aus- und weitergebildet werden. Die Zusammenarbeit zwischen allen Schularten muss – auch wegen mög­licher Übergänge von Schülern – reibungslos funktionieren. Institutionen und Einrichtungen im Umfeld der Schulen und aus der Lebenswelt der Schüler sollten feste Bestandteile des schu­lischen Alltags werden.

Der Politik ist es trotz etlicher Informationsveranstaltungen bisher nicht gelungen, überzeugend darzustellen, dass es sich bei den Gemeinschaftsschulen nicht um Gesamtschulen, sondern um et­was völlig Neues mit einem besonderen pädagogischen Konzept handelt. In der Öffentlichkeit ist vielfach der Eindruck entstanden, dass die Gemeinschaftsschule als Ersatz für die sterbende Hauptschule und damit als Standortsicherung für Kommunen mit zurückgehenden Schülerzahlen angesehen wird. Bestenfalls sieht man in der neuen Schulart die organisatorische Zusammenle­gung von Haupt- und Realschule, wie das die CDU mit der „Oberschule“ angedacht hat.

Der Zwang, mit der Gemeinschaftsschule zum Erfolg verdammt zu sein, und die dilettantische Umsetzung bei der Einführung – allein der Eiertanz um die Deputate der dort unterrichtenden Lehrer hat Kabarettniveau – bestätigen die Skeptiker der neuen Schulart, deren Grundidee in der Reinform trotzdem einen beinahe paradiesisch anmutenden Charme ausstrahlt. Die Schulwirk­lichkeit ist für solche Visionen aber noch nicht genügend vorbereitet, zumal der Finanzminister des Landes auch alles dafür tut, dass die Schulen weder das Personal noch die sächlichen und räumlichen Ausstattungen bekommen, die sie für diese neue Schulform benötigen – auch mit Blick auf die Realisierung der Inklusion, die niemals kostenneutral zu haben ist.

Als sehr problematisch erscheint dem VBE die Zusammenführung unterschiedlicher Lehrer in der Gemeinschaftsschule, so wie es in der Endausbaustufe sein soll. In den Lerngruppen arbeiten dann Pädagogen mit der Lehrbefähigung für Sonderschulen, Grundschulen, Haupt- und Werkre­alschulen, Realschulen, Gymnasien und Fachlehrer mit unterschiedlichen Unterrichtsverpflich­tungen (von 25 bis 31 Stunden pro Woche), mit unterschiedlichen Ausbildungswegen und -zeiten (von gerade mal zwei bis über sieben Jahre) sowie mit unterschiedlicher Besoldung [vom Fach­lehrer mit A 9 bis zum Studiendirektor mit A 15], was je nach Besoldungsstufe einen Gehaltsun­terschied von bis zu 3418 Euro monatlich(!) ausmachen kann.

22. Januar 2012

Chef der Jungen Union löst beim VBE heftige Irritationen aus

Stuttgart. Beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg lösten die jüngsten Aussagen des neuen Vorsitzenden der Jungen Union, Nikolas Löbel, heftige Irritationen aus. Löbel hatte Streichungen von Lehrerstellen vorge­schlagen, sich gegen die Senkung des Klassenteilers ausgesprochen und den Beamtenstatus von Lehrern infrage gestellt. Damit bezog er eine deutlich andere Position als die, die die CDU wenigstens bisher zur Schule hatte.

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Während sich die CDU, als sie noch an der Regierung war, für eine sukzessive Senkung des Klassenteilers stark gemacht und diesen Prozess auch in Gang gesetzt hat, spricht sich Löbel jetzt aus finanziellen Gründen gegen die Absenkung aus. Pädagogik spielt bei solchen Überlegungen leider keine Rolle. Wer behauptet, dass es kein großer Unterschied sei, ob ein Lehrer 20 oder 30 Kinder vor sich habe, zeigt, dass er höchstwahrscheinlich außer seiner eigenen Schule nicht viele andere Einrichtungen von innen gesehen, geschweige denn Unterricht unter schwierigen Bedingungen erlebt hat; Unterricht, wie er heute an vielen Schulen Alltag ist – und nicht nur an denen in sozialen Brennpunkten. Schulen benötigen mehr Lehrer statt weniger, um den Anforderungen der heutigen Gesellschaft an eine qualitativ hoch­wertige Schule zu erfüllen und den Unterrichtsausfall möglichst gering zu halten. Gerade im Ganztagesbetrieb ist es fast unmöglich, Schüler vorzeitig nach Hause zu schicken, weil sich Eltern auf feste Unterrichtszeiten verlassen wollen.

Der Beamtenstatus der Lehrer garantiert den Schulen Stabilität und Kontinuität, hält sie streikfrei und von Beeinflussungen von außen frei. „Löbel wäre sicher der erste, der lautstark schimpfen würde, wenn Lehrer kurz vor dem Abitur als Arbeits­kampfmaßnahme die Arbeit längere Zeit niederlegen würden“, mutmaßt VBE-Chef Gerhard Brand in einer ersten Stellungnahme.

Der VBE rät dem Vorsitzenden der Jungen Union, sich gründlicher mit der Ma­terie vertraut zu machen, bevor er Äußerungen von sich gibt, die sich nicht sonder­lich von Parolen an Stammtischen unterscheiden. Mit seinen Vorstoß, den Beam­tenstatus für Lehrer abzuschaffen, outet sich der JU-Chef als ein „Maulwurf“ in der Union oder zumindest als ein schwarz angestrichener Grüner. Sogar der Presse­sprecher der JU Biberach, Martin Pretzel, hat seinem Vorsitzenden auf der Face­book-Seite der Organisation gestern heftig widersprochen und eine Begründung für diesen Rundumschlag gefordert, der auch aus Sicht des VBE überflüssig und un­sinnig ist. „Ohne eine gesicherte Bildung für alle lässt sich kein Staat machen“, so Brand.

23. Januar 2012

Ein gutes neues Jahr

VBE Landesvorsitzender Gerhard Brand

Gerhard Brand, VBE Landesvorsitzender

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihr VBE wünscht Ihnen von ganzem Herzen ein gutes neues Jahr. Wir wünschen Ihnen Gesundheit, wir wünschen Ihnen Glück und Freude in Ihrem Tun und schöne Begegnungen. Es sind die Dinge, die man sich einander wünscht zum neuen Jahr. Aber was den Neujahrswünschen seltener zu entnehmen ist, sind die Wünsche für Geborgenheit und Vertrauen, für Anerkennung und Verständnis sowie für Sicherheit und Verlässlichkeit.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das sind Wünsche, die wir auch an unseren Dienstherrn richten.

Wir wünschen uns von ihm das Gefühl der Geborgenheit und des Vertrauens in unsere Arbeit als Profis für Bildung und Erziehung. Und dazu gehört, dass man uns in Ruhe und Kontinuität arbeiten lässt. Unser Beruf ist hart geworden, und mehr als die Hälfte von uns schafft es nicht mehr, gesund bis zum regulären Pensionsalter im Dienst zu bleiben. Da ist es nicht dienlich, wenn man uns von einer Ecke in die andere hetzt und unser Tun den Wechselströmen der Politik ausgesetzt ist. Die Frage nach Geborgenheit ist auch nicht kindlich naiv, sondern es ist die Voraussetzung für physische und psychische Gesundheit und somit auch eine Verpflichtung unseres Arbeitgebers gegenüber seinen Lehrerinnen und Lehrern. Wir fragen das Ministerium: „Wie sieht es aus mit der Geborgenheit?“

Wir wünschen uns Anerkennung und dazu gehört Wertschätzung. Wertschätzung, die sich auch in unserer Stellung als Beamte des Landes Baden-Württemberg ausdrückt und die uns stolz darauf sein lässt, unserem Land und der Gesellschaft dienen zu dürfen. Eine Anerkennung, die uns zeigt, welch ein hohes Gut Bildung für ein Land darstellt und welch hoher Wert somit auch unserer Arbeit zukommt. Einer Arbeit, die wir Beamte zuverlässig und ohne Unterbrechung durch Streiks leisten. Und an dieser Stelle wünschen wir nicht nur, sondern fordern für unsere Tarifbeschäftigten eine Überführung in den Beamtenstatus oder eine Gleichstellung in den Arbeitsbedingungen und der Besoldung. So, wie sie der VBE schon bei den Verhandlungen zur Länder-Entgeltordnung gefordert hat. Das hat auch etwas mit Anerkennung und Verständnis zu tun. Und da fragen wir die Landesregierung: „Wie sieht es aus mit der Anerkennung?“

Wir wünschen uns Sicherheit und dazu gehört auch finanzielle Sicherheit. Wir wünschen uns Verlässlichkeit, und dazu gehört, dass man Wort hält, wenn man sagt, die Beamten seien in der Vergangenheit schon genug belastet worden und weitere Einschnitte in der Beihilfe und bei den Versorgungsempfängern kämen nicht mehr in Frage. Eine Aussage, die die SPD noch vor der Wahl getroffen hatte. Es ist eine der Aufgaben Ihres VBE, sich dafür einzusetzen, dass die, die aus Beruf und aus Berufung der Gesellschaft dienen, dafür auch angemessen honoriert werden. Wir nehmen die SPD beim Wort und fragen: „Wie sieht es aus mit der Verlässlichkeit?“

Vor Jahren hat unser amtierender Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gesagt, wer in den öffentlichen Dienst gegangen sei, der habe gewusst, dass er nicht reich werden würde. Ohne Zweifel – aber im Eid des Beamten auf die Verfassung ist nicht auch noch das Gelübde der ewigen Armut enthalten; das ist der klösterlichen Abgeschiedenheit vorbehalten.

Wir werden ein ereignisreiches neues Jahr vor uns haben. Lassen Sie es uns engagiert angehen!

Es grüßt Sie herzlichst Ihr VBE Landesvorsitzender

Gerhard Brand